Kerber überwintert auf Platz eins / Alle Weltranglistenersten seit 2000 und wie es mit ihnen weiterging

Weil Serena Williams das am heutigen Samstag beginnende WTA-Final in Singapur abgesagt hat, ist schon sicher, dass mit Angelique Kerber erstmals seit 20 Jahren wieder eine deutsche Spielerin das Tennisjahr als Nummer eins der Welt beendet. Seit der Jahrtausendwende gab acht verschiedene Spielerinnen, denen das gelang. Wie entwickelten sie sich in der Folgesaison? Von Sebastian Koch

Erstmals nach 1996 wird die Weltrangliste der WTA im Einzel am Jahresende von einer deutschen Spielerin angeführt. Zwei Grand-Slam-Titel sowie eine Major-Finalteilnahme ebeneten 2016 den Weg von Angelqiue Kerber dorthin. Nach der Absage von Serena Williams ist es egal, wie die Norddeutsche bei den WTA-Finals in Singapur (23. bis 30. Oktober) abschneiden wird.

 

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Weltranglistenposition Angelique Kerbers in der kommenden Saison entwickeln wird, hat sie doch eine Menge Punkte zu verteidigen. Seit dem Jahr 2000 gab es acht verschiedene Spielerinnen, die das Jahr als Weltranglisteerste beendeten. Wie die Folgesaison für sie ausging, zeigen wir in der Galerie.


Saison 2000: Martina Hingis, Schweiz

Eine Finalteilnahme in Melbourne, zwei Halbfinals in Paris und New York sowie das Viertelfinale in Wimbledon: Ohne Grand-Slam-Erfolg verteidigte Martina Hingis im Jahr 2000 ihre Spitzenposition in der Weltrangliste. Nach 1997 und 1999 beendete die damals erst 20 Jahre junge Eidgenössin bereits zum dritten Mal das Jahr als Weltranglistenerste. Danach begann ihr Abstieg: In der Folgesaison zu Saisonende noch Vierte, landete sie zwei Jahre später das letzte Mal unter den besten zehn. 2003 beendete Martina Hingis ihre Karriere verletzungsbedingt. Mittlerweile ist sie als Doppelspielerin in die Weltspitze zurückgekehrt.


Saison 2001: Lindsay Davenport, Vereinigte Staaten

Lindsay Davenport kann es sich 2001 sogar leisten, die French Open zu verpassen. Halbfinalteilnahmen bei den Australian Open und in Wimbledon sowie das Viertelfinale bei den US Open reichen unter anderem, um das Jahr als beste Spielerin der Welt zu beenden. Nach 1998 gelingt ihr das mit 25 Jahren zum zweiten Mal.  Auch wegen dreier Grand-Slam-Absagen im darauffolgenden Jahr stürzt Lindsay Davenport bis zum Jahresende 2002 auf den elften Platz ab. Doch gewesen ist es das noch lange nicht ...


Saison 2002: Serena Williams, Vereinigte Staaten

Kaum zu glauben, aber bereits das Jahr 2002 beendet Serena Williams als Weltranglistenerste. Drei Grand-Slam-Siege bilden die Basis für den Erfolg, der sich in den kommenden 13 (!) Jahren noch vier Mal wiederholt. 2003 gewinnt Serena Williams zwar wieder zwei Grand-Slam-Turniere, verliert jedoch zu viele Punkte. Sie beendet das Jahr als Dritte.


Saison 2003: Justine Henin-Hardenne, Belgien

Zwei Grand-Slam-Erfolge und zwei -Halbfinals sowie acht Turniersiege: Die Belgierin dominiert 2003 die WTA-Tour und beendet die Saison zum ersten Mal als Weltranglistenerste. Im darauffolgenden Jahr läuft es für Justine Henin-Hardenne nicht mehr so gut. Nach dem Sieg bei den Australian Open folgen ein frühes Aus in Paris, eine Absage in Wimbledon sowie das Achtelfinalaus bei den US Open. Sie stürzt in der Weltrangliste auf den achten Platz ab.


Saison 2004 und 2005: Lindsay Davenport, Vereinigte Staaten

Obwohl die US-Amerikanerin 2004 und 2005 kein einziges Grand-Slam-Turnier gewinnt (unter anderem zwei Halbfinals 2004 und zwei Finals 2005), beendet sie die beiden Jahre als Weltranglistenerste. 13 Turniere gewinnt Lindsay Davenport in dieser Zeit, danach geht es bergab. 2006 gewinnt sie keinen einzigen Titel, muss die Majors in Paris und Wimbledon absagen. Von Verletzungen geplagt stürzt sie in der Rangliste sogar aus den Top20.


Saison 2006 und 2007: Justine Henin(-Hardenne), Belgien

Die Wallonin, die nach ihrer Scheidung während der Saison 2007 wieder nur unter ihrem Mädchennamen Henin spielt, gewinnt in den beiden Jahren drei Grand-Slam-Turniere (zwei Mal French Open und die US Open 2007), erreicht drei weitere Finals sowie ein Halbfinale. Im Jahr darauf fehlt es Henin nach eigener Aussage an der nötigen Motivation auf dem Platz, weshalb sie im Mai ihre Karriere beendet. 2010 kehrt sie auf die Tour zurück und erreicht bei den Australian Open promt das Finale. Wegen anhaltender Probleme im Ellbogen beendet sie ihre Laufbahn im Januar 2011 endgütlig.


