Bedrohliche Situation

Nicht nur in Hamburg läuten nach dem neunten Spieltag die Alarmglocken. Auch Wolfsburg befindet sich in einer heiklen Situation. Der Verein muss schnell entscheiden. Kommentar von Sebastian Koch

Blickt in eine ungewisse Zukunft: Für welchen Trainertyp entscheidet sich Klaus Allofs?

Vom Glanz der vergangenen Jahre ist in Wolfsburg schon lange nichts mehr zu sehen. Als der Verein vor zwei Jahren Borussia Dortmund im Pokalfinale entzauberte und die Bundesligasaison als Meisterschaftszweiter beendete, träumten die Entscheider in der finanzstarken Autostadt schon davon, im deutschen Fußball zukünftig die zweite Kraft hinter dem FC Bayern zu sein. 15 Monate später ist die Realität eine andere. 

 

Manager Klaus Allofs hat sich verpokert. Der erfahrene Funktionär hat die, aus wirtschaftlicher Sicht lukrativen, Abgänge von Kevin de Bruyne und Ivan Perisic unterschätzt. Die großen Lücken, die der Belgier und der Kroate im Offensivspiel der Niedersachsen hinterlassen haben, wurden nicht geschlossen. Erst sechs Tore hat der Verein für Leibesübungen erzielt. Die Zugänge vor dieser Saison Jakub Blaszczykowski, Mario Gomez oder auch Verteidiger Jeffrey Bruma laufen den Erwartungen hinterher. Das alles könnte als temporäre Schwächephase abgetan werden. Man kann auf Borussia Dortmund verweisen, das vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation war. Doch damit würden Allofs und Ko. einen fatalen Fehler begehen, denn die Situation ist nur auf dem ersten Blick vergleichbar.

 

Feuerwehrmann oder Spitzentrainer?

 

Der größte Unterschied ist, dass Dortmund in angesprochener Situation an Jürgen Klopp festgehalten hat. Der Verein schenkte seinem Cheftrainer in der Krise das Vertrauen - und wurde am Saisonende mit einem Europapokalplatz belohnt. Wolfsburg hat sich mittlerweile von Dieter Hecking getrennt. Man muss den Entscheidungsträgern zugute halten, dass sie dies - im Vergleich zu den norddeutschen Konkurrenten in Hamburg und Bremen - geräuschlos und souverän getan haben. Doch der erhoffte Wechseleffekt an der Seitenlinie ist verpufft. Interimstrainer Valérien Ismael besitzt nicht das Format eines Bundesligatrainers in einer Krisenzeit. Wolfsburg ist auf auf der Suche nach einer alternativen Lösung und macht daraus auch keinen Hehl.

 

Doch die Frage, die sich Allofs nun stellen muss: Welchen Trainertyp sucht er eigentlich? Womit das zweite Problem offen gelegt wird: Während Dortmund vor zwei Jahren oft (nicht immer) auch vom Pech verfolgt worden ist, spielt Wolfsburg momentan schlicht und ergreifend schlecht. Gravierende Fehler, wie die von Bruma in den vergangenen Spielen, sind kein Zeichen von fehlendem Glück, sondern von fehlender Mentalität und Qualität. 

 

Der bislang hoch gehandelte André Villas-Boas ist ein Trainer von Weltformat. Einer, den sich der Weltkonzern Volkswagen wohl wünschen würde. Villas-Boas ist aber kein Trainer für den Abstiegskampf. Doch genau einen solchen benötigt die Mannschaft.

 

Allofs muss einen Trainer finden, der kurzfristig im Abstiegskampf Akzente setzt. Und auch die finanzstarken und auf Renommee bedachten Funktionäre im Volkswagenkonzern müssen sich fragen, welche Lösung kurzfristig die beste für die Mannschaft ist. Es ist die Zeit für einen Trainer der Marke Feuerwehrmann. Ein Trainer, der keinen großen, keinen klangvollen Namen hat. Einer, der Fußball arbeitet und nicht zaubert. Denn für langfristige Planungen und Träumereien ist die Situation angesichts der gezeigten Leistungen in den vergangenen Wochen zu prekär. 


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