Deutsche U19 mit Last-Minute-Sieg gegen Irland

Was für ein Drama in Sandhausen. Die deutsche U19-Nationalmannschaft hat sich in der Eliterunde mit 3:2 (0:0) gegen Irland durchgesetzt und damit noch alle Chancen auf den Gruppensieg.

Aus Sandhausen berichtet Markus Schulze


Die deutsche U19-Nationalmannschaft hat weiterhin alle Chancen auf eine Teilnahme bei der Europameisterschaft 2015 in Griechenland. Das Team von Trainer Marcus Sorg besiegte am zweiten Spieltag der Eliterunde Irland mit 3:2 (0:0). Den Siegtreffer erzielte Freiburgs Jonas Föhrenbach in der Nachspielzeit.


Bis zur 82. Spielminute sah es nach einem erneuten Rückschlag für den DFB-Nachwuchs aus. Die Mannschaft rund um Kapitän Lukas Klostermann, der den gelbgesperrten Jonathan Tah vertrat, lag mit 1:2 in Rückstand. Der Ausgleichstreffer vom eingewechselten Lucas Cueto war dann der Startschuss für eine furiose Schlussphase, die auch bei den Spielern ihre Spuren hinterlassen hat. “Ich kann es jetzt immer noch nicht richtig glauben, was da abging. Ich bin sehr glücklich, dass wir das noch gedreht haben und da sieht man, dass wir uns über die Tage entwickelt haben“, gestand Hoffenheims Nadiem Amiri unmittelbar nach der Partie.


Nullnummer zur Pause


Dabei hätte es durchaus ein ruhiger Vormittag für die U19-Auswahl werden können. Die deutsche Truppe begann wie am vergangenen Donnerstag gegen die Slowakei stürmisch und störte die Iren bereits früh in deren eigener Hälfte. Max Christiansen, Torschütze aus dem Eröffnungsspiel, hatte die erste Chance der Partie. Sein abgefälschter Schuss landete allerdings knapp neben dem Gehäuse (12.). Auch Gianluca Rizzo (14.) und Leroy Sané (26.) vermochten es nicht, für ein kollektives Aufatmen im deutschen Lager zu sorgen.


Der erste Wermutstropfen für die Elf von Marcus Sorg erfolgte schon früh in der ersten Halbzeit. Innenverteidiger Thilo Kehrer musste verletzt den Platz verlassen (20.). Für den Schalker kam Jonas Föhrenbach in die Partie. Ein Wechsel, der später noch für viel Furore sorgen sollte.


Deutschland hatte zwar Ball und Gegner vollkommen unter Kontrolle, doch richtig klare Torchancen waren Mangelware bis zum Halbzeitpfiff. Die Iren hielten mit robusten Zweikämpfen dagegen, ließen dafür aber sämtliche Durchschlagskraft in der Offensive vermissen. Man hätte meinen können, dass beide Mannschaften ihr Potential für die zweite Halbzeit aufgespart hätten.



Konnte nicht ganz zufrieden sein mit der ersten Halbzeit, Trainer Marcus Sorg diskutiert auf dem Weg zur Kabine mit seinen Assistenten.

Torreicher Start in die zweite Halbzeit


Diese begann direkt mit einem Paukenschlag. Nach einem irischen Ballverlust in der deutschen Hälfte nutzte Sané seine Schnelligkeit aus und sprintete mit dem Ball am Fuß bis an den gegnerischen Strafraum. Seine scharfe Hereingabe musste Amiri nur noch am irischen Torwart Liam Bossin vorbei bugsieren (51.). Der Hoffenheimer widmete den Führungstreffer mit einer ganz besonderen Jubelgeste seinem Bruder auf der Tribüne. „Er hat uns nach dem ersten Spiel kritisiert, dass wir nicht so gut gespielt hätten, deshalb der Gruß in seine Richtung“, erklärte der 18-Jährige.


Wer nun gedacht hatte, dass der Führungstreffer dem deutschen Team die nötige Ruhe verleihen würde, sah sich sieben Minuten später schon getäuscht. Jack Hallahan ließ Föhrenbach an der Strafraumgrenze nicht gut aussehen. Der anschließende Abschluss ging an Freund und Feind vorbei und landete irgendwie im Tor von Keeper Marius von Funk. Der Ausgleichstreffer, komplett aus dem Nichts.


