"Die Mitarbeiter sind von einer Bombe ausgegangen" - Ein Panini-Sammler erzählt aus seinem Sammlerleben

Christian Lamping sammelt leidenschaftlich gerne Panini-Sticker. Der 28-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht und führt einen eigenen Sticker-Laden. Wie Lamping für einen Bombenverdacht im saudi-arabischen Teamhotel bei der WM 2006 gesorgt hat und warum er mit der äquatorialguinesischen Nationalmannschaft auf einmal auf dem Trainingsplatz stand, erfahrt ihr in unserem Interview mit ihm. Von Markus Schulze

Spiel, Satz und Tor: Herr Lamping, Sie sind 28 Jahre alt und sammeln bereits seit Kindheitstagen Panini-Sticker. Woher kommt Ihre Sammelleidenschaft? Wie hat alles angefangen?

Christian Lamping: Meine Sammelleidenschaft hat schon relativ früh begonnen, da war ich noch ein kleines Kind. Zur Saison 1995/96 habe ich angefangen. Im Laufe der Zeit bin ich dann auf die Idee gekommen, die Bildchen von den Spielern unterschreiben zu lassen. Irgendwann habe ich angefangen wirklich jede Stickerkollektion zu sammeln und so bin ich dann letztendlich im Geschäft gelandet.

 

Sie haben gesagt, Sie lassen sich ihre Bildchen gerne signieren. Die eine oder andere Nationalmannschaft war ja schon in Deutschland zu Gast, gerade bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2011. Haben Sie auch da Unterschriften gesammelt?

 

Ja, gerade bei der WM 2006 gab es einen kuriosen Vorfall. Da hatte ich die Polizei am Haken. (lacht).

 

Wie haben Sie das denn geschafft?

 

Ich wusste damals, in welchen Hotels die Mannschaften untergebracht waren. Dann habe ich mich entschlossen, Briefe zu schreiben. In denen waren jeweils die Sticker der Spieler sowie ein Edding enthalten. Dieser Edding hatte ungefähr eine Länge von 20 Zentimetern und einen Durchmesser von einem Zentimeter. Das ging unter anderem auch an das Hotel der Nationalmannschaft von Saudi-Arabien. Als man dort den Brief bekommen hat, sind die Mitarbeiter erst einmal von einer Bombe ausgegangen. Der Edding muss anscheinend passende Maße gehabt haben. Das hat sich dann als kleines Missverständnis erwiesen. (lacht)

Was macht denn generell den Reiz am Sammeln aus?

 

Die Antwort fällt kurz und knapp aus. Es macht einfach Spaß.

 

Und diesen Spaß haben Sie ja inzwischen auch zu ihrem Beruf gemacht. Sie führen im niedersächsischen Lohne ihren eigenen Laden „Stick it now“ und verkaufen dort fast sämtliche Arten von Stickerkollektionen. Wie kam es dazu?

Ich habe in einem Sportgeschäft eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht und war unter anderem für die T-Shirt-Bedruckung zuständig. Nach der Ausbildung verließ ich das Unternehmen und habe mir etwas Neues gesucht. Letztendlich entschied ich mich dazu, einen Laden zu mieten. Das wussten nicht einmal meine Eltern. Dann habe ich Kontakt zu Lieferanten aufgenommen. Das lief dann alles gut und ich konnte meinen Eltern sagen, dass ich kurzerhand einen eigenen Laden eröffnet habe.

 

Das Geschäft scheint auf jeden Fall gut zu laufen. Auf Ihrer Facebookseite wird jetzt sogar ein Weltrekordversuch beworben. Können Sie dazu etwas sagen?

Und zwar planen wir die größte Tauschbörse weltweit. Bisher hat sich daran noch niemand versucht, sodass wir den ersten Weltrekord holen wollen. Dazu bedarf es ein einer gewissen Mindesteilnehmerzahl, die ich jetzt aber noch nicht verraten möchte. Die Rahmenbedingungen sind jedoch bereits abgeklärt worden und das Event findet auf jeden Fall statt.

 

Kommen wir wieder zurück zu den Klebebildchen. Haben sie ein persönliches Lieblingsalbum?

 

Das schönste Album, das ich derzeit besitze, stammt aus der Bundesliga-Saison 2005/06. Da habe ich es tatsächlich geschafft von jedem Spieler eine Unterschrift zu ergattern.

 

 

Das muss doch ein riesiger Aufwand sein?

In der Tat, dafür muss man richtig viel dafür machen. Ich habe die Mannschaftshotels abgeklappert oder bin teilweise sogar nachts an den Flughafen gefahren, um mir die Autogramme zu sichern.

 

 

Das Sammelfieber beschert auch die eine oder andere ungewöhnliche Begegnung. Bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland schaffte es Christian Lamping auf den Trainingsplatz der äquatorialguineischen Nationalmannschaft. Foto: privat

Wie fallen da die Reaktionen der Bundesligaakteure aus? Meistens muss man ja für ein Selfie posieren oder auf dem Trikot unterschreiben. Ein Panini-Stickeralbum dürften die Profis aber schon seltener unter die Nase gehalten bekommen.

