"Zweite Bundesliga für die Championship ein beliebter Markt" - England-Legionär Uwe Hünemeier im SSUT-Interview

Jahrelang spielte er für Borussia Dortmund, Energie Cottbus und den SC Paderborn in den höchsten Spielklassen des deutschen Profifußballs. Inzwischen ist Uwe Hünemeier (30) beim englischen Zweitligisten Brighton & Hove Albion gelandet und spielt dort um den Aufstieg in die Premier League. Im exklusiven Interview mit SSUT spricht der Innenverteidiger über die TV-Gelder auf der Insel, sein Aufnahmeritual und seinen ehemaligen Trainer Jürgen Klopp. Von Markus Schulze und Sebastian Koch

Uwe Hünemeier (links) wechselte im Sommer 2015 vom SC Paderborn zu Brighton & Hove Albion. Vor seiner Verletzungspause absolvierte der 30-Jährige 15 Spiele und trug somit maßgeblich zum guten Saisonstart seiner Mannschaft bei.

Herr Hünemeier, zuerst einmal vielen Dank für Ihre Zeit, die Sie sich für uns nehmen. Sie haben im Sommer 2015 nach langen Jahren im deutschen Profifußball den Schritt nach England gewagt und sind zu Brighton & Hove Albion in die zweite englische Liga gewechselt. Wie kam der Transfer damals zustande und was waren die ausschlaggebenden Gründe für einen Wechsel zu Brighton & Hove?

 

Uwe Hünemeier (30): Es gab mehrere Gründe, die mich zu einem Wechsel bewogen haben. Der Reiz im Mutterland des Fussballs aufzulaufen, war einer dieser Faktoren. Ehrlicherweise habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass mir diese Gelegenheit nochmals geboten wird. Auslandserfahrung war ein weiterer Grund. Die Sprache, das Leben und der Fussball generell hier in England. Letztendlich hat mich der Verein länger beobachtet, auch oft live vor Ort, um mich dazu als Typen beziehungsweise Menschen auf dem Platz kennenzulernen. Dann sind die Verantwortlichen von Brighton & Hove Albion irgendwann zu dem Entschluss gekommen: 'Den Spieler möchten wir gerne verpflichten.'

 

SSUT: Sie haben 113 Einsätze in der zweiten deutschen Liga absolviert – man kann also sagen, dass sie die Liga sehr gut kennen. Aktuell sind Sie mit Brighton & Hove Albion ebenfalls in der zweiten Liga unterwegs, dieses Mal in England. Wo sehen Sie die größten Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten beider Spielklassen?

 

UH: Die Liga hier in England ist definitiv physischer, da den Spielern insgesamt mehr Freiheiten in den Zweikämpfen gewährt wird. Nicht jedes Schieben wird geahndet und eine harte, aber faire Grätsche wird gerne gesehen. Insgesamt ist die Qualität über die gesamte Liga ausgeglichener und die Spiele leben sehr von Emotionen. Dagegen geht es in Deutschland manchmal eher taktisch und besonnener zu.

 

Es ist bekannt, dass die Briten sehr kreativ sind, was Aufnahmerituale für Neuankömmlinge angeht. Karl-Heinz Riedle musste schon zu seinen Zeiten beim FC Liverpool auf einem Stuhl in der Kabine singen. Michael Ballack erging es Jahre später beim FC Chelsea London ähnlich. Wie sah denn Ihre Begrüßung bei Brighton & Hove Albion aus?

 

UH: Nicht wirklich anders. Beim ersten Auswärtsspiel geht es den Abend vorher beim Abendessen auf einen Stuhl, damit auch jeder dich sehen kann. Dann wird ein Lied gesungen, wenn man das singen nennen kann. (lacht) Ich habe mich für ein deutsches Lied entschieden, damit mich auch ja keiner verstehen konnte. (lacht)

 

Brighton & Hove Albion hat die vergangene Saison auf dem 20. Tabellenplatz beendet. Aktuell stehen Sie mit auf einem starken dritten Rang. Auch in der Premier League, der höchsten englischen Spielklasse, gibt es mit Leicester City derzeit ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Die Mannschaft führt die Tabelle sogar an. Wie können Sie sich diese Leistungsexplosion erklären und können Sie sogar Parallelen zu Leicester City ziehen?

