Herr Schwarz, was sagen Ihnen die Mannschaften Kickers Offenbach, Eintracht Braunschweig und der VfL Osnabrück?

 

Jörg Schwarz (Pressesprecher des SV Wilhelmshaven): Das sind drei Traditionsvereine, die im Profifußball schon lange einen Namen haben. Wenn Sie die Frage so stellen, vermute ich, dass diese Vereine mal Borussia Dortmund aus dem Pokal gekegelt haben.

 

Das ist richtig. Offenbach 2010, Osnabrück 2009 und Braunschweig 2006. Könnte sich der SV Wilhelmshaven in die Reihe dazugesellen?

 

Um es mal so zu sagen: wir hätten nichts dagegen. Wenn man aber mal alle vier Vereine mit einander vergleicht, ist die Wahrscheinlichkeit bei uns am geringsten. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Es gab auch schon Vestenbergsgreuth, das die großen Bayern geschlagen hat (1:0 in der ersten Runde der Saison 1994/95/d. Red.). Es gibt immer wieder Überraschungen und wir hätten sicherlich nichts dagegen, wenn uns eine solche gelingen würde. Die Mannschaft wird mit Sicherheit alles dafür geben. Man muss aber mal ganz ehrlich sein – da kommt der Champions-League-Finalist und die haben sich ja nun für ein paar Millionen verstärkt. Große Hoffnungen haben wir nicht. Aber wir spielen auch nicht, um einfach nur einen schönen Sommerkick zu haben, sondern wollen die Dortmunder schon ärgern.

 

Gab es denn irgendwelche Wunschlose? Dortmund sicherlich, die Bayern auch – sonst noch jemand?

 

Ja, ganz klar. Dortmund und Bayern. Einen von beiden wollten wir bekommen. Wir hatten dann natürlich auch so ein bisschen die Hoffnung auf das Livespiel, das jetzt die Kollegen aus Rehden bekommen haben. Das  ist der einzige Wehrmutstropfen, das wir dieses Livespiel nicht bekommen haben. Dennoch: Bayern und Dortmund wurden genannt, Dortmund ist es geworden. Was will man mehr? Da müssen wir uns nicht unterhalten, Livespiel hin oder her.

 

Wie und wo wurde die Auslosung verfolgt?

 

Die haben wir zusammen in unserem Vereinsheim angeschaut. Wie jedes Jahr saßen wir dort zusammen und waren natürlich gespannt, welchen Gegner wir zugelost bekommen. Man schaut dann nach einem Drittel der Auslosung, wer von den Großen noch im Topf ist und freut sich, wenn andere Mannschaften eher die Kleineren zugelost bekommen. Ich will nichts gegen Zweitligisten sagen, die spielen auch tollen Fußball. Man schielt aber natürlich immer auf die ganz großen Lose. Dann bekam Schwarz-Weiß Rehden den FC Bayern München zugelost und wir waren natürlich etwas enttäuscht.    
Dann schaut man eben, wer noch alles „zu haben“ ist. Zu diesem Zeitpunkt waren, glaube ich, noch Schalke, Mönchengladbach und Dortmund im Topf. Also hatten wir schon noch Hoffnung.
Als das Los dann endlich gezogen wurde, wurde es zunächst noch nicht mal in die Kamera gehalten. Irgendwie blitzte schon etwas schwarz-gelbes durch und zig Leute riefen auf einmal „Dortmund, Dortmund“. Danach erst wurde die Halbkugel umgedreht, in die Kamera gehalten und bei uns war nur noch Jubel, Geschrei (lacht) und Leute lagen sich den Armen. Das war natürlich der absolute Hammer und für mich, als Dortmundfan, natürlich erst recht.

 

Da haben Sie nächste Frage fast schon mitbeantwortet – gibt es denn in der Mannschaft und im Umfeld den ein oder den anderen Dortmundfan?

