"EA hat einen Kracher rausgehauen" - Das sagt ein eSportler zu FIFA 17

Erhan Kayman muss wissen, was ein gutes Fußballspiel auf der Konsole ausmacht. Der 26-Jährige ist aktuell der drittbeste Fifa-Spieler der Welt. Pünktlich zum Release von Fifa 17 haben wir uns mit "Dr. Erhano" über das neueste Spiel aus dem Hause EA Sports unterhalten. Von Markus Schulze

Erhan, in einem kürzlich veröffentlichten Posting auf deinem Facebook-Profil heißt es, dass Du inzwischen von Fifa16 genervt seist. Wie groß war denn die Vorfreude auf Fifa 17?

 

(lacht). Die Vorfreude war richtig groß. Fifa16 hat sich über das vergangene Jahr leider negativ entwickelt. Es wurden immer wieder neue Patches veröffentlicht, welche das Spiel komplett verändert haben. Das hat mir in der Folge nicht mehr so gut gefallen. Umso größer war dann die Vorfreude auf Fifa17.

 

Inzwischen hast Du Fifa17 ein bisschen kennenlernen dürfen. Wie fällt dein erster Eindruck aus?

 

Der erste Eindruck ist durchaus positiv. Mit der Frostbite-Engine hat man eine komplett neue Engine in das Spiel integriert, was sich absolut bemerkbar macht.

 

Bevor wir näher auf das Spiel eingehen, kurz eine Frage zur Entwicklung des Spiels. Holt sich EA Sports bei euch in dieser Phase Feedback ab, um herauszufinden, woran man noch arbeiten sollte?

 

Das geschieht schon. EA Sports veranstaltet seit kurzem die Players First Tour. Dort werden Profispieler eingeladen, die das Spiel testen und Feedback geben. Letztendlich versuchen die Entwickler das umzusetzen, was wir noch kritisieren. Es ist ja auch für EA Sports interessant, wenn eSportler Rückmeldung zum aktuellen Entwicklungsstand geben. Die Community hat also einen direkten Einfluss auf die endgültige Version.

 

Bekommt ihr die finale Ausgabe auch früher?

 

Wir haben das Spiel bereits am Montag erhalten, drei Tage vor dem offiziellen Release. Ich kann mich also nicht beklagen. (lacht)

 

Du hast bereits vorhin die Frostbite-Engine angesprochen, die zum ersten Mal im Spiel vertreten ist. Wie bewertest du den Einstieg?

 

Ich sehe das sehr positiv. Gerade in Sachen Grafik hat man eine neue Stufe erreicht. Auch im Spiel erkennt man, dass EA Sports damit interessante Sachen anfangen kann. Der neue Modus „The Journey“ wurde installiert und wirkt ziemlich realitätsnah.

 

Du hast „The Journey“ gerade angesprochen. Interessieren dich solche neuen Spielmodi überhaupt oder achtest du als eSportler nur auf das Gameplay?

 

Eigentlich schaue ich nur auf das Gameplay, aber in diesem Jahr habe ich zuallererst „The Journey“ getestet. (lacht) Es ist ja schon etwas Außergewöhnliches, dass man einen Storymodus bei Fifa integriert hat. Das hat man so bisher noch nicht gehabt. Deswegen habe ich mir die Tottenham Hotspurs geschnappt und direkt losgelegt.

 

 

"Ballbesitzfußball wie beim FC Bayern München ..."

 

 

In Sachen Gameplay hat sich einiges getan. Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde seitens EA Sports unter anderem mit neuen Standardsituationen, verbessertem Körpereinsatz oder der adaptiven Spielintelligenz geworben. Merkt man diese Änderungen auch im Spiel?

 

Auf jeden Fall. Der Unterschied zwischen FIifa16 und Fifa17 ist enorm. Die größte Veränderung liegt wohl in der Spielgeschwindigkeit, die deutlich abgenommen hat. Mir ist es jetzt möglich, den Ballbesitzfußball zu zelebrieren, ähnlich wie der FC Bayern München unter Pep Guardiola. Das gefällt und liegt mir auch deutlich besser. Natürlich fallen auch die neuen Standardsituationen oder der Körpereinsatz auf, aber die größte Veränderung liegt im Spieltempo. Generell kann man von einem Fortschritt sprechen.

