Zurück in die Zukunft

Das deutsche Davis-Cup-Team startet am morgigen Freitag gegen den Vorjahres-Finalisten Frankreich in die Davis-Cup-Saison 2015. Doch nach wie vor dominieren seitens des DTBs Themen abseits des Platzes die Vorbereitungen auf das Spiel. Ein Kommentar.

Von Sebastian Koch

 

Rückblick, April 2014. Das deutsche Davis-Cup-Team tritt mit einer Truppe aus international weitgehend unbekannten Spielern – wie zum Beispiel Peter Gojowczyk oder Tobias Kamke – im Viertelfinale gegen den haushohen Favoriten Frankreich an und geht nach dem ersten Tag mit einer sensationellen 2:0-Führung in die entscheidenden letzten Spiele. Letztendlich verlor das Team von Carsten Arriens die Partie zwar unglücklich mit 2:3, bewies aber, dass im Davis Cup eine als Team konkurrenzfähige Generation nach Tommy Haas, Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer heranwächst, die es versteht, über Kampf und Leidenschaft zu begeistern. Der DTB müsse „sich fragen, ob auch die etablierten Kräfte Haas, Kohlschreiber und Mayer im Begriff gewesen wären, solche Leistungen abzurufen. Und ob es jetzt nicht an der Zeit ist, den Umbruch endlich vollständig einleiten und auf die 'Oldies' ein- für allemal zu verzichten?kommentierten wir die Davis-Cup-Partie noch am selben Tag.

 

Gegenwart. Vom damaligen Team ist nicht mehr viel übrig geblieben: Kamke und Gojowczyk fanden keine Berücksichtigung, dafür kehren die Oldies Kohlschreiber und Benjamin Becker zurück. Auch der Teamchef ist ein Anderer: Michael Kohlmann. Sein Vorgänger Arriens stolperte über den mächtigen Spieler Kohlschreiber, der in seiner Vita nun immerhin die maßgebliche Beteiligung an der Ablösung der letzten beiden Kapitäne vorweisen kann. Und der DTB? Der führt seinen Schlingerkurs zwischen Zukunftsorientierung und dem Festhalten an arrivierten Spielern fort. 

Der Davis Cup erhitzt in Deutschland im Moment die Gemüter. Tatsächlich dominieren die Themen abseits des Tennisplatzes derzeit die Schlagzeilen mehr als die sportliche Vorbereitung des deutschen Teams auf die Begegnung gegen Frankreich.


Bildquelle: DonPedro71 [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

Es ist offensichtlich, dass sich Arriens in der „Causa Kohlschreiber“, besonders durch sein Fernbleiben bei einem Versöhnungstreffen in Melbourne, nicht ganz glücklich verhalten hat. Dass er gehen musste, ist deshalb vielleicht sogar verständlich. Warum aber darf Unruhestifter Kohlschreiber, der eigentliche Hauptschuldige, wieder im Team spielen? Er darf spielen, weil es der DTB wieder einmal verpasst hat, einen Generationswechsel einzuleiten und es gleichzeitig wieder einmal geschafft hat, einen Nebenschauplatz aufzumachen.

 

Das Los Frankreich ist hart, die deutschen Chancen auf einen Sieg überschaubar. Im Gegensatz zum spanischen Team, welches beim Skandalspiel im letzten Jahr in Frankfurt - dem Beginn allen Übels für Arriens - auf seine Topspieler verzichten musste, tritt Frankreich mit einer starken Mannschaft an.

 

Es wäre für den Verband wieder einmal eine Chance gewesen, junge Spieler Erfahrungen sammeln zu lassen und eine nachhaltige Arbeit anzukurbeln. Aber hierzu fehlt dem Verband leider der Mut. Ganz nach dem Motto, einen Schritt vorwärts und zwei zurück zu gehen, beginnt eine Saison, die nichts Gutes verheißen mag. Der Verband scheint die Initiative „Zurück in die Zukunft“ ausgegeben zu haben. Bei der Durchsetzung dieser Initiative zeigt er Durchhaltevermögen. Ob das gut ist, darf aber bezweifelt werden… 

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