Mit 29 Jahren - Jansen hängt Schuhe an den Nagel

Völlig überraschend hat der Ex-Nationalspieler sein Karriereende verkündet. Von Sebastian Koch

Damit hatte wohl niemand gerechnet: Marcell Jansen hat gestern Abend gegenüber der Bild-Zeitung sein Karriereende verkündet. Und das mit gerade einmal 29 Jahren im besten Fußball-Alter.

 

"Der Schritt" sei "nicht einfach" gewesen, zitiert das Blatt den 45-fachen Nationalspieler am Dienstagabend, der auch bekannt gab, dass es "sehr tolle Angebote" aus dem Ausland gegeben hatte. So waren wohl unter anderem Benfica Lissabon und der FC Everton an dem Flügelspieler interessiert, der bis zum 30. Juni beim Hamburger SV angestellt war. Doch Weitermachen "ist keine Option", so Jansen weiter.

Ich bin dann mal weg - Marcell Jansen überrascht mit seinem Karriereende.

Großes Talent, große Identifikation, leise Töne

 

Mit Jansen verlässt eines der einst größten deutschen Talente die Bildfläche. Der gebürtige Mönchengladbacher debütierte für die heimische Borussia am 4. Dezember 2004 in der Bundesliga und schaffte es in kürzester Zeit, sich bei den Fohlen ins Rampenlicht zu spielen. Nicht einmal ein Jahr später holte ihn Jürgen Klinsmann in die A-Nationalmannschaft, und das, obwohl Jansen in Mönchengladbach gegen den Abstieg spielen musste.

 

Nach der Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2006 stieg Mönchengladbach ab und der Shooting-Star verließ die "Fohlen" in Richtung Bayern München. Richtig glücklich wurde er bei den Bayern nicht. Nach nur 17 Einsätzen in der Saison 2007/2008 folgte der Wechsel zum Hamburger SV, wo Jansen zur Identifikationsfigur aufstieg.

 

Der Flügelspieler war kein Mann der großen Töne. Jansen überzeugte mit Leistung auf dem Platz und vorbildlichem Verhalten abseits des Rasens. In seinen sieben Jahren in der Hansestadt erlebte Jansen das volle Spektrum des Profifußballs. Den Halbfinals im UEFA-Cup und DFB-Pokal in der Saison 2008/2009 stehen die beiden Relegations-Dramen in den vergangenen beiden Jahren gegenüber.

 

Jansen und der HSV - das passte zusammen. Auch in Hamburg gelang Jansen das Kunststück, mit dem Verein gegen den Abstieg zu spielen, aber dennoch im Bliikfeld von Bundestrainer Löw zu bleiben. So schaffte er trotz langer Verletzungspause sogar noch in den erweiterten WM-Kader 2014, aus dem er dann aber letztlich gestrichen wurde. 

 

"Kein anderes Wappen mehr küssen"

 

Dass Jansen seine Karriere nun beendet, kommt überraschend und hat doch einen allzu weltlichen Grund, der Fußball-Nostalgiker schwach werden lassen dürfte: Jansen könne nach sieben HSV-Jahren "jetzt nicht plötzlich ein anderes Wappen küssen." 

 

242 Bundesliga-Spiele, 25 Tore und 45 Länderspiele (drei Tore) stehen am Ende zu Buche. Der Meistertitel von 2008 wird ergänzt durch die Vize-Europameisterschaft 2008 und zwei dritten Plätzen bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010. 

 

Nun wolle er ein Start-Up-Unternehmen gründen und Fußball wieder zu "meinem Hobby" machen, lässt Jansen wissen. Ein bescheidener Halbsatz - bezeichnend für die Karriere des Marcell Jansen, der seine Bodenständigkeit nie aus den Augen verloren hatte.


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