Hinsetzen für die Menschlichkeit

Ein Spiel in der zweiten griechischen Liga wird von Spielern und Trainern für ein beeindruckendes Statement in der Flüchtlingskrise genutzt. Von Sebastian Koch

Der Anpfiff ertönt, der Ball wird gespielt, das Spiel läuft - auf diese Art und Weise werden jeden Tag mehrere hunderttausend Fußballspiele begonnen. Weltweit. In Brasilien. In Südafrika. In China. In Australien. In Deutschland. Und auch in Griechenland. Sobald der von Fans und Spielern so herbeigesehnte schrille Pfiff des Schiedsrichter zu hören ist, sind die Probleme dieser Welt zumindest für 90 Minuten passé. Es scheint egal zu sein, was dann außerhalb des 105 x 68 Meter großen Rasen passiert.

 

Ein Gefühl, welches die Fußballspieler der griechischen Zweitligamannschaften AE Larisa und AO Archanaikos nicht vermitteln wollten. Bei ihrem Spiel am vergangenen Freitag setzten die 22 Kicker und die jeweiligen Trainerstäbe ein beeindruckendes, weil im Spitzensport so seltenes Zeichen für die Solidarität, Anteilnahme und des Respekts gegenüber den Opfern der Flüchtlingskrise.



Beide Mannschaften setzten sich nach dem Anpfiff zwei Minuten auf den Rasen und - taten nichts. Während der Aktion verlas der Stadionsprecher der AEL FC Arena in Larisa, einer Stadt in der Region Thessalien, eine Erklärung, in der er Zuschauer um Anteilnahme für die jüngsten Opfer vor der Küste Griechenlands bat. Am vergangenen Mittwoch waren im Mittelmeer sieben Flüchlinge ertrunken, einen Tag später starben bei einer Überfahrt 24 Flüchtlinge vor der griechischen Insel Samos. Unter den Opfern: zahlreiche Kinder.

 

Der Sitzstreik sei "dem Gedenken an Hunderte von Kindern, die Tag für Tag in der Ägäis sterben, in Folge der brutalen Gleichgültigkeit der EU und der Türkei" gewidmet, hieß es in der Erklärung.

 

In diesem Jahr sind nach Angaben der Vereinten Nationen bereits 200 Flüchtlinge vor der Küste Griechenlands ertrunken. Am vergangenen Samstag, einen Tag nach dem Streik in Larisa, ließen 39 Flüchtlinge vor der griechischen Insel Lesbos ihr Leben - darunter fünf Kinder. 

 

Der Sitzstreik von AE Larisa und AO Archanaikos hat faktisch nichts bewirkt. Doch er hat zwei Seiten des Spitzensports gezeigt, die gerade in diesen Tagen kaum wahrgenommen werden: Menschlichkeit und Solidarität. Das Ergebnis des Spiels war vor diesem Hintergrund Nebensache und ist in dem Text daher auch nicht zu finden. 

Beeindruckend! Danke für ein großartiges Zeichen!#Flüchtlinge #Solidarität

Posted by Spiel, Satz und Tor on Mittwoch, 3. Februar 2016

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