 

Ja, natürlich. Im Umfeld auf alle Fälle. Da wir in der Mannschaft derzeit einen Umbruch durchleben, weiß ich im Moment gar nicht, zu welchen Vereinen da einige Jungs halten. Sicher weiß ich aber, dass wir einen Jungen aus der Schalke-Jugend haben. Der wird jetzt wohl nicht unbedingt ein Fan der Borussia sein (lacht).    
Ich selbst bin seit 30 oder mehr Jahren Fan des BVB. Da freue ich mich natürlich jetzt schon, am Ende des Spiels neben Jürgen Klopp zu sitzen und ihm die Fragen zum Spiel stellen zu dürfen. Das ist schon ein großes Highlight.

 

Apropos Jürgen Klopp, der ist bei Pressekonferenz ja immer für den ein oder anderen Spruch gut. Freut man sich da als Pressesprecher auf die Pressekonferenz (PK)?

 

Ja, wie gesagt, das ist ein Highlight. Ich habe schon einmal vor zwei Jahren im Rahmen eines Testspiels eine PK mit ihm erleben dürfen. Da habe ich anschließend schon zu allen gesagt, dass er genau so ist, wie er im Fernsehen rüber kommt. Er ist ein „Pfundstyp“, so einfach und locker. Mal sehen, wie er ist, wenn Dortmund gegen uns verloren hat (beide lachen).    
Nein, das ist natürlich Quatsch. Aber ich freue mich riesig auf die PK. Jürgen Klopp ist einfach ein Typ, ein Sympathieträger. Er ist nicht umsonst in so vielen Werbespots zu sehen. Er ist wirklich nicht abgehoben und ist ein „Mann aus dem Volk“.    
Wir freuen uns auf Herrn Klopp – wir freuen uns aber auch auf alle Dortmunder Spieler und den ganzen Tross, der da noch mit dabei ist. Und wir hoffen, dass wir ihnen ein vernünftiges Umfeld bieten können.

 

Als Amateurverein muss man sich über den Landespokal für den DFB-Pokal qualifizieren. Das ist ein langer Weg. War die Pokalteilnahme das erklärte Ziel oder hat man die nebenbei mitgenommen?

 

Nein, die Teilnahme war natürlich das große Ziel. Die Pokaleinnahmen sind für einen Verein wie unseren bei einem Viertel oder gar einem Drittel des gesamten Jahresetats. Rehden wird allein durch das Livespiel mit Sicherheit mehr als die Hälfte des Jahresetats decken. So eine Pokalteilnahme ist deshalb natürlich eine riesige Geschichte. Deshalb darf man so etwas dann auch nicht mal eben „nebenbei“ laufen lassen und ich kann auch für diese Saison sagen, dass wir alles daran setzen werden, kommende Saison wieder im Lostopf in der ersten Hauptrunde zu sein.

 

Mit Farat Toku haben Sie einen neuen Trainer verpflichtet. Für ihn geht es gleich in den ersten Wochen gegen einen Champions-League-Finalisten und es wird dementsprechend auch für ihn ein besonderes Spiel sein. Wie wird er die Mannschaft auf das Spiel einstellen und ist auch bei ihm schon eine Nervosität spürbar?

 

Ich denke, die Nervosität kommt erst noch. Der Trainer weist immer wieder darauf hin, dass die Saison 2013/14 nicht allein aus dem Spiel gegen Borussia Dortmund besteht. Die Saison geht eigentlich erst nach dem Spiel richtig los – danach haben wir den Landespokal und danach haben wir die 34 Saisonspiele, die wir brauchen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Man darf wegen der Borussia die anderen Saisonziele nicht aus den Augen verlieren. Darauf achtet Farat Toku sehr genau drauf. Aber erkann mit so einem Spiel natürlich auch motivieren und die Jungs in der Vorbereitung heiß machen, damit wir eben am 3. August topfit sind. Denn nur wer topfit ist, wird auch spielen. Und ich denke, spielen will jeder von Anfang an. Insofern hat es Herr Toku bei den schweißtreibenden Trainingseinheiten im Moment vielleicht sogar etwas einfacher.