 

Wie sieht das Feedback in der Zocker-Szene aus?

 

Das fällt sehr positiv aus. In diesem Ausmaß habe ich das so noch nie erlebt. Es macht auch einfach Spaß zu zocken und ich bin froh, dass es jetzt endlich losgeht. (lacht)

 

Das Lob ist fällt überschwänglich aus. Besteht dennoch in manchen Bereichen noch Verbesserungsbedarf?

 

Es wird in jedem Fußballspiel noch Luft nach oben bestehen. Der Faktor „Glück“ ist leider immer noch vorhanden. Das stört einen eSportler natürlich extrem. Es liegt dann an uns, diesen Faktor möglichst zu minimieren. Das fließt auch in die Chancenverwertung hinein. Ich habe vorhin ein Spiel absolviert, bei dem ich 14 Torschüsse hatte und mein Gegner gerade einmal drei. Die Partie habe ich dennoch 3:2 verloren. Das ist schon nervig, aber wir eSportler müssen damit klarkommen.

 

Du warst früher auch sehr aktiv in der Pro Evolution Soccer-Szene, bist sogar Deutscher Meister geworden. Hast du PES 2017 in diesem Jahr überhaupt angezockt?

 

Das habe ich gemacht. Ich wurde sogar von Konami (Publisher von Pro Evolution Soccer / Anm. d. Redaktion) eingeladen, das Spiel im Vorfeld zu testen. Pro Evolution Soccer hat auch starke Fortschritte gemacht, aber dieser fällt bei den Kollegen von EA Sports deutlich größer aus, auch aufgrund der neuen Engine. Deswegen muss ich sagen, dass Pro Evolution Soccer nicht ganz mithalten kann. Die PES-Fans können sich trotzdem auf ein tolles Spiel freuen. Es macht in diesem Jahr sehr viel Spaß. Konami kann aber leider nicht mit EA mithalten, die einen Kracher rausgehauen haben. Dennoch, ein Vergleich auf hohem Niveau.

 

Wie geht es denn für Dich weiter? Nimmst du auch im kommenden Jahr an Fifa-Wettbewerben teil?

 

Defintiv. Ich habe jetzt auch einen guten Grund weiterzumachen. EA Sports hat angekündigt, den eSports-Bereich in Sachen Fifa deutlich zu verstärken. Kurzes Beispiel: bei der Fifa-Weltmeisterschaft im letzten Jahr lag das Preisgeld bei 20.000 Dollar. Jetzt hat man sich entschieden, den Betrag zu verzehnfachen, sodass es um satte 200.000 Dollar geht. Insgesamt werden in der kommenden Saison 1,3 Millionen Dollar ausgespielt. Da besteht aktuell kein Grund, meine Karriere zu beenden. (lacht).

 

Wie sieht aktuell Dein Training aus?

 

So kurz nach dem Release muss ich natürlich etwas intensiver trainieren. (lacht) In den nächsten drei Wochen werde ich täglich etwa fünf bis sechs Stunden vor der Konsole verbringen. Da liegt der Fokus darauf, die neuen Mechanismen zu verstehen und zu erlernen. Wenn dann alles passt, geht das Pensum natürlich auch runter. Dann halte ich mich mit Online-Turnieren fit, was dann pro Tag zwei bis drei Stunden bedeutet.

HIER geht es zum Facebook-Profil von Erhan Kayman.

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Kommentare: 1
  • #1

    Belend Atroshi (Freitag, 07 Oktober 2016 21:40)

    Finde den Beitrag Hammer.
    Richtig cool von einer anderen Perspektive zu hören, von einem spieler , der viel Erfahrung hat , wie er das Spiel so findet.
    Was mich beeindruckt ist , wie viel Stunden esportler am Tag an der Konsole zocken (hehehe