ATP droht Manipulationsskandal ungeahnten Ausmaßes

Die ATP wird zu Beginn der Australian Open von Manipulationsvorwürfen der BBC erschüttert. Präsident Chris Kermode geht in die Verteidigung und dementiert die Vorwürfe. Von Sebastian Koch  

Nach den Skandalen bei Fifa und der IAAF (Leichtathletik-Weltverband/Anm. d. Red.) droht nun auch die ATP in einen Sumpf aus Wettbetrug und Spielmanipulation zu geraten. Wie der britische Fernsehsender BBC berichtet, seien in den vergangenen zehn Jahren mindestens 16 Top50-Spieler in Spielmanipulationen verwickelt gewesen. Unter den Spielern soll demnach auch mindestens ein Grand-Slam-Sieger sein. Auch Spiele in Wimbledon sind von den Vorwürfen des öffentlich-rechtlichen Senders betroffen. Konkrete Namen und Partien nannte die BBC nicht, berichtet aber, dass auch im aktuellen Teilnehmerfeld der Australian Open beschuldigte Spieler zu finden seien. 

 

Die ATP und die 2008 gegründete Task-Force "Tennis Integrity-Unit" (TIU) sollen darüber hinaus von Manipulationen gewusst haben, den Hinweisen aber nicht entschlossen genug nachgegangen sein. TIU kündigte eine Stellungnahme im Laufe des Montags an.


Über dem (Herren-)Tennis liegt nach den Berichten der BBC ein großer Schatten.


Spur führt nach Russland und Italien

 

Wie bereits im Dopingskandal in der Leichtathletik führt die Spur wieder unter anderem nach Russland. Wettgemeinschaften aus Russland und Italien sollen durch Manipulationen mehrere Hunderttausend Dollar gewonnen haben, berichtet die BBC. In der Vergangenheit stand unter anderem der ehemalige russische Weltklasse-Profi Nikolay Davydenko immer wieder im Verdacht, Spiele durch Aufgaben gezielt verloren zu haben - Beweise oder gar eine Verurteilung gab es jedoch nie.

 

Der Präsident der ATP, Chris Kermode, wies die Anschuldigungen aus Großbritannien in einer ersten Reaktion entschieden von sich. "Ich weise die Beschuldigungen, dass wir Hinweisen nicht nachgegangen sind und Dinge zurückgehalten haben, zurück. Wir sind uns aber bewusst, dass es auch im Tennis diesbezügliche Risiken gibt. Die Verschiebungen bewegen sich auf einem unglaublich niedrigen Niveau.", sagte der 51 Jahre alte Engländer.


Weist alle Anschuldigungen von sich: ATP-Präsident Chris Kermode.


Kohlschreiber bittet um Zurückhaltung - Djokovic bestätigt Kontaktversuch

 

Laut BBC sollen Spieler bis zu 50.000 Dollar für Manipulationen erhalten haben - zum Teil noch direkt vor Partien auf ihren Hotelzimmern. Deshalb soll ein beschuldigter Profi beispielsweise des Öfteren gezielt den ersten Satz seiner Partien verloren haben.

 

Die deutsche Nummer eins, Philipp Kohlschreiber, äußerte sich am Rande seiner 4;6, 3:6, 3:6-Niederlage gegen den Japaner Kei Nishikori ebenfalls zurückhaltend. So gäbe es zwar "leider Gottes Wettbetrug in jeder Sportart". Man dürfe aber jetzt nicht alle Spieler und die Tour schlecht machen. 

 

Unterdessen hat der Weltranglisten-Erste, Novak Djokovic, Berichte bestätigt, nach denen Leute in dessen Umfeld im Jahr 2007 versucht hätten, Spiele von ihm mit seiner Hilfe zu manipulieren. "Es ist gar nicht an mich direkt herangebracht worden, sondern direkt abgewiesen worden. Für mich ist das ein Akt von Unsportlichkeit und Verbrechen am Sport." Bei dem Versuch soll es sich um ein Match beim ATP-Turnier im russischen St. Petersburg gehandelt haben. 


„Ich kann nur für mich antworten: Wenn ich spiele, gebe ich mein Bestes. Und jede Spielerinnen, gegen die ich spiele,...

Posted by Spiel, Satz und Tor on Montag, 18. Januar 2016

Oh je ...#ATP #BBC #Wettskandal #ATPGate

Posted by Spiel, Satz und Tor on Sonntag, 17. Januar 2016

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