Das sind die Favoriten auf die Niersbach-Nachfolge

Der Präsident ist weg, es lebe der Präsident: Nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kochen die Spekulationen um den Nachfolger hoch. Spiel, Satz und Tor zeigt die Kandidaten. Von Sebastian Koch

Der ehemalige Präsident

Seit dem 2. März 2012 stand Wolfgang Niersbach (64) dem größten nationalen Sportverband der Welt vor. In die Amtszeit des ehemaligen Sportjournalisten fällt unter anderem der Gewinn des Weltmeistertitels 2014 in Brasilien der Herren und der Europameisterschaftstitel der Frauen 2013 in Schweden. Aber auch negative Schlagzeilen um eine ausgezahlte Betriebsrente und mangelnde Nähe zu Amateurvereinen bestimmten die vergangenen drei Jahre. Im Zuge der Affäre um die WM-Vergabe 2006 geriet er unter Druck, weshalb er am 9. November 2015 seinen Rücktritt erklärte.


Die Nachfolgekandidaten

Die Interims-Präsidenten

Als Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und Präsident von Borussia Dortmund hat sich Reinhard Rauball (68) in den vergangenen Jahren zu den einflussreichsten und mächtigsten Fußball-Funktionären beim DFB gemausert. Als Vize-Präsident rückt Rauball nun interimistisch ins höchste Amt des deutschen Fußball. Als dauerhafte Lösung wird der ehemalige SPD-Justizminister von Nordrhein-Westfalen jedoch nicht dienen - mit fast 69 Jahren hat er die Altersgrenze für DFB-Präsidiumsmitglieder bald erreicht (70 Jahre). Bis dahin könnte er aber als Übergangslösung die WM-Affäre aufarbeiten.

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: gering.

Zusammen mit Rauball steht auch Rainer Koch (56) dem DFB nun als Doppelspitze zumindest für einige Tage vor. Der Jurist leitete von 1998 bis 2007 das DFB-Sportgericht und arbeitete in dieser Zeit unter anderem auch die Manipulations-Affäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer auf. Seit 2007 ist Koch Vizepräsident des Verbandes und vertritt vor allem die Interessen der Amateurklubs, bei denen er deshalb eine große Lobby besitzt.

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: Favorit.

Die weiteren Favoriten

Als Manager der Nationalmannschaft kennt sich Oliver Bierhoff (47) auf der Funktionärsebene aus, hat innerhalb des Verbandes beste Verbindungen. Mit nur 47 Jahren wäre der ehemalige Nationalstürmer und Schütze des Golden Goals im EM-Finale 1996 zudem ein Kandidat mit Perspektive. Allerdings ist es fraglich, ob sich Bierhoff vom gut bezahlten Managerposten "befördern" lassen möchte. 

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: kaum wahrscheinlich.

Bereits im Amt des DFB-Generalsekretärs trat Helmut Sandrock (59) im März 2012 die Nachfolge von Niersbach an - nun auch als Präsident? Sandrock ist zweifelsohne ein aussichtsreicher Kandidat, jedoch einer aus dem unmittelbaren Umfeld Niersbachs. Er rückte bis zuletzt nicht von der Seite seines Chefs, stünde also nicht wirklich für einen Neuanfang. 

Chance auf die Niersbach-Nachfolge: aussichtsreich.



Kaum ein anderer aktueller Bundesliga-Manager dürfte beim DFB so gut vernetzt sein wie Heribert Bruchhagen (67). Der starke Mann von Eintracht Frankfurt und Vorstandsmitglied der DFL gilt als transparent und authentisch, nimmt selten ein Blatt vor den Mund und zeichnet sich durch ein hervorragendes betriebswirtschaftliches Gespür aus. In Frankfurt leistet Bruchhagen seit Dezember 2003 hervorragende Arbeit, möchte sich dort im kommenden Sommer aber zurückziehen. Vielleicht doch früher? Jedoch wäre der Düsseldorfer, wie auch Rauball, nur eine Übergangslösung.

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: gute Chancen, falls sich der DFB auf eine Übergangslösung einigt.

Seit dem Abgang von Uli Hoeneß gilt Karl-Heinz Rummenigge (60) wie kein Zweiter als das Gesicht des FC Bayern München. Der Vorstandsvorsitzende steht auch der europäischen Klubvereinigung ECA vor, kennt sich also auch mit verbandsähnlichen Strukturen bestens aus. Ob er für den Präsidiumsposten beim DFB allerdings Bayern München verlässt, darf bezweifelt werden.

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: wäre eine Sensation.

Der Öffentlichkeit ist Reinhard Grindel (54) eher weniger bekannt. Der DFB-Schatzmeister ist Bundestagsabgeordneter der CDU, besitzt also gute Verbindungen in die Politik. Er ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses des Bundestags. 

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: durchaus mit guten Chancen.

Beachtliche 38 Prozent der Befragten sprachen sich in einer Umfrage von "Bild am Sonntag" jüngst für Silvia Neid (51) als neue DFB-Präsidentin aus. Die Bundestrainerin der Frauen-Nationalmannschaft beendet nach den Olympischen Spielen ihre erfolgreiche Amtszeit und wäre verfügbar. Ob sie allerdings wirklich ernsthafte Chancen und Ambitionen hat, ist offen.

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: keine. 

Der Geschäftsführer der DFL, Christian Seifert (46), ist einer der einflussreichsten deutschen Fußball-Funktionäre und Mitglied des DFB-Präsidiums. Wie auch Bierhoff wäre Seifert ein Präsident mit Perspektive, der den Verband über Jahre hinaus prägen könnte. Ob er verbandsintern allerdings die Lobby besitzt, sich auf dem kommenden, noch nicht terminierten DFB-Bundestag zum Präsidenten wählen lassen zu können, ist fraglich.

Chancen auf die Niersbach-Nachfolge: gering.

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