Videobeweis? Gut! Aber ...

Beim Confederations-Cup sorgen Tore, die mit Hilfe der modernen Technik ab- beziehungsweise anerkannt werden, für Diskussionen. Der Schritt zum Videobeweis ist gut, war zwingend notwendig. Doch er wirft auch neue Probleme auf - noch ist nicht alles perfekt. Sebastian Koch kommentiert.

Drei Spiele ist der Confederations-Cup 2017 erst alt, doch über mangelnden Diskussionsstoff können sich Akteure, Experten und Fans wahrlich nicht beklagen. Der Videobeweis steht im Mittelpunkt manch erhitzter Gemüter. Lange Jahre gefordert, wird nach der endlich erfolgten Einführung vor allem die Umsetzung diskutiert und kritisiert. Das ist ob der Szenen im Eifer des Gefechts nachvollziehbar - doch letztendlich sollte erkannt werden, dass in allen Fällen erst der technisierte Beweis regelkonforme Entscheidung herbeiführte und Mannschaften davor bewahrte, durch eben nicht solche benachteiligt zu werden. Kurzum: Ziel erreicht. Das übliche und wohl auch gern gesehene Fifa-Bashing in diesem Punkt überflüssig. Natürlich, in der Umsetzung gibt es noch Schwächen und dementsprechendes Verbesserungspotential. Regeln müssen dem Neuen angepasst werden, die Schiedsrichter besser geschult beziehungsweise angewiesen werden.

 

Die Symbolik des Unparteiischen muss deutlicher werden, vor allem in dem Moment, in dem der Beweis angefordert wird. Vor dem Fernsehen herrschte bei Fans in aller Welt ob der Gestik der Schiedsrichter Verwirrung. Videobeweis? Kein Videobeweis? Tor? Kein Tor? Jubel? Ärger? Künftig werden sich auch übertragende Fernsehsender darauf einstellen müssen, nach augenscheinlich kritisch und knappen Entscheidungen zunächst den Unparteiischen einzublenden und auf dessen Gestik zu warten. Spontane Jubeltrauben können dann bald ein Relikt aus alten Tagen sein. Ein Relikt aus der vor-technologisierten Fußballepoche. Ein Albtraum für Fußballnostalgiker. Doch zwingend erforderlich für das Fairplay.



Die Spielzeit muss überdacht werden. Besonders gegen Ende einer Parie ist es in der allgemeinen Hektik unglücklich, während eines Videobeweises über eine Minute zu verlieren. Gerade debattieren Regelhüter darüber, die Spieldauer in absoluter Zeit zu messen. Ob es das braucht - ein anderes Kapitel. Nötig ist es auf jeden Fall, die Zeit während des Videobeweises anzuhalten.

 

Überdacht werden muss auch die Abseitsregel. Um das zu verstehen, muss an den eigentlichen Sinn dieser Regel erinnert werden. Diese soll verhindern, dass Stürmer über die Spieldistanz nur vor dem gegnerischen Tor verweilen. Ist es in diesem Sinne wirklich Abseits, wenn ein Stürmer-Knie der Torauslinie wenige Millitmeter näher ist als der vorletzte Defensive? Entspricht diese Auslegung dem Sinn der Regel? Nein.

 

Um lange schiedsrichterinterne Diskussionen bei der Entscheidungsfindung zu verhindern, muss die Fifa mit einer Regelanpassung reagieren. Ein Offensiver verschafft sich keinen Vorteil, wenn eine Abseitsstellung selbst in Standbildern kaum zu erkennen ist - der Sinn der Regel wird ad absurdum geführt. Abseits könnte in Zukunft sein, wenn sich alle für ein regulär erzieltes Tor relevanten Körperbereiche im Abseits befinden.

 

Die Fifa wird sich den noch vorhandenen Problemen hoffentlich annehmen, muss zumindest eine faire Chance bekommen. Der Videobeweis steckt schließlich noch in den Kinderschuhen.

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