Anfeindungen gegen RB Leipzig immer bedrohlicher

Drohungen im Internet, ein anonymer Brief und ein Hotelsturm in Karlsruhe. Der Widerstand gegen RB Leipzig nimmt immer bedenklichere Formen an.

Von Markus Schulze


Das Projekt RasenBallsport Leipzig polarisiert Fußball-Deutschland. Auf der einen Seite wird das Engagement von Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz als große Chance für die Entwicklung des Fußballs im Osten gesehen. Auf der anderen Seite protestieren viele Fußballfans gegen die Kommerzialisierung ihres Sports. Eben diese Proteste werden äquivalent zum sportlichen Erfolg von RB Leipzig immer lauter und auch bedrohlicher.


Bereits im Vorfeld der Zweitliga-Partie am Montag zwischen dem Karlsruher SC und RB Leipzig sorgte ein anonymer Brief für Furore in der Messestadt. In diesem Schreiben riet man den „Fußballfreunden aus Leipzig“ von einer Anreise zum Auswärtsspiel ab. Anhänger des KSC hätten diverse Aktionen geplant. Unterschrieben wurde der Brief von „besorgten Fußballfans aus Karlsruhe“.


Ralf Rangnick, Teamchef von RB Leipzig, sieht die aktuelle Entwicklung äußerst kritisch. Er spricht von einer "Dimension, die einfach nicht geht."


Foto: von Werner100359 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Kapitulation vor Chaoten“


Schon Tage zuvor hatte es enormen Widerstand gegen den finanzstarken Zweitligisten gegeben. Im Internet kam es zu Drohungen gegen das von RB veranstaltete Jugendcamp in Halle/Saale. Konsequenz – der hiesige Verein SG Motor Halle sagte die Veranstaltung ab.


Eine traurige und bedenkliche Entwicklung. Bei aller Kritik gegen die Vereinsstrukturen, hier ist nicht der Verein das Opfer, sondern viel eher die Region. Diese profitiert ungemein von der Unterstützung und kann erst dadurch solche Trainingscamps organisieren. Die Leidtragenden sind jetzt die Jugendlichen. Das sieht auch Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, so: „Die Absage ist eine Kapitulation vor Chaoten und Leuten, die nicht einschätzen können und auch nicht wollen, was RB Leipzig für die Region leistet.“


Dimension, die einfach nicht geht“


Für den unrühmlichen Höhepunkt der Attacken gegen RB Leipzig sorgten am Montag etwa 20 Anhänger des Karlsruher SC. Diese wollten drei Stunden vor Anpfiff der besagten Partie in das Teamhotel der Sachsen eindringen. Die Polizei Landau gab nach dem Spiel bekannt, dass die Chaoten bereits vor der Eingangstür aufgehalten worden seien. Zuerst war von mehreren Medien berichtet worden, dass sich die Krawallmacher Zugang zum Speisesaal verschaffen konnten.


RB-Teammanager Ralf Rangnick verurteilte diese Aktion aufs Schärfste: "Die waren nicht vermummt, hatten aber Kapuzen auf. Dass irgendwelche Leute ins Hotel eindringen, ist eine Dimension, die einfach nicht geht."


Auch dessen Gegenüber, KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, distanzierte sich von den Vorfällen. "Das ist natürlich vollkommen deplatziert. Wir werden die Sache natürlich aufklären, aber wollen erst mal den Sachbericht der Polizei abwarten”, sagte er bei den Kollegen von Sport1.

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