Mogelpackung

Das Urteil des Verbandes gegen Leverkusens Trainer Roger Schmidt gleicht einem Schlingerkurs zwischen Freispruch und Bestrafung. Das Sportgericht weiß offensichtlich nicht, wie es mit dem Fall umgehen soll. Kommentar von Sebastian Koch

Ein Bundesligaspiel muss Leverkusens Trainer Roger Schmidt auf die Tribüne.

Nun also ist es gefallen. Das Urteil, auf das Fußballdeutschland gewartet hat. Zwei Tage. Fans, Trainerkollegen und Spieler haben sich zum Fall Roger Schmidt geäußert. Viele Diskussionen mit Verurteilungen und Unterstützungen später hat das DFB-Sportgericht nun Recht gesprochen: Zwei Spiele muss der Trainer von Bayer Leverkusen nach seinen verbalen Entgleisungen auf die Tribüne.

 

Wir erinnern uns: Im Februar diesen Jahres widersetzte sich Schmidt im Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund der Anweisung von Schiedsrichter Felix Zwayer, den Innenraum zu verlassen und provozierte damit beinahe einen Spielabbruch. Drei Spiele sperrte ihn der DFB für diesen Eklat, weitere zwei Partien setzte er zur Bewährung aus. Diese läuft bis Juni 2017.

 

Faktisch keine Bestrafung

 

Genau diese zwei Spiele muss Schmidt nun auf die Tribüne. Zwei Spiele, von denen eines bereits am Dienstag im Pokal bei den Sportfreunden aus Lotte (3. Liga) abgesessen wird. So wird das Bundesligaspiel am Wochenende gegen den VfL Wolfsburg der einzige Härtetest sein, den Bayer ohne Cheftrainer zu bestehen hat.

 

Dass zu den beiden Spielen kein weiteres dazukommt, ist überraschend. Aufgrund der Bewährung war es klar, dass Schmidt mindestens genau diese beiden Partien gesperrt sein wird. Ohne ein weiteres Spiel setzt das Sportgericht eine richtige Bestrafung nahezu aus. Das Urteil ist Freispruch und Bestrafung zugleich.

 

Der Richterspruch zeigt, dass das Gericht sich nicht sicher ist, wie es mit dem Fall umgehen soll. Zu stark waren wohl die Stimmen, die Schimdt in den vergangenen Tagen zur Seite gesprungen sind, darunter unter anderem auch der von Schmidt beleidigte Julian Nagelsmann oder Freiburg-Trainer Christian Streich. Und zu schwach scheint das Image des eigenen Verbandes, Fairplay gehe vor, zu sein. Das Urteil ist eine Mogelpackung. Der wahre Verlierer dieser Affäre ist nicht Bayer Leverkusen. Es ist auch nicht Roger Schmidt, der wieder mit einem blauen Auge davongekommen ist. Der Verlierer ist der DFB.

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