Unter den Fans gibt es schon mehrere Leute, die sich ihre Panini-Alben signieren lassen. Gerade bei kleinen Kindern ist dies relativ beliebt. Die kommen dann mit ihrem kompletten Album und wollen von dem einen oder anderen Spieler noch ein Autogramm. Es ist aber teilweise schwierig, sich Unterschriften auf eine Sammelkarte oder Klebebildchen geben zu lassen. Die Spieler gehen meistens davon aus, dass die Autogramme am nächsten Tag sowieso im Internet zu finden seien und verkauft werden. Dazu kommt noch, dass es einige Spieler gibt, die absolut arrogant sind.

 

Gibt es da besondere Erlebnisse, von denen Sie berichten können?

 

Es gibt viele Spieler, vor allem beim FC Bayern München, die gar nichts unterschreiben. Das kann ich aber teilweise auch nachvollziehen. Wenn die Bayern beispielsweise nach einem Spiel in Dortmund am Flughafen abfliegen, ist der Andrang meistens so groß, dass die Jungs gar nicht mehr durchkommen. Dass man da nicht unbedingt die größte Lust hat, etwas zu signieren, kann ich  schon verstehen. 

 

Sie sind schon einige Zeit in der Sammlerszene aktiv und auch etliche Kilometer durch die Nation gereist. Was war auf Ihren Reisen das schönste Erlebnis?

Das war bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland, zeitgleich wurde von Panini auch das erste Album zu diesem Turnier herausgebracht. Da habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen und bin durch Deutschland gefahren, um mir ein paar Autogramme zu sichern. Bei den Damen von Äquatorialguinea hatte ich ein ziemlich interessantes Erlebnis. Da stand ich plötzlich mitten auf dem Trainingsplatz.

 

Wie kam es denn dazu?

 

Ich war wohl der erste und einzige Trainingszuschauer, der die Panini-Bilder der äquatorialguineischen Damennationalmannschaft gesammelt hat und Autogramme wollte. Die Spielerinnen waren total begeistert von dem Stickeralbum. So etwas hatten die Frauen noch nicht gesehen. Der Trainer wollte dann auch ein komplett gefülltes Album haben. Das habe ich ihm so zusammengestellt. Im Gegenzug habe ich sein Polo-Shirt der Nationalmannschaft mit allen Unterschriften geschenkt bekommen.

 

Das Sammeln von Panini-Bildern ist mit Sicherheit auch ein kostspieliges Hobby. Was müsste ein 13-jähriger Junge heutzutage finanziell investieren, um ein Stickeralbum voll zu bekommen?

Nehmen wir mal als Beispiel das aktuelle Panini-Album zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Da gibt es insgesamt 680 Klebebildchen. In einer Stickertüte sind fünf Bilder enthalten, also bräuchte man ungefähr 140 Tüten. Wenn man diese im Handel erwirbt, landet man bei knapp 100 Euro. Leider Gottes hat man nach diesen 140 Tüten nicht alle Sticker zusammen, sondern auch ganz viele Doppelte. Diese gilt es dann zu tauschen. Dazu gibt es heutzutage viele Möglichkeiten. Alleine im Internet oder in den sozialen Medien finden sich etliche Tauschbörsen, sodass man eigentlich nicht viel mehr Geld investieren muss, um das Album letztendlich zu komplettieren. Die größte Schwierigkeit liegt aber darin, die glitzernden Sticker zu bekommen.

 

Sind diese wirklich seltener als „normale“ Sticker?

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass dies so ist. Aber ich war vor zwei Jahren im italienischen Hauptsitz von Panini (Anm. d. Red. / in Modena) und habe mir dort den Druck angeschaut. Da habe ich festgestellt, dass jeder Sticker gleich oft produziert wird. Vielleicht liegt es einfach an der Verteilung. In Österreich und der Schweiz gibt es auch leicht modifizierte Versionen des aktuellen Stickeralbums.

 

 

Abschließende Frage – kann man bei Ihnen von einer Sammlersucht sprechen?

Bei mir ist das definitiv eine Sucht. (lacht) Inzwischen versuche ich alles aufzumachen. Das betrifft jetzt nicht nur den Fußball, sondern auch den Handball, den ich früher selbst gespielt habe. Aber auch außerhalb des Sports reizen mich die Sachen, unter anderem die Städteserien.

Wer jetzt Lust auf die kleinen Klebebildchen von Panini bekommen hat, dem sei die Internetseite www.stick-it-now.de empfohlen. Dort findet ihr alles, was das Sammlerherz begehrt, unter anderem auch alle Sticker zur aktuellen Kollektion der Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

(ms). Christian Lamping sammelt leidenschaftlich gerne Panini-Sticker. Der 28-Jährige hat in seinem Sammlerkarriere...

Posted by Spiel, Satz und Tor on Montag, 4. April 2016

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