 

Gibt es intern in der Mannschaft schon Diskussionen, wer nach dem Spiel welches Trikot bekommen wird?

 

Ne. Zumindest ist es mir bis jetzt noch nicht aufgefallen. Ich will nicht abstreiten (lacht), dass es solche Diskussionen geben wird, je näher das Spiel rücken wird. Aber, wenn sich selbst gestandene Bundesligastars um das Trikot von Lionel Messi kloppen, dann darf man einem Amateurspieler nicht böse sein, wenn dieser sagt, er will beispielsweise gerne das Lewandowski-Trikot bekommen. Aber im Moment ist diesbezüglich noch nichts zu hören und zu spüren. Das liegt vielleicht auch daran, dass unser Fitnesstrainer unsere Jungs derzeit so hart rannimmt, dass die dazu gar nicht mehr in der Lage sind (lacht).

 

Die Bilder von der  Einheit am Beachvolleyballplatz sahen auf jeden Fall sehr schweißtreibend und anstrengend aus.

 

Vor kurzem gab es auch eine dreistündige Kanutour, das geht ganz schön auf die Pumpe. Am Tag darauf war Biathlon.

 

Holla die Waldfee, da geht es richtig zur Sache…

 

…Die Spieler mussten vom Stadion zu einem nahegelegenen Schützenverein laufen. Da wurde dann geschossen. Wer die Scheiben nicht getroffen hat, musste eine Strafrunde laufen, die zudem bergauf ging. Das Ganze wurde, wie beim Biathlon, mit zwei Schießeinheiten veranstaltet und anschließend ging es wieder zurück zum Stadion. Die Mannschaft wird also fit sein (lacht).

 

In welcher Form kann denn der SV Wilhelmshaven langfristig von dem Pokalknaller profitieren?

 

(denkt nach) Was das Geld angeht, ist das auf langfristige Sicht nicht genug. Wie schon gesagt habe, sind die Einnahmen ein ganz wichtiger Anteil, was den Saisonetat angeht. Es ist aber definitiv nicht so, dass man mit diesem Geld langfristige Ziele finanzieren oder erreichen kann.
Natürlich können wir uns in der Umgebung langfristig in die Herzen der Fans spielen und neue Fans dazugewinnen, die sich sagen: „Ach, gegen Dortmund schau ich mal beim SV Wilhelmshaven vorbei“. Nach einem beherzten, kämpferischen Auftritt, einer tollen Leistung und einem entsprechenden Ergebnis bleiben solche Fans vielleicht beim Verein. Davon hätte man langfristig etwas.

 

Sie haben neue Fans angesprochen – ist ein solches Pokalspiel nicht auch ein Anreiz für neue Spieler?

 

Ausschlaggebend mag das durchaus sein. Aber ich glaube nicht, dass Spieler schauen, wer in der ersten Pokalrunde gegen einen Bundesligisten spielt und sich bei dem Verein dann melden werden. Wenn es aber so weit ist, dass die Entscheidung nur noch zwischen zwei oder drei Vereinen gefällt werden muss und sich diese Vereine auch finanziell nicht großartig unterscheiden, kann ich mir schon vorstellen, dass ein solches Spiel ausschlaggebend sein kann. Da müssen dann allerdings auch das Umfeld und das Finanzielle stimmen.    

Das Spiel wird im Fernsehen übertragen, wir werden live bei Sky auflaufen und gegen eine absolute Topmannschaft spielen. Das könnte den letzten Kick und den Ausschlag geben. Aber ich denke nicht, dass ein Spieler für ein solches Spiel auf 500 Euro oder mehr verzichten würde.
Bleiben Sie im heimischen „Jadestadion“ oder werden Sie umziehen müssen?

