Die TSG Neustrelitz spielt einem Jahr in der Regionalliga Nordost. Als Aufsteiger schloss man die letzte Saison auf dem achten Platz ab und gewann zudem dem Landespokal Mecklenburg-Vorpommern. Der 3:0-Erfolg gegen Hansa Rostock wurde von schweren Ausschreitungen der Hansa-Fans überschattet.
Für die TSG war es nach 2007 und 2008 der dritte Pokalsieg, wodurch man auch zum dritten Mal im DFB-Pokal startet.
Bei den letzten zwei Teilnahmen unterlag man dem Karlsruher SC und 1860 München jeweils in der ersten Runde mit 0:2. Den KSC zwang man in die Verlängerung.
Wie die Chancen in diesem Jahr gegen den SC Freiburg stehen und was Neustrelitz und Freiburg gemeinsam haben, erzählt uns Kapitan Rico Morack im letzten Teil der Serie "David gegen Goliath".

 

 

(tr/seko). Spiel, Satz und Tor: Herr Morack, wie zufrieden sind Sie mit dem Los SC Freiburg und wo haben Sie die Auslosung verfolgt?

 

Rico Morack (Kapitän TSG Neustrelitz): Ich habe die Auslosung zu Hause im Kreise meiner Familie verfolgt. Es war unser Ziel, einen Erstligisten zugelost zu bekommen und ich denke, dass wir mit dem SC Freiburg nicht den schlechtesten Bundesligisten erwischt haben. Die Freiburger sind ein Euopa-League-Teilnehmer, unser Stadion wird ausverkauft sein. Was will man mehr? Wir sind alle sehr zufrieden mit dem Los.   
Natürlich hatte jeder sein eigenes Wunsch- oder Traumlos. Da waren mit Sicherheit vor allem Bayern München und Borussia Dortmund dabei, aber ich bin der Meinung, dass wir auch mit den Freiburgern einen sehr attraktiven Gegner zugelost bekommen haben und zufrieden sind.

 

Für die TSG Neustrelitz ist es keine Selbstverständlichkeit, im DFB-Pokal spielen zu können. Der Verein muss sich jährlich über den Landespokal in Mecklenburg-Vorpommern hierfür qualifizieren. Sie haben diesen gewonnen, sich deutlich gegen Hansa Rostock durchgesetzt. War das ein vorgegebenes Ziel oder hat man den Pokalsieg „mal so eben“ mitgenommen?

 

Wir sind hinter Hansa Rostock die zweite Kraft in Mecklenburg-Vorpommern und so war es natürlich unser Ziel, ins Finale zu kommen. Dass es dann gegen Hansa im eigenen Stadion so hinhaut (3:0-Sieg/d. Red.), war natürlich klasse und hätte für den Verein nicht besser laufen können.
So gesehen hatten wir schon das Ziel, den Pokal zu gewinnen. Dass das schwer werden würde, weil mit Hansa Rostock eben eine höherklassige Mannschaft teilgenommen hat, war uns auch klar. Am Ende haben wir es aber völlig verdient geschafft.

 

Im DFB-Pokal ist ja bekanntlich „alles möglich“. Der SC Freiburg hat im Vergleich zur Vorsaison viele Leistungsträger verloren, viele neue Spieler müssen integriert werden. Rechnet sich die TSG Neustrelitz, getreu dem Motto: „Im Pokal ist alles möglich“, gegen den SC Freiburg Chancen aus oder ist ein Weiterkommen ausgeschlossen?

 

Wenn wir denken würden, dass wir gar keine Chancen haben, bräuchten wir auch gar nicht erst anzutreten. Wir rechnen uns natürlich Chancen aus, auch wenn wir wissen, dass die relativ klein sind. Es entscheidet sich aber an einem Tag, in einem Spiel. Von daher werden wir schauen, was drin sein wird und werden dementsprechend in das Spiel gehen. Es gab auch in den letzten Pokalrunden immer wieder Überraschungen und vielleicht gelingt uns auch eine solche.
Wir haben allerdings ähnliche Probleme wie die Freiburger und haben auch viele neue Spieler. Die Vorbereitung läuft dennoch sehr gut und wir werden von unserem Trainer mit Sicherheit optimal auf den SC Freiburg eingestellt werden. Und wer in dem Spiel nicht von vornherein hochmotiviert sein wird, macht irgendetwas falsch.

