Hewitts Abschiedstour verlängert sich

Der australische Publikumsliebling zieht in die zweite Runde der Australian Open ein. Von Sebastian Koch

Es war ein australisches Duell, doch die Sympathien waren klar verteilt: Beim Erstrunden-Match zwischen Lleyton Hewitt und James Duckworth ging es um mehr als nur den Einzug in die zweite Runde der Australian Open. Es ging darum, ob der größte australische Tennisspieler der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte in den Ruhestand geschickt oder ein weiteres "letztes Mal" erleben wird. Letzteres ist der Fall. Hewitt, der mittlerweile 34 Jahre alte Routinier, besiegte den elf Jahre jüngeren Duckworth 7:6, 6:2, 6:4 und verlängert seine Karriere um mindestens zwei Tage. Dann trifft Hewitt auf den Spanier David Ferrer und tritt, sollte nichts Außergewöhnliches passieren, endgültig von der Tennisbühne ab.

 

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Vor der Partie gegen Duckworth hatte Hewitt von einem "seltsamen Gefühl" gesprochen, "nicht zu wissen, ob dies meine letzte Partie sein wird". Dieses Gefühl wird der Mann, der das falsch herum aufgezogene Basecap auf der Profi-Tour salonfähig gemacht hat, in der zweiten Runde wohl wieder verspüren. Gegen den an acht gesetzten Ferrer wäre ein Weiterkommen eine Sensation. Ein Märchen. Ein würdiger Abschied? Den hat er mit seinem Erstrundensieg auf alle Fälle bekommen. Schließlich hat Hewitt seit den US Open im Herbst des vergangenen Jahres kein offizielles Match mehr bestritten. Eines ist sicher: es wird emotional.


Stehaufmännchen: Lleyton Hewitt bekommt ein weiteres Abschiedsspiel.


Die australischen Fans jedenfalls waren bereits am Dienstag begeistert, dass "ihr Lleyton" noch mindestens einmal vorspielen darf. Dabei war die Beziehung zwischen Hewitt und den Fans nicht immer die beste. Zu Beginn seiner Karriere wurde er als arrogant angesehen. Als unnahbar. Als unerzogen. Ähnlich also, wie heute auch die beiden australischen Jungstars Bernard Tomic und Nick Kyrgios gesehen werden.

 

Jüngster Weltranglistenerster aller Zeiten

 

Hewitt, der im November 2001 mit 20 Jahren der bis heute jüngste Weltranglisten-Erste aller Zeiten gewesen ist und danach mit Unterbrechungen insgesamt 80 Wochen an der Spitze des Rankings stand, beendet nach den Australian Open seine Karriere und ist in diesen Tagen in Melbourne allgegenwärtig. Plakate zieren ein letztes Mal den Mann, der lange Jahre das australische Herrentennis quasi allein repräsentiert hat. Sein Abschied ist Gesprächsthema an allen Ecken. Auf allen Plätzen. Zu jeder Zeit. Es ist das Warten auf den großen Schlussakkord. Es ist das Warten, das nun noch einmal verlängert wurde und über dessen Verlängerung jeder glücklich ist.

 

Nach dem Turnier wird Hewitt Teamchef der australischen Davis-Cup-Mannschaft. Der zweimalige Grand-Slam-Sieger (US Open 2001 und Wimbledon 2002) stand bei seinem Heim-Grand-Slam 2005 im Finale. Mittlerweile wird Hewitt im ATP-Ranking auf dem 306. Platz geführt. Für die Australian Open erhielt er eine Wildcard.


Im Video

oben: Hewitts Matchball gegen James Duckworth

unten: Das Siegerinterview mit Lleyton Hewitt nach dem Match gegen James Duckworth.



(seko). Ganz spät am Dienstagabend wird es in Melbourne noch einmal emotional: Lleyton Hewitt zieht in die zweite Runde...

Posted by Spiel, Satz und Tor on Dienstag, 19. Januar 2016

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