Ex-Schiri Rafati fordert Video-Beweis

Die Elfmeterentscheidung beim Spiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC Augsburg am Samstag sorgt weiter für hohe Wellen. Jetzt meldet sich auch Babak Rafati zu Wort. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter fordert die Einführung des Video-Beweises. Von Markus Schulze

Es war der Aufreger des vierten Spieltages. In der Schlussphase der Partie zwischen Bayern München und dem FC Augsburg steht es 1:1 – ein Achtungserfolg für die Fuggerstädter, die ernüchternd in die neue Saison gestartet sind. Bayerns Douglas Costa zieht mit einem Dribbling in den Strafraum und läuft dabei auf Augsburgs Markus Feulner auf. Der Brasilianer fällt und Schiedsrichter Knut Kircher pfeift Elfmeter. Der Rekordmeister nimmt das Geschenk dankend an und gewinnt das Spiel letztendlich mit 2:1.

 

"Viele Situationen, mit dem menschlichen Auge nicht warnehmbar"


Eine Entscheidung, die deutschlandweit für viel Kritik sorgte und den Schrei nach technischen Hilfsmittel wieder lauter werden ließ – auch in Schiedsrichterkreisen.


Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hat in einem Interview mit t-online.de den Video-Beweis gefordert. „Es geht mittlerweile um so viele Millionen Euro, warum sollten wir nicht den Oberschiedsrichter einführen, der eine Entscheidung von oben ganz ohne Emotionen treffen kann? Mittlerweile gibt es so viele enge Situationen, die man mit dem menschlichen Auge gar nicht mehr wahrnehmen kann.“

Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati leitete zwischen August 2005 und November 2011 84 Bundesligaspiele und 102 Zweitligapartien. Im November 2011 unternahm Rafati aufgrund von Depressionen einen Suizidversuch. Fünf Monate später trat der Hannoveraner von seinem Amt als Schiedsrichter zurück. 

Zwei Personen sind unfähig, ihr Amt auszuüben“


Allerdings traut Rafati dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie der Deutschen Fußball-Liga (DFL) keine tiefgreifenden Reformen zu und bezieht sich dabei auf Aussagen von aktiven Schiedsrichtern. „Sie sagten mir, dass zwei Personen im Schiedsrichterwesen ganz viele Semester Sozialkompetenz studieren müssten, damit sich etwas verbessert. Es wurde mir Wort wörtlich gesagt, dass diese zwei bestimmten Personen unfähig sind, ihre Ämter auszuführen. Ich denke, diese Aussagen sprechen Bände.“ Derzeit stehen Herbert Fandel (DFB) und Hellmut Krug (DFL) an der Spitze des Schiedsrichterwesens. Wen Rafati mit seinen Aussagen genau meint, geht allerdings nicht hervor.


Nicht nur der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter hat sich für den Video-Beweis stark gemacht. Auch Felix Magath äußerte sich am Montag zu den aktuellen Diskussionen. „Es braucht nur wenige Sekunden, ein Blick auf den TV-Schirm und man hat genug gesehen um eine korrekte Entscheidung zu treffen. Dennoch verweigert sich der Fußball weiterhin solch einer Möglichkeit, die das Spiel nicht verändern, sondern fairer machen würde“, so der 62-Jährige auf seiner Facebook-Seite.


Krug sieht noch viele offene Fragen


Ob es mit dieser Debatte nun zu einem Umdenken in Sachen technischer Hilfsmittel kommt, darf allerdings bezweifelt werden. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bekräftigte im Dezember des vergangenen Jahres seine ablehnende Haltung: „Auch in der x-ten Wiederholung hast du Szenen, wo man keine Klarheit hat. Wer soll dann entscheiden? Da hilft der Video-Beweis nicht weiter", so Niersbach in der "Bild". Er sehe sich da bei den „Traditionalisten“.

Auch Hellmut Krug, Schiedsrichter-Berater bei der DFL, sah vor dem Start in die aktuelle Saison noch „viele offene Fragen“. „Bei klaren Fehlentscheidungen ist der Ruf nach dem Videobeweis immer schnell sehr laut. Aber die Frage ist doch: Wann liegt tatsächlich ein klarer Fehler des Schiedsrichters vor? Wer kann das jederzeit klar definieren?“, sagte Krug bei bundesliga.de

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