Ein bisschen China, bitte!

Neymars Rekordtransfer vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain ist so gut wie perfekt. Die Folgen für den Fußball kommentiert Sebastian Koch.

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Neymar, hier noch im Trikot vom FC Barcelona, wechselt für 220 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain und ist der teuerste Fußballspieler aller Zeiten.

222 Millionen Euro. In Worten: Zweihundertzweiundzwanzig Millionen. Die von Paris gezahlte Ablösesumme für Neymar erscheint selbst auf dem seit Jahren durchdrehenden und an Obszönität nun kaum mehr zu steigernden Fußballtransfermarkt unwirklich. Wo das hinführe, fragen sich in diesen Stunden Milliarden Fans. Der Fußball entfernt sich nicht erst durch diesen Transfer weiter von ihnen. Hunderte Millionen Euro sind auch in diesem Sommer auf dem Transfermarkt wieder hin- und hergeschoben worden - und der Wechsel Neymars von Barcelona nach Paris wird verheerende Folgen auf dem Spielermarkt haben und mutmaßlich eine weitere Wechsellawine auslösen.

 

Doch die Hundertmillionen-Euro-Wechsel haben nicht nur auf die Mannschaftskader in Europas Topligen Auswirkungen. Vereine müsse die inflationären Transfersummen über Einnahmen aus  Übertragungsrechten und Ticketpreisen reinvestieren. Auch in Deutschland, wo sich die Vereine bislang dem ganz großen Ablösewahn noch erfolgreich entziehen, wird ab dieser Saison der Fernsehmarkt unübersichtlich. Sky, Eurosport, der Streamingdienst DAZN, ARD und zukünftig eventuell auch RTL - die Übertragungsrechte zersplittern und bringen Verbänden und Vereinen Milliarden - in England und Spanien eine bereits gängige Praxis. Der Verlierer sind die Zuschauer, die sich durch einen Dschungel an Angeboten und Übertragungspaketen wühlen müssen. Bezahlsender fürchten deshalb bereits Kündigungswellen und Einschaltquoten für Spiele im frei empfangbaren Fernsehen gehen zurück, weil der Markt übersättigt scheint.



Und auch im Stadion merken die Zuschauer die Auswirkungen des teuren Spielermarkts. Steigende Ticketpreise und ausufernde Übertragungsrechte sind für Vereine das einfachste Mittel, um Einnahmen zu generieren, die für die Einhaltung des Financial Fair Plays unabdingbar sind. Noch macht das ein Großteil der zahlenden Kundschaft mit. Doch was passiert, wenn sich diese Stimmung ändert?

 

Zahlende Fans halten die sowieso bereits aufgeblähte Finanzblase Fußball noch aufrecht. Steigende Eintrittspreise und die bereits angesprochene Marktsättigung sorgen über kurz oder lang jedoch für eine Resignation - die zahlende Basis droht wegzufallen. Einnahem bleiben dann, vor allem bei Bezahlsendern, aus. Übertragsungsverträge müssen gekündigt werden, Millioneneinnahmen für Verine fehlen, die Finanzblase platzt.

 

Deshalb muss die Fifa reagieren. Das Financial Fair Play muss rigoroser eingefordert werden. Auch eine, zumindest temporäre, Gehalts- und Ablösenobergrenze muss durchdacht werden, um die Summen wieder auf ein verhältnismäßig normales Niveau zurückzuschrauben. Und auch das 'China-Modell' kann auf europäische Vereine angewandt werden. Chinesische Profivereine müssen die Höhe ihrer gezahlten Ablösesummen in die vereinseigene Infrastruktur, insbesondere die Nachwuchsförderung, stecken. Sie zahlen also doppelt. Die Folge: In diesem Sommer hielten sich chinesische Vereine auf dem Transfermarkt merklich zurück. Eine Entwicklung, wie sie auch in Europa wünschenswert wäre.   

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