 

UH: Vergleichen kann man sicherlich den Teamgeist, der bei beiden Mannschaften sehr ausgeprägt ist. Wir sind ein verschworener Haufen, der das gemeinsame Ziel unserer Mannschaft den eigenen Interessen absolut überordnet. Man sieht, wozu eine intakte Mannschaft fähig ist, wenn sie in eine Richtung geht. Sicherlich half in beiden Fällen ein guter Saisonstart, der das Selbstvertrauen einer jeden Mannschaft fördert. Es ist schön zu sehen, dass auch mit weniger wirtschaftlichen Möglichkeiten eine Leistung möglich ist, die einem so nicht zugetraut wird.

Das Ziel von Brighton & Hove Albion war vor der Saison aber schon ambitionierter als das von Leicester, die eigentlich nur die Klasse halten wollten. Wir hatten trotz der vergangenen Spielzeit, die nicht so gut ausgefallen ist, das Ziel, um den Aufstieg mitzuspielen.

Sie kamen als 14-Jähriger zu Borussia Dortmund und verbrachten dort zehn Jahre. Einer Ihrer Trainer war unter anderem Jürgen Klopp, der aktuell beim FC Liverpool an der Seitenlinie steht und in der vergangenen Woche den BVB aus der Europa League geschmissen hat. Liverpool und Klopp – das scheint, so sind sich fast alle Experten einig, eine absolute Traumbeziehung zu sein. Wie bewerten Sie Klopps bisherige Zeit beim FC Liverpool und wie kommt er mit seiner Art auf der Insel an?

 

UH: Seine Handschrift ist nach knapp sechs Monaten unverkennbar. Er pflegt ein komplett anderes Trainer-Spieler Verhältnis wie die Mehrheit aller Trainer, die immer sehr nüchtern wirken, was aber nicht schlecht sein muss. Er hat es in kurzer Zeit geschafft, Fans und Spieler von seiner Art zu überzeugen. Ein „Arbeiter“ wie Jürgen Klopp passt ziemlich gut zur „Arbeiterstadt“ Liverpool. Er lebt den Fussball und auch viele meiner Mannschaftskollegen finden das faszinierend, wie offen und ehrlich er seine Gefühle zeigt - während des Spiels und auch danach.

 

Wenn man an den englischen Profifußball denkt, kommen einem sofort die hohen TV-Gelder in den Kopf. Bereits im Sommer wechselten einige namhafte Spieler in die zweite englische Liga. Welche Entwicklung kann in Zukunft erwarten? Können Sie sich vorstellen, dass auch gestandene Bundesligaprofis den Weg in Englands zweite Spielklasse finden?

 

UH: Für die Championship (zweite englische Liga/Anm. d. Red.) ist die zweite Bundesliga in Deutschland ein beliebter Markt, um sehr gut ausgebildete Spieler zu scouten. Die Spieler sind für englische Verhältnisse nicht zu teuer und somit stimmt meist das Preis-Leistungsverhältnis. Auch die deutsche Mentalität wird in England sehr angesehen.

Ich glaube, dass durch den neuen TV-Vertrag im nächsten Sommer weitere Spieler sowohl in die Championship als auch in die Premier League wechseln werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Bundesligaprofis in die zweite Liga Englands wechseln, weil die Bundesliga dafür einfach zu gut ist!

 

Für die letzte Frage kehren wir noch einmal nach Deutschland zurück - nach Ihrer Zeit bei Borussia Dortmund spielten Sie für Energie Cottbus und den SC Paderborn. Beide Vereine stehen in der aktuellen Runde vor einem erneuten Abstieg. Inwiefern verfolgen Sie noch das Geschehen bei Ihren ehemaligen Vereinen und wie schätzen Sie deren Chancen auf den Klassenerhalt ein?

 

UH: Ich verfolge beide Vereine mit großem Interesse. Wenn immer es geht, schaue ich mir die Spiele an oder verfolge den Liveticker, da ich bei beiden eine tolle Zeit hatte. 

Mit Paderborn werde ich immer in Verbindung bleiben, da es meine Heimat ist. Ich habe es auch schon geschafft, mir diese Saison ein Spiel live vor Ort anzuschauen. Auch in Cottbus haben wir nach wie vor Freunde. Ich drücke beiden Vereinen auf jeden Fall fest die Daumen, dass sie den Klassenerhalt schaffen.

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