Saison 2008: Jelena Jankovic, Serbien

Der Triumph bei den US Open ist die Krönung der besten Saison der Serbin. Zwei weitere Halbfinalteilnahmen bei Grand-Slams sowie das Achtelfinale in Wimbledon pflastern ihren Weg, das Jahr 2008 zum ersten und einzigen Mal als Weltranglistenerste zu beenden. Die Folgesaison läuft weniger gut. Bei den vier großen Turnieren kommt Jankovic nie über das Achtelfinale hinaus, was dazu führt, dass sie in der Rangliste auf den achten Platz abrutscht. Momentan befindet sich die inzwischen 31-Jährige auf dem 47. Platz.


Saison 2009: Serena Williams, Vereinigte Staaten

Siege bei den Australian Open und in Wimbledon, das Halbfinale in New York bei den US Open und das Viertelfinale bei den French Open: 2009 ist Serena Williams das Maß aller Dinge. Sie beendet das Jahr zum zweiten Mal nach 2002 als Weltranglistenerste - und kann im Jahr darauf die Leistungen fast alle bestätigen. Die gewonnen Grand Slams verteidigt sie, doch durch ihre Absage der US Open verliert sie zu viele Punkte. 2010 beendet Serena Williams auf dem vierten Platz.


Saison 2010 und 2011: Caroline Wozniacki, Dänemark

Zwölf Titel gewinnt die Dänin mit polnischen Eltern in den beiden Jahren. Genug, um die Weltranglistenspitze zu erobern, ohne auch nur bei einem Grand-Slam-Turnier ins Finale zu kommen. Immerhin drei Mal steht Caroline Wozniacki bei Major-Turnieren in diesem Zeitraum im Halbfinale. Eine völlig verkorkste Saison 2012, unter anderem mit Erstrundenniederlagen in Wimbledon und New York, lässt sie in der Rangliste bis auf den zehnten Platz abstürzen. 2014 erreicht sie bei den US Open ihr erstes und bislang einziges Grand-Slam-Finale. Momentan findet sich die 26-Jährige auf dem 17. Platz wieder.


Saison 2012: Viktorija Azarenka, Weißrussland

In Melbourne gewinnt die Weißrussin gleich zu Jahresbeginn ihr erstes Grand-Slam-Turnier. Eine weitere Finalteilnahme bei den US Open, sowie das Halbfinale in Wimbledon lassen Azarenka das Jahr als Weltranglistenerste beenden. Und auch in der darauffolgenden Saison ist sie ganz vorne dabei: Titelverteidigung bei den Australian Open, Finale bei den US Open, Halbfinale in Paris. Azarenka gelingt es, ihre Leistungen zu bestätigen. Weil jedoch eine noch besser ist, beendet sie 2013 als Zweite. Inzwischen ist Azarenka Weltranglisten-13..


Saison 2013, 2014 und 2015: Serena Williams, Vereinigte Staaten

Drei Jahre in Folge beendet Serena Williams anschließend das Jahr als Weltranglistenerste. Das gelang zuletzt Steffi Graf, die zwischen 1987 und 1990 sowie 1993 und 1997 sogar jeweils vier Mal in Serie zum Saisonende von der Spitze grüßte. Serena Williams gewinnt in den drei Saisons sechs Major-Turniere und steht zudem noch im Halbfinale der US Open 2015. Die dortige Niederlage gegen Roberta Vinci aus Italien zerstört ihren Traum vom Grand Slam, dem Gewinn aller vier großen Turniere in einer Saison. Auch 2016 läuft für die dominanteste Spielerin der vergangenen Jahre eigentlich gut. Auf Finalteilnahmen in Melbourne und Paris folgt der Triumph in Wimbledon. Bei den US Open schafft sie wieder den Sprung unter die besten Vier, doch insgesamt verliert sie zu viele Punkte auf Angelique Kerber. Bei ihrer Ablösung im September 2016 ist Serena Williams 186 Wochen lang in Folge die Nummer eins der Welt - genauso lange wie Steffi Graf zwischen August 1987 und März 1991. Vor den WTA-Finals, die sie verletzungsbedingt abgesagt hat, ist Serena Williams Zweite.


Saison 2016: Angelique Kerber, Deutschland

Es wird spannend zu sehen sein, wie Angelique Kerber in die Saison 2017 startet. Wie all ihre Vorgängerinnen muss sie eine Menge Punkte verteidigen. Aber egal, ob die Norddeutsche ihre Position verteidigt, in der Rangliste ein bisschen abstürzt oder den Anschluss an die Weltspitze verliert - am Saisonende in einer Woche wird sich die zweimalige Grand-Slam-Siegerin von 2016 in die Geschichtsbücher des Tennissports eingetragen haben. Angelique Kerber ist seit 1975 die elfte Spielerin, die ein Tennisjahr als Weltranglistenerste beendet.


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