Auf den Spuren von Rost und Lehmann

Bis zur 90. Minute war die Begegnung zwischen dem FC Augsburg und Bayer 04 Leverkusen ein ganz normales Bundesligaspiel. Dann schlug die große Stunde von Augsburg-Keeper Marwin Hitz.

Von Markus Schulze

 

Die Werkself aus Leverkusen führte in Augsburg mit 2:1 und hätte sich den Sieg redlich verdient gehabt. Nur ein gegnerischer Eckball trennte die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt von einem wichtigen Auswärtsdreier. Aber diese Ecke sollte in die Bundesligahistorie eingehen.


Marwin Hitz, Torhüter des FCA, schlich sich mit nach vorne in den Strafraum. Eine bekannte Maßnahme, um kurz vor Schluss noch einmal für ein bisschen Unruhe zu sorgen. In fast allen Fällen werden solche Aktionen nicht von Erfolg gekrönt. So scheint es auch dieses Mal. Die Flanke fand keinen Abnehmer und landete beim Ausgburger Shawn Parker, der die Kugel direkt wieder zurück in den Strafraum brachte. Leverkusens Simon Rolfes versuchte zwar die Situation zu klären, doch der Ball landete direkt bei Hitz. Der Schweizer fackelte nicht lange und beförderte das Spielgerät mit einer anspruchsvollen Drehung in die Maschen. Ein seltener Moment, der mit Sicherheit Beachtung in jedem Saisonrückblick finden wird.

Er wird den 21. Februar 2015 mit Sicherheit nie mehr vergessen: Augsburg-Keeper Marwin Hitz erzielte im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen das erste Tor seiner Karriere. Mit diesem Treffer sicherte er seiner Mannschaft in der Nachspiel einen wichtigen Punktgewinn.


Foto: von Stephan Eissler (stuggi.info) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Es ist sehr neu und ungewöhnlich“


Dank des Treffers sicherten sich die Fuggerstädter einen wichtigen Punkt im Kampf um den europäischen Wettbewerb. Hitz, der nach dreimonatiger Auszeit dazu noch sein Comeback feierte, zeigte sich nach dem Spiel hocherfreut: “Es fühlt sich sehr gut an, aber es ist sehr neu und ungewöhnlich.” Kein Wunder – der Schweizer hatte in seiner gesamten Karriere zuvor die Bälle nur aus dem Netz geholt. Ein selbst erzielter Treffer war dem 27-Jährigen bis zu diesem Wochenende verwehrt geblieben.


"Ich habe nicht gewusst, dass ich heute einen Torjäger ins Tor stelle. Ich habe mir vor diesem Eckball gedacht: Alles oder nichts“, erklärte Ausgburg-Coach Markus Weinzierl seine Maßnahme kurz vor Ende der Partie. Auch Teamkollege Daniel Baier zeigte sich beeindruckt vom „eiskalten Abschluss“ seines Keepers.


Selbst Stürmerlegende Rudi Völler, Sportdirektor beim Gegner Bayer 04 Leverkusen, sprach Hitz nach der Partie ein Lob aus: "Er hat sehr gut reagiert. Aber so etwas wird er wohl nicht noch mal erleben." Werkself-Trainer Roger Schmidt „gönnt Marwin Hitz ja ein Tor, aber er muss es nicht unbedingt gegen uns machen."


Auf den Spuren von Rost und Lehmann


Bisher war es nur zwei Tormännern gelungen, einen Treffer aus dem Spiel heraus zu erzielen: Frank Rost trug sich 2002 in die Torschützenliste des SV Werder Bremen ein. Für den FC Schalke 04 war Jens Lehmann erfolgreich. Der ehemalige deutsche Nationaltorhüter besorgte 1998 den legendären Ausgleich im Revierderby gegen Borussia Dortmund. 


Hitz stößt nun in diese elitäre Runde hinzu und macht aus dem Duo ein Trio, welches so schnell bestimmt keinen Zuwachs mehr bekommt. Lehmann gratulierte dem „Neuankömmling“ nach dem Spiel auf Twitter.

Auf der Torschützenliste befindet sich Hitz jetzt immerhin auf dem 185. Platz. Damit steht er unter anderem vor Vedad Ibisevic. Der bosnische Stürmer vom VfB Stuttgart wartet nach zwölf Einsätzen immer noch auf seinen ersten Treffer in dieser Spielzeit. Noch bleiben ihm zwölf Spieltage, um zumindest Hitz noch einzuholen.

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