Serve & Volley: BBC mit perfektem Aufschlag

Der professionelle Tennissport steht vor einer seiner schlimmsten Krisen. Der britische Fernsehsender BBC bringt die Spielervereinigung ATP in arge Bedrängnis. Die fürchtet wohl den morgigen Tag, und muss sich bereits jetzt mit ihren Strukturschwächen auseinandersetzen. Ein Kommentar von Sebastian Koch.

Wieder einmal Manipulation. Wieder einmal ein Skandal. Wieder einmal in einer der populärsten Sportarten weltweit. Nach dem Fußball und der Leichtathletik steht nun auch das Tennis im Zwielicht. Die im sprichwörtlichen Sinne so weiße Weste des Sports hat am heutigen Montagmorgen schwarze Flecken bekommen. Wie der britisch öffentlich-rechtliche Sender BBC berichtet, wurden im vergangenen Jahrzehnt mehrere Spiele von Topspielern manipuliert. Genaue Details nannte der Sender (noch) nicht, doch bereits am Dienstagabend könnten wir schlauer sein. Dann möchte die BBC in einer Sondersendungen weitere Enthüllungen präsentieren. Vielleicht ja auch Namen ...

 

Wie dem auch sei: Die Spielergewerkschaft ATP steht mit dem Rücken zur Wand. Nach einem starken Aufschlag von BBC brachte ATP-Präsident Chris Kermode den Return nur mit Mühe über das Netz, und wies sämtliche Anschuldigungen zunächst zurück. Ein schwacher Schlag. Die BBC wird wohl spätestens morgen Abend zeigen, ob ihr Serve-and-Volley-Spiel erfolgreich ist. Kermode und die ATP positionieren sich jedenfalls vorsorglich schon einmal weit hinter der Grundlinie.

 

Welcher Spieler auch immer konkret von den Vorwürfen betroffen ist, die BBC sprach von mindestens 16 Spielern in den Top50 - die Vorwürfe decken schonungslos auf, was seit Jahren angeprangert wird: die finanziellen Schwächen und Anfälligkeiten des Profi-Tennis`. 

 


Im Schatten der Weltspitze: Wer nicht zu den Spielern gehört, die dauerhaft in den Top10 stehen, muss einen hohen eigenen finanziellen Anteil in den Sport bringen.


Es ist schwer vorstellbar, dass Novak Djokovic, Roger Federer oder Rafael Nadal angesichts ihrer Millionen-Verdienste durch Turniersiege und Werbeverträge empfänglich für Manipulationsversuche waren. Man kann es sich nicht vorstellen, weil man es auch nicht möchte. Doch was ist mit Spielern jenseits der Top15? Jenseits der Top10? 

 

Was ist also mit jenen Spielern, die wöchentlich rund um die Welt reisen und so um ihre gute Platzierung in der Weltrangliste kämpfen müssen? Sie kämpfen darum, bei großen Turnieren sicher im Hauptfeld oder vielleicht sogar gesetzt zu sein. Nur sportlicher Erfolg bringt finanziell starke Werbeverträge. Der Erfolg ist jedoch auch abhängig vom Turnierplan - und damit in nicht unerheblicher Weise auch von der Weltrangliste.

 

Oft wird darüber berichtet, wie stark das Einkommensgefälle in der Weltspitze ist. Profis müssen ihre Reisen, Aufenthalte und Betreuerstäbe in der Regel selbst bezahlen. Das kostet Geld. Eine Menge Geld. Ohne zusätzliche Sponsor- oder Werbeeinnahmen ist das besonders für jene Spieler, die noch nicht lange auf der Tour spielen, nur schwer zu schaffen. Diese Spieler sind für Wettbetrüger mutmaßlich einfache Opfer. Eine Gefälligkeit hier, eine finanzielle Unterstützung dort.

 



Die ATP muss sich des Problems annehmen. Turnierpreisgelder müssen entweder angehoben oder ausgeglichener verteilt werden. Ebenso muss die ATP, genauso wie im Übrigen ihr Pendant im Frauen-Tennis, die WTA, die Bewältigung der Reise- und Turnierkosten für ihre Profis überdenken. 

 

Im Tennis muss nur ein Spieler manipuliert werden. Scheinbar ein Paradies für Wettbetrüger. Ein Paradies, dessen Fundament nicht zuletzt auch die ATP mit angelegt hat.


(seko). "Im Tennis muss nur ein Spieler manipuliert werden. Scheinbar ein Paradies für Wettbetrüger. Ein Paradies, das...

Posted by Spiel, Satz und Tor on Montag, 18. Januar 2016

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Kommentare: 3
  • #1

    Barabara Humiston (Mittwoch, 01 Februar 2017 01:33)


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