"Noch viel Luft nach oben" - U19 bangt nach Last-Minute-Ausgleich um EM-Ticket

Die deutsche U19 kommt zum Auftakt in der EM-Qualifikation nicht über ein 1:1-Remis gegen die Slowakei hinaus.

Aus Mannheim berichten Sebastian Koch und Markus Schulze

 

"Der Druck", berichtet ein sichtlich enttäuschter Bundestrainer Marcus Sorg nach dem Abpfiff , "war schon vor dem Anpfiff da." Nach dem ernüchternen 1:1-Unentschieden gegen die Slowakei zum Auftakt in die U19-Eliterunde ist der Druck auf die deutschen Nachwuchskicker in den beiden kommenden Spielen gegen Irland am Samstag und gegen Tschechien am Dienstag nicht gerade kleiner geworden. Ganz im Gegenteil: Nur der Sieger des Mini-Turniers darf im Juli diesen Jahres zur EM-Endrunde nach Griechenland fahren. Dabei hätte die DFB-Auswahl bereits heute in Mannheim einen großen Schritt in Richtung Mittelmeer machen können.

 

Klare Überlegenheit im ersten Spielabschnitt

 

Gegen spielerisch in der ersten Halbzeit phasenweise überforderte Slowaken verstand es die Sorg-Elf, früh jenen Druck aufzubauen, den sich der ehemalige Bundesliga-Coach gewünscht hatte. Die hoch verteidigende deutsche Auswahl um Kapitän Jonathan Tah von Fortuna Düsseldorf erspielte sich bereits in den ersten Minuten mehrere Chancen, die beste vergab der Mönchengladbacher Gianluca Rizzo nach fünf Minuten.

 

Schließlich war es Max Christiansen vom FC Ingolstadt, der nach knapp 20 Minuten für die längst überfällige deutsche Führung sorgte. Der defensive Mittelfeldspieler fasste sich nach einer schönen Kombination von der Strafraumgrenze ein Herz und konnte den Ball im langen Eck versenken.

 

In der Folge verflachte das deutsche Spiel zusehends. Die knapp 1000 Zuschauer im Carl-Benz-Stadion, einst Heimspielstätte von 1899 Hoffenheim, sahen bis zum Pausenpfiff nur noch wenige gute Aktionen der deutschen Mannschaft, die das Spielgeschehen dennoch jederzeit im Griff hatte.  

Max Christiansen traf in der ersten Halbzeit zur 1:0-Führung. Sein Tor reichte allerdings nicht zum Sieg.



Foto: Spiel, Satz und Tor

Slowaken aggressiv, DFB-Elf schwach


Der zweite Spielabschnitt begann, wie der erste endete: schwach. Während sich die DFB-Elf darauf zu konzentrieren schien, die Führung verwalten zu wollen, fehlte es den Gästen auch über weite Strecken in der zweiten Halbzeit an spielerischen Mitteln, um die Gastgeber ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können. Das kompensierte die Mannschaft von Trainer Milan Malatinsky mit einer zunehmend härteren Gangart, die ihr vermeintliches Ziel nicht verfehlen sollte: die deutsche Mannschaft wirkte in den entscheidenden Zweikämpfen gehemmt.

 

Die Spielkontrolle habe der Mannschaft nach dem Wiederanpfiff gefehlt, konstanierte der Karlsruher Boubacar Barry nach Abpfiff - und traf den Nagel damit auf den Kopf. Nicht, dass die deutsche Führung ernsthaft in Gefahr war. Aber die Mannschaft passte sich ihrem Gegner an und ließ Spielideen zu jeder Zeit vermissen. Einzig Leroy Sané von Schalke 04 sorgte mit einigen Tempodribblings noch für etwas Betrieb in der Offensive. Doch auch hier fehlte das entscheidende Quäntchen Durchschlagskraft.

 

Später Schock für DFB-Elf

 

Thilo Kehrer war nach etwas mehr als 75 Minuten die größte deutsche Chance nach dem Führungstreffer vergönnt. Der defensive Mittelfeldspieler von Schalke köpfte eine Freistoßflanke jedoch aus knapp sechs Metern klar über das Tor. Auf der anderen Seite musste die deutsche Mannschaft zittern, als Tomas Vestenicky aus zentraler Position knapp 20 Meter vor dem von Marius Funk gehüteten Tor zu einem Freistoß anlief, den jedoch auch er klar über das Ziel setzte. 

 

Als viele Zuschauer sich bereits von ihren Sitzen erhoben hatten, setzten die Gäste zu einem letzten Angriff an, der den DFB in den kommenden Tage noch arge Bedrängnis bringen könnte: Vestenicky nutzte einen Abstauber und netzte in der dritten Minute der Nachspielzeit zum schmeichelhaften Ausgleich ein.

Wohin geht der Weg für die deutsche U19? Ein Sieg am Samstag ist jetzt Pflicht.



Foto: Spiel, Satz und Tor

"Werden mit einem Sieg antworten"

 

So tief der Schock nach den verlorenen beiden Punkten saß, so kämpferisch gaben sich Trainer und Spieler bereits wenige Minuten nach dem Abpfiff. "Die Mannschaft muss und wird das wegstecken", betonte Sorg und blickt optimistisch auf die Partie am Samstag in Sandhausen gegen "starke Irländer". "Noch viel Luft nach oben" sieht indes Nadien Amiri von 1899 Hoffenheim. Der Mittelfeldspieler, einst im Carl-Benz-Stadion für Waldhof Mannheim aktiv, versprach: "Wir werden mit einem Sieg am Samstag antworten."

 

Ein Sieg ist wohl auch Pflicht. Da im Abendspiel Tschechien Irland mit 1:0 besiegte, kann am Samstag ein Remis für die DFB-Auswahl bereits das Aus bedeuten. Nein, der Druck wird gewiss nicht weniger...

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