Regelkunde: Ein Elfmeter muss nicht direkt ausgeführt werden

Der Elfmetertrick von Lionel Messi und Luis Suarez erhitzt die Gemüter. Doch an der Ausführung gibt es (fast) nichts zu beanstanden. Von Sebastian Koch


Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt. Der Schiedsrichter-Pfiff ertönt. Lionel Messi läuft an. Eine Szene, wie sie sich in den vergangenen Jahren bei Spielen des FC Barcelona des Öfteren abgespielt hat. Auch am vergangenen Sonntagabend beim 6:1-Sieg der Katalanen gegen Celta Vigo. Und doch erhitzt die Ausführung dieses Elfmeters die Gemüter der Sportwelt. Der Grund: Der Argentinier schießt den Strafstoß nicht auf das Tor, sondern legt ihn für Luis Suarez auf. Doch ist das regelkonform?

 

Ja! Denn Regel 14 des international gültigen Regelwerks schreibt für den Elfmeter unter dem Punkt "Ausführung" folgendes vor: "Der ausführende Spieler muss den Ball mit dem Fuß nach vorne treten", und weiter: "Er darf den Ball erst wieder spielen, nachdem dieser von einem anderen Spieler berührt wurde."  

 

Was bedeutet das?

 

Regel 14 legt eindeutig fest, wie die Ausführung eines Elfmeters erfolgen muss. Und sie besagt genauso eindeutig, dass der Ball eben nicht auf das Tor geschossen werden muss. Er muss sich nur nach vorne bewegen - was beim Trick-Elfmeter von Messi und Suarez eindeutig geschieht.

 

Messi selbst hätte den Ball nach seiner Ausführung allerdings kein zweites Mal berühren dürfen. So darf ein Schütze auch nach einem an den Pfosten geschossenen Elfmeter kein Tor mehr erzielen. In diesem Fall müsste ein Mitspieler den Ball berühren, ansonsten gäbe es einen indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft.

 

Lenkt jedoch der Torwart einen Elfmeter an den Pfosten, so ist es dem Schützen erlaubt, den Ball abermals zu berühren. In diesem Fall war ein zweiter Spieler - der gegnerische Torhüter - am Ball.


Schlitzohren: Lionel Messi und Luis Suarez bejubeln ihren gelungenen Trick.


Schütze muss klar erkennbar sein

 

 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausführung ist laut Regel 14 auch das klare Erkennen des Schützen. Die Regel schreibt vor, dass "der ausführende Spieler klar bezeichnet" sein muss.

 

Dies wurde einst Pierre Littbarski und Stephan Engels zum Verhängnis. Während des Bundesligaspiels zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt am 17. Oktober 1987 (1:1) legte sich "Litti" den Ball für den Elfmeter zurecht, positionierte sich für den Anlauf außerhalb des Strafraums und - schaute zu, als sein Mannschaftskamerad Engels den Strafstoß verwandelte. Schiedsrichter Bodo Kriegelstein verweigerte dem Treffer die Anerkennung, da Eintracht-Tormann Hansi Gundelach davon ausgehen musste, dass Littbarski und nicht Engels der Schütze sei. Regel 14 war somit gebrochen, die Verweigerung und Wiederholung des Elfmeters die richtige Entscheidung. Gundelach konnte den wiederholten Elfmeter von Engels parieren. 

 

Alle Spieler außerhalb des Strafraums

 

Ob der Elfmeter von Messi und Suarez ganz ohne Regel-Makel vonstatten ging, daran lässt sich übrigens doch zweifeln. Denn Regel 14 schreibt auch die Position für die nicht am Strafstoß beteiligten Spieler vor. Bis auf den Schützen und den gegnerischen Torwart müssen alle Spieler "innerhalb des Spielfelds, außerhalb des Strafraums, hinter der Strafstoßmarke, mindestens 9,15 Meter von der Strafstoßmarke entfernt" sein. 

 

Im Fall von Messi und Suarez lassen Fernsehbilder erahnen, dass Letzterer vor der Ausführung (Berührung des Balls) minimal im Strafraum steht. So gesehen hätte dem Treffer die Anerkennung verweigert werden müssen, da sich der Uruguayer bei der Ausführung weder außerhalb des Strafraums noch mindestens 9,15 Meter vom Elfmeterpunkt entfernt aufgehalten halt. Bei strenger Auslegung der Regel 14 hätte es eine Wiederholung geben müssen. "Ein Mitspieler des Schützen verstößt gegen die Spielregel. Der Schiedsrichter lässt den Strafstoß ausführen. Geht der Ball ins Tor, wird der Stafstoß wiederholt." 


Im Blickpunkt: Schiedsrichter Alejandro Jose Hernandez Hernandez gab den Treffer von Luis Suarez.


Geniestreich oder Unsportlichkeit?

 

Allerdings ist der bei einer so minimalen Strafraumüberschreitung, wie der von Suarez, eine konsequente Regelauslegung für den Schiedsrichter schwer. Mit dem bloßen Auge ist es schwer zu erkennen, ob sich Suarez bereits im Strafraum befunden hat. Die Verweigerung des Treffers wäre eine harte Entscheidung gewesen. 

 

Eine Frage bleibt jedoch offen: Hat die Offensive des FC Barcelona eine solche Ausführung wirklich nötig? Manche sehen in der Szene eine Verhöhnung des Gegners, andere einen Geistesblitz von Messi und Suarez. Das Regelwerk gibt in dieser Hinsicht keinen Aufschluss und so muss sich der Fan selbst eine Meinung darüber bilden. 

Regel 14: der Strafstoß. Wir bringen etwas Licht ins Dunkle, wann ein Elfmeter korrekt ausgeführt wird.#Messi #Suarez #Penalty #Barca

Posted by Spiel, Satz und Tor on Montag, 15. Februar 2016

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Kommentare: 1
  • #1

    Atroshi (Mittwoch, 12 Oktober 2016 00:20)

    Beim nächsten spiel mach ich das auch mal.
    Danke euch , dass ihr die Regeln erklärt.
    Lg