Fotostrecke: Fifa-Präsidentschaftskandidaten

Sechs Kandidaten aus aller Welt möchten am 26. Februar Fifa-Präsident werden. So viele Anwärter gab es noch nie. Wer sind sie? Von Sebastian Koch

Die amtierenden Präsidenten

Der suspendierte Präsident: Sepp Blatter (79) tritt bei der Wahl am 26. Februar in Zürich nicht mehr an. Der Schweizer macht nach 17 Jahren an der Spitze der Fifa Platz für einen Neuanfang. Zurzeit ist Blatter im Zuge des Korruptionsskandals bereits suspendiert und von seinem Amt vorläufig entbunden. Ob er in das bis zum Fifa-Kongress Ende Februar noch einmal zurückkehren kann, ist offen.

Der Interimspräsident: Momentan steht Issa Hayatou (69) an der Spitze der Fifa. Der Kameruner rückte im Oktober als dienstältester Vizepräsident für den suspendierten Blatter ins Amt, hat eine Kandidatur bei der Wahl im Februar aber bereits ausgeschlossen.


Die Nachfolgekandidaten

Der Unermüdliche: Bereits am 29. Mai trat Prinz Ali bin al-Hussein von Jordanien (39) als alleiniger Gegenkandidat gegen Blatter an. Seine 73 Stimmen im ersten Wahlgang waren damals ein Achtungserfolg, zum zweiten Wahlgang trat er dennoch nicht mehr an. Im Februar möchte es das ehemalige Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees noch einmal wissen. Umfassende Reformen werden dem meist farblos und unscheinbar auftretenden Royal jedoch nicht zugetraut.
Prognose: als Einzelkämpfer mit einem Achtungserfolg, doch in einem Feld mit mehreren Kandidaten chancenlos.

Die B-Lösung: Dass die Uefa Gianni Infantino (45) ins Rennen um die Präsidentschaft schickt, ist eigentlich nicht mehr als ein Akt der Verzweiflung. Der Schweizer trat in den vergangenen Jahren als Uefa-Generalsekretär vor allem bei Auslosung in Erscheinung und soll den mächtigen europäischen Verband bei einer wahrscheinlichen Sperre von Platini davor bewahren, völlig ohne offiziellen Kandidaten ins Rennen zu gehen. Als Generalsekretär gehörte Infantino aber auch zum engeren Führungszirkel der Uefa - nicht unbedingt ein Ruhmesblatt in diesen Tagen. Doch die Stimmen der Europäer hat er wohl dennoch sicher. Sicher ist auch, dass Infantino nicht gegen Platini antreten wird. Sollte Platini zur Wahl zugelassen werden, wird Infantino von seiner Kandidatur wohl Abstand nehmen.
Prognose: Als Uefa-Kandidat eigentlich von Natur aus mit guten Chancen. Allerdings könnte es schwer werden, außerhalb von Europa Stimmen zu bekommen.

Der umstrittene Favorit: Er gilt als großer Favorit auf den Präsidentenstuhl: Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa (49). Schenkt man Gerüchten Glauben, hat der Präsident des asiatischen Fußballverbandes wohl schon jetzt eine große Zahl an Unterstützern auf sich vereint. Doch auch gegen den aus dem Bahrain stammenden Funktionär ermittelt die Ethikkommission - wegen des Verdachts der Menschenrechtsverletzungen. Ibrahim al Khalifa soll in seinem Heimatland an der Verfolgung und Folter von politischen Gegnern beteiligt sein.
Prognose: Wenn er zugelassen wird, führt die Wahl nur über ihn. 

Der konservative Reformer: Auch Jérôme Champagne (57) wollte bereits im Mai Fifa-Präsident werden. Doch der Franzose scheiterte schon an der Hürde, überhaupt die nötigen fünf Nationalverbände zu finden, die ihn unterstützen. Aus diesem Grund wurde er zur Wahl nicht zugelassen. Zwischen 1999 und 2010 war Champagne als stellvertretender Fifa-Generalsekretär einer der engsten Vertrauten Blatters. Anfang 2012 forderte er den Schweizer immerhin öffentlich zu Reformen auf. Ob er diese selbst anstoßen kann, darf bezweifelt werden.
Prognose: chancenlos.



Der Freiheitskämpfer: Mit Nelson Mandela saß der Südafrikaner Tokyo Sexwale (62) einst zusammen auf Robben Island in Haft, als Fifa-Präsident möchte er nun wieder Reformen anstoßen. Er gehörte zum Organisationskomitte für die WM 2010 in Südafrika und ist Teil der Task Force der Fifa gegen Rassismus und Diskriminierung. Außerdem setzt er sich im Namen des Weltverbandes für einen Austausch zwischen Israel und Palästina ein. Er gilt als integer, wurde allerdings ausgerechnet von Blatter und Franz Beckenbauer vorgeschlagen. Das könnte ihn Stimmen kosten.
Prognose: Sexwale ist einer der aussichtsreichsten Kandidaten.


Der Ungewisse

Der Gesperrte: Michel Platini (60) ist unter den sieben Kandidaten der mit Sicherheit prominenteste - und umstrittenste. Der Uefa-Präsident aus Frankreich wurde im Oktober, wie sein Intimfeind Blatter auch, vom Weltverband suspendiert. Deshalb ist es fraglich, ob Platini den Integritätscheck der Ethikkommission bestehen und überhaupt zur Wahl zugelassen wird. Der Integritätscheck wird bei Platini erst nach Ablauf seiner 90-Tage-Sperre (Anfang Januar) angewandt. Aber selbst wenn er diesen besteht, kann er nicht einmal mehr sicher auf die Stimmen seines eigenen Kontinentalverbandes zählen.
Prognose: keine Chance.


Die Fehlenden

Der Chancenlose: Auch der Präsident des liberianischen Fußballverbandes, Musa Bility (48), wollte bei der Wahl antreten. Zu mehr als dem Motto "Dabei sein ist alles" hätte es aber wohl nicht gereicht. Die Ethikkommission ließ Bility nun durch den Integritätscheck fallen, Bility ist damit nicht zur Wahl zugelassen. Weshalb er den Check nicht bestanden, teilte die Ethikkommission aus "Gründen des Persönlichkeitsschutzes" im Übrigen nicht mit.

Der Exot: Bereits die Ankündigung einer Kandidatur von David Nakhid (51) war eine Überraschung. Am Mittwochmorgen wurde bekannt, dass die Fifa den ehemaligen Profi aus Trinidad & Tobago zur Wahl nicht zulässt. Ähnlich wie Champagne im Mai konnte Nakhid keine fünf ihn unterstützenden Verbände finden. Auf den Ausgang der Wahl hat seine Nichtberücksichtigung keinen Einfluss - die Kandidatur galt als aussichtslos.

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