Bundesliga: Hoffenheim rutscht weiter in die Krise

1899 Hoffenheim hat am Freitagabend die sechste Saisonniederlage einstecken müssen. Im Heimspiel gegen den Hamburger SV unterlag die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol mit 0:1. Aus Hoffenheim berichtet Markus Schulze.

Was wäre, wenn Hoffenheims Jeremy Toljan sein starkes Solo in der 87. Minute mit einem Tor gekrönt hätte? Die Verantwortlichen der Kraichgauer hätten sich wohl eine unruhige Woche mit vorprogrammierter Trainerdiskussion erspart. Daraus wurde bekanntlich nichts. Im Gegenzug patzte Hoffenheims Außenverteidiger und ermöglichte so den späten Hamburger Siegtreffer durch Pierre-Michel Lasogga (88.). 

 

"Kein Plädoyer für Gisdol"

 

Hoffenheim spielte schwach. Erschreckend schwach für eine Mannschaft, die eigentlich für ihren Trainer spielen wollte. Trainer Markus Gisdol probierte es sogar erstmals mit Stürmer Adam Szalai in der Startaufstellung. Gebracht hat es nichts. Statt dem erhofften Befreiungsschlag folgte ein weiterer Tiefschlag in der Hoffenheimer Krise. Die sechste Niederlage im zehnten Saisonspiel. Tabellenplatz 17. Die finanzstarken Badener stecken mitten im Abstiegskampf.

 

Die Luft für Gisdol dürfte nach der Niederlage immer dünner werden. Bereits unter der Woche hatte sich Klub-Mäzen Dietmar Hopp mit einigen Spielern in einem Golfklub getroffen. Die Mannschaft stellte sich aber vor ihren Trainer. Auch von den heimischen Fans wurde Gisdol vor dem Spiel mit Sprechchören bedacht. Das was folgte, war allerdings kein Plädoyer für ein weiteres Verbleiben von Gisdol.

Der entscheidende Moment: Pierre-Michel Lasogga mit dem "Lucky-Punch" kurz vor Ende der Partie.

Man habe der Mannschaft deutlich angemerkt, dass sie ein bisschen was mit sich rumtrage, so Gisdol auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Der 46-Jährige saß gegen den HSV zum 85sten Mal auf der Hoffenheimer Bank und zog damit mit Ralf Rangnick gleich. Bittere Pointe: es könnte auch das letzte Mal gewesen sein.

 

Volland: "Der Trainer erreicht uns noch"

 

Es dauerte ungewöhnlich lange, bis sich die Spieler durch die Mixed Zone trauten. Die meisten gingen wortlos an den Journalisten vorbei. Kevin Volland stellte sich, wie auch in den vergangenen  Wochen, der wartenden Menge. "Der Trainer erreicht uns noch. Er bietet ein gutes Training, hat eine gute und klare Ansprache", so der 23-jährige Nationalspieler über seinen Trainer. Ob Gisdol noch eine weitere Chance bekommt, konnte Volland nicht beantworten. "Das ist nicht meine Entscheidung". 

 

In die gleiche Kerbe schlug auch Sportdirektor Alexander Rosen. Hopp sei der Boss, stellte der 36-Jährige klar. Dennoch habe er nach wie vor die Überzeugung, dass dies die richtige Konstellation sei. Rosen lobte Gisdol als "tollen Menschen", fügte aber auch hinzu, dass irgendwann der Zeitpunkt komme, an dem beide nicht mehr zusammenarbeiten werden. "Ich wünsche mir, dass dieser Zeitpunkt noch in weiter Ferne liegt." Diesen Wunsch wird wohl nur Dietmar Hopp erfüllen können.

 

Labbadia: "Aktuelle Situation nicht komfortabel"

 

Der Hamburger SV dagegen feierte nach drei sieglosen Spielen einen verdienten Dreier, profitierte dabei auch vom Platzverweis des Hoffenheimer Innenverteidigers Ermin Bicakcic (67.). Lasogga beendete mit seinem Treffer den hanseatischen Torfluch. "Das macht Sven Schipplock super, dass er mich in der Mitte noch sieht. Ich bin froh, dass wir dieses später Tor noch geschossen habe, sonst wäre es ein bitterer Abend für uns geworden", bilanzierte der gelöste Torschütze nach dem Spiel. Zuvor hatte der HSV sage und schreibe 361 Minuten auf einen Treffer warten müssen.

 

Dank des Sieges stehen die Hanseaten mit 14 Punkten vorerst auf dem neunten Tabellenplatz. Trainer Bruno Labbadia empfindet die aktuelle Lage dennoch als "nicht komfortabel". "Wir müssen hart arbeiten, um solche Siege einstecken zu können." Dennoch könne man jetzt etwas entspannter auf die Bundesliga am Wochenende gucken, so Labbadia.

 

Etwas Entspannung - danach sehnt man sich in Hoffenheim derzeit vergeblich.

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