 

Sie haben – wie wir gehört haben – viele neue Spieler dazubekommen, aber auch einen neuen Trainer, der Fußballfans in ganz Deutschland ein Begriff sein dürfte: Thomas Brdaric hat eine Menge Erfahrung als Spieler gesammelt. Kann er diese, besonders vor einem solchen Spiel, nutzen und aus der Mannschaft mit Tipps und Tricks nochmal mehr herausholen oder spielt das keine Rolle?

 

Dass er das kann, davon kann man mit Sicherheit ausgehen. Aber wir fokussieren unsere Vorbereitung nicht nur auf das Spiel gegen Freiburg, sondern auf die gesamte Saison. Das Pokalspiel ist ein kleines Bonbon für die erfolgreiche letzte Saison, aber auch nicht mehr. Der Fokus liegt auf der Meisterschaft. Nichtsdestotrotz würden wir mit einem Erfolgserlebnis im DFB-Pokal mit Schwung in den Saisonauftakt vier Tage später gehen und dieser würde uns eventuell leichter fallen.

 

Zur Meisterschaft kommen wir später noch einmal zurück.    
Jetzt aber mal Hand aufs Herz, Herr Morack: Wie viele Kästen Bier würden bei einem Sieg gegen den SC Freiburg in der Kabine auf die Mannschaft warten?

 

(lacht) Oh, da wird Thomas Brdaric sehr aufpassen, glaube ich. Wir haben wenige Tage nach dem Pokalspiel gegen den FC Carl-Zeiss Jena einen schweren Saisonauftakt. Natürlich werden wir uns freuen, aber wir spielen Fußball und der Trainer wird auch im Falle eines Sieges die Zügel etwas anziehen. Jeder Fußballer weiß, dass, wenn man vier Tage später ein wichtiges Spiel hat, nicht zu ausgelassen gefeiert werden soll.

 

In welcher Form könnte die TSG Neustrelitz, ihrer Meinung nach, von dem Pokalspiel und einem eventuellen Sieg gegen Freiburg profitieren?

 

Wenn wir den Sieg schaffen und in die Zweite Runde einziehen sollten, bekommt der Verein knapp 250.000 Euro. Da würden sich natürlich, insbesondere was neue Spieler angeht, neue Türen und Möglichkeiten auftun. Aber ich bin der Auffassung, dass es wichtig für den Klub ist, gut zu wirtschaften. Mit einer solchen Summe im Rücken lebt es sich für jeden Verein natürlich besser, gerade, wenn er so klein ist, wie unserer. Das wäre ein Jackpot.

 

Was spüren Sie von einer eventuellen Euphorie in Neustrelitz?
Sehr viel – von den 5000 Karten, die wir verkaufen können, sind schon jetzt 3000 vergriffen. Die ganze Stadt spricht über das Spiel und man kann spüren, wie wichtig der Tag zum einen für unseren Verein, zum anderen aber auch für die gesamte Stadt ist.

 

Sie hatten vorhin schon einmal die Meisterschaft angesprochen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Saison und was sind die Ziele für diese? Träumt man in Neustrelitz vielleicht sogar vom Aufstieg?

 

Wir sind das zweite Jahr in der Regionalliga. Die zweite Saison ist bekanntlich immer die schwerste Saison und deshalb sollten wir über den Aufstieg gar nicht erst reden. Wir haben, wie schon erwähnt, viele neue Spieler dazubekommen und dementsprechend auch eine noch recht neue Mannschaft. Die Neuzugänge müssen recht schnell integriert werden. Wir müssen sehen, dass wir gleich in den ersten Saisonspielen in die Saison reinfinden, damit wir einen Lauf starten können und gar nicht erst in Schwierigkeiten kommen. Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben und den Landespokal verteidigen. Am Ende werden wir dann sehen, wo wir landen.