Bossin verhindert mehrmals deutsche Führung


Die deutsche U19 ließ sich dadurch allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegensatz zum ersten Spielabschnitt verstand es die Offensivabteilung nun aus ihrer Ballkontrolle auch Chancen zu erspielen. So hätten Rizzo und Amiri bereits drei Minuten später schon wieder für die Führung sorgen können. Auch Sanés Schuss fand nicht den Weg ins Tor (64.).


Liam Bossin, Torhüter der irischen Auswahl, erwies sich als hartnäckiger Antagonist der Deutschen und sorgte mit mehreren starken Paraden dafür, dass seine Mannschaft weiterhin im Spiel blieb. Im Minutentakt war der Torwart vom RSC Anderlecht unter Beschuss. Doch Amiris Heber (66.), Cuetos Schuss (67.) und Sanés Kopfball (69.) entschärfte Bossin allesamt.


Es kam, wie es kommen musste. Getreu der alten Fußballerweisheit „Wenn man sie vorne nicht macht, dann ...“ wurden die Deutschen für ihre mangelhafte Chancenverwertung bestraft. Eine Unachtsamkeit in der deutschen Viererkette nutzten die Iren prompt zum Führungstreffer. Der eingewechselte Joel Coustrain musste den Ball nur noch ins leere Tor einschieben und stelle den Spielverlauf damit völlig auf dem Kopf (72.). Ein Treffer, der die deutschen EM-Träume bereits früh hätte beenden können.


Die Erleichterung war groß. Dank des Treffers von Jonas Föhrenbach darf die deutsche U19 weiter von einer Teilnahme bei der diesjährigen EM in Griechenland träumen.

Föhrenbach wird zum Held des Spiels


Die Ausgangssituation für die letzte Viertelstunde war klar – das Team von Marcus Sorg benötigte mindestens einen Treffer. Die Mannschaft zerbrach nicht unter diesem Druck, sondern spielte weiter mutig nach vorne. In der 83. Minute besorgte der eingewechselte Cueto nach mustergültiger Vorarbeit von Föhrenbach den viel umjubelten Treffer zum 2:2.


Für komplette Ekstase im Sandhausener Hardtwaldstadion sorgte Lukas Föhrenbach in der dreiminütigen Nachspielzeit. Nach einer Flanke durch den kompletten irischen Strafraum stand der Freiburger am langen Pfosten goldrichtig. “Ich war relativ weit hinten, habe dann gesehen, dass der Ball vielleicht in die Mitte kommen könnte. Ich bin mit nach vorne und dann ist der Ball direkt vor meine Füße geflogen. Den habe ich dann über die Linie gedrückt”, beschrieb der Siegtorschütze die Situation zum entscheidenden Treffer.


Auch Trainer Marcus Sorg freut sich sehr über die Torjägerqualitäten seines Innenverteidigers: „Seine Technik und sein Auge sind mit Sicherheit stark, dazu noch seine Spieleröffnung. Dass er jetzt auch Tore schießen kann, erweitert sein Repertoire.”


Endspiel gegen Tschechien


Nun stehen erst einmal drei Tage Pause an, bevor es am Dienstag in Walldorf zum letzten Gruppenspiel gegen Tschechien kommt. Die Mannschaft von Coach Michael Petrous setzte sich in der ersten Partie gegen Irland durch und muss heute noch gegen die Slowakei antreten.


„Das war unser großes Ziel, dass wir im letzten Spiel noch alles selbst in der Hand haben. Das ist natürlich auch unglaublich wichtig für die Erfahrung der Jungs“, ist sich Sorg über die Bedeutung des Sieges gegen Irland bewusst. Nadiem Amiri fand noch deutlichere Worte und gab bereits die Marschroute für das letzte Spiel vor: „Wir gehen mit einem guten Gefühl in die letzte Partie. Das ist ein Heimspiel, wir müssen das gewinnen.“

 

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