 

Wir haben entschieden, das Spiel hier in Wilhelmshaven auszurichten. Es gab in der Vergangenheit in unserer Gegend schon einige Vereine, die ähnlich große Spiele nicht zu Hause ausgetragen haben. Concordia Irhove hat vor einigen Jahren (Saison 2002/03/d. Red.)  auch gegen Dortmund gespielt. Der Verein hat Zusatztribünen angebaut und sich finanziell mächtig aus dem Fenster gelehnt.    
Der FC Oberneuland hat letztes Jahr ebenfalls gegen Dortmund in Bremen gespielt und auch einiges investiert. Beide Vereine mussten kurze Zeit wegen Insolvenzverfahren zwangsabsteigen.
Wir sind der SV Wilhelmshaven und wollen auch in Wilhelmshaven spielen. Es passen zwar nur 7500 Zuschauer ins Stadion, aber die sind wenigstens aus der Region. Woanders hätte man mehr Geld in die Hand nehmen und logistisch ganz anders planen müssen. Dieser Problematik wollten wir aus dem Weg gehen und bleiben deshalb zu Hause.

 

Ist in der Stadt schon eine Vorfreude zu verspüren und wie ist die allgemeine Stimmung im Umfeld?

 

Die allgemeine Euphorie ist natürlich enorm. Schon kurz nach der Auslosung stand mein Telefon nicht mehr still und man hat auf einmal Freunde, von denen man gar nichts wusste. Vor wenigen Tagen gab es an der Jade das Stadtfest, bei dem sich die Mannschaft auf einer Bühne präsentiert hat.    

Es kommen immer mehr Zuschauer zum Training und selbst Leute, von denen man nicht erwartet, dass sie sich für Fußball interessieren, sprechen einen auf das Spiel an. In Wilhelmshaven gibt es im Moment wohl kein anderes Thema.

 

Werfen wir noch einen Ausblick auf die kommende Saison in der Regionalliga Nord. Die letzte Saison war turbulent – sie haben den Klassenerhalt nur geschafft, weil Holstein Kiel in die dritte Liga aufgestiegen ist und der 16. Platz deshalb nicht in die Oberliga absteigen musste.    

Jetzt haben Sie einen neuen Trainer und die Mannschaft ist, wie gehört, im Umbruch. Was sind die Saisonziele für 2013/14?

 

Das Ziel ist ganz klar: Klassenerhalt. Nach den sechs Punkten Abzug wären wir letzte Saison abgestiegen und sind nur dank Holstein Kiel Regionalligist geblieben. Wir haben auch keinen großen Etat und werden mit einer ganz jungen Mannschaft auflaufen. Alles andere als das Saisonziel Klassenerhalt wäre deshalb vermessen. Wenn es mehr werden sollte, nehmen wir das aber natürlich auch gerne.


Der SV Wilhelmshaven hat sich zum fünften Mal für die erste DFB-Pokal-Hauptrunde qualifiziert. Bei den bisherigen vier Teilnahmen (1980 gegen Bochum, 2007 gegen Kaiserslautern, 2010 gegen Frankfurt, 2012 gegen Augsburg) schied der Verein jeweils in der der Ersten Runde aus.
Wilhelmshaven spielt seit der Saison 2008/09 in der viertklassigen Regionalliga Nord und belegte dort in der abgelaufenen Saison den 16. Platz. Nur, weil Holstein Kiel die Regionalliga in Richtung Dritte Liga verlässt, musste Wilhelmshaven nicht absteigen. Hätten die Norddeutschen den Drittliga-Aufstieg verpasst, wäre Wilhelmshaven, auf Grund von Lizenzproblemen, in die sechsklassige Landesliga abgestiegen.
Im Pokal trifft Wilhelmshaven auf den deutschen Vizemeister und Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund. Das Spiel wird am 3. August um 15.30 Uhr angepfiffen.
"Spiel, Satz und Tor" hat sich mit dem Pressesprecher, Jörg Schwarz, über das Spiel, die Auswirkungen auf die Saison und die Ziele für die kommende Spielzeit unterhalten.