Elfenbeinküste Afrikameister 2015

Die Elfenbeinküste hat sich nach 23 Jahren Durststrecke zum zweiten Mal den Afrika-Cup gesichert. In einem dramatischen Endspiel schlugen die Ivorer Ghana mit 9:8 im Elfmeterschießen. Torhüter Boubacar Barry avancierte dabei zum Helden des Abends.

Von Markus Schulze


Die Geschichte sollte sich wiederholen im Estadio de Bata. Bereits vor 23 Jahren standen sich Ghana und die Elfenbeinküste in einem Endspiel des Afrika-Cups gegenüber. Auch damals musste nach 120 Minuten das Elfmeterschießen herhalten.


Manch ein Fußballexperte dürfte dem ghanaischen Nationaltrainer Avram Grant prophetische Fähigkeiten attestieren. Im Vorfeld des Finales hatte er mit einem Hauch von Ironie angekündigt, im Falle eines Elfmeterschießens seinen ehemaligen Spieler John Terry anzurufen. Damit spielte der 60-jährige Israeli auf das Champions League-Finale 2008 an. Damals war Grant als Trainer beim FC Chelsea London tätig - Terry verschoss seinen Elfmeter und ermöglichte Manchester United somit den Sieg. Man kann nur hoffen, dass Grant auch dieses tragische Elfmeterschießen so humorvoll verarbeiten kann.


Asamoah Gyan feiert sein Comeback


Beide Mannschaften nahmen im Vergleich zu ihren Halbfinalpartien jeweils eine Änderung in der Startaufstellung vor. Die Ghanaer konnten pünktlich zum Endspiel wieder auf Asamoah Gyan zurückgreifen. Der 29-jährige Stürmer erholte sich von seiner Unterleibsverletzung, die er sich im Viertelfinale gegen Guinea zugezogen hatte, und verdrängte Jordan Ayew auf die Bank. Die Elfenbeinküste musste auf ihren etatmäßigen Stammtorwart Sylvain Gbohouo verzichten. Für ihn nominierte Trainer Hervé Renard Boubacar Barry. Eine schicksalhafte Wendung, wie sich am Ende des Tages herausstellen sollte.


Die erste Halbzeit war geprägt von vielen intensiven, teilweise harten Zweikämpfen. Abdul Rahman Baba vom Bundesligist FC Augsburg hatte großes Glück, dass das Finale für ihn nicht bereits nach sieben Minuten endete. Schiedsrichter Bakary Papa Gassama übersah einen Schlag des Youngsters gegen den Ivorer Max Gredel. Über ein rote Karte hätte sich Baba nicht beschweren dürfen. Auch bei Asamoah Gyan übersah der gambische Referee einen Tritt, der einen Platzverweis zu Folge gehabt hätte.

 

 

Trotz quälender Krampfe der Held des Abends. Torhüter Boubacar Barry zeigte beim entscheidenden Elfmeterschießen keine Nerven und schoss die Elfenbeinküste zum zweiten Titel der Geschichte.

 

Foto: von Ailura (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 at (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Pfosten rettet die Elfenbeinküste


Torchancen waren dagegen Mangelware in den ersten 45 Minuten. Die Elfenbeinküste bestimmte zwar die Anfangsphase, doch bis auf einen Schuss von Gredel sprang nichts Gefährliches dabei heraus. In der Folgezeit übernahm Ghana die Initiative. Christian Atsu scheiterte mit seinem Schuss aus der Distanz am ivorischen Torpfosten (26.). Dieser stoppte auch eine gefährliche Hereingabe von André Ayew. Der ghanaische Stürmer setzte sich über die Außenbahn durch, konnte seine Flanke aber nicht mehr genau platzieren.


Ähnliches Bild im zweiten Spielabschnitt. Beide Teams neutralisierten sich, der Großteil der Begegnung spielte sich im mittleren Drittel ab. Je näher dem Abpfiff, desto vorsichtiger agierten beide Mannschaften. Kurz vor Schluss hätte es dann doch noch fast im ghanaischen Kasten geklingelt. Doch der scharfe Pass von Serge Aurier fand im Strafraum keinen Abnehmer (90.). So kam das, was sich über die gesamten neunzig Minuten schon angedeutet hatte – die Verlängerung.


Dort blieb es ähnlich ruhig. Kaum Torchancen, viele kleine Fouls und wenig Spielfluss. Auch die Einwechslung von Salomon Kalou vom Bundesligisten Hertha BSC brachte keine Besserung in die Begegnung.


Dramatisches Elfmeterschießen in Bata


Es folgte ein Elfmeterschießen, das an Dramatik kaum zu überbieten war und den Zuschauer für zuvor 120 meist langweilige Spielminuten mehr als entschädigte.


Nach den ersten beiden Schützen sah es bereits schon nach einem Titelgewinn Ghanas aus. Die „Black Stars“ zeigten sich nervenstark - im Gegensatz zu den Ivorern, die ihre beiden Versuche nicht im Tor unterbrachten. Doch die Ghanaer konnten ihren Zwei-Tore-Vorsprung nicht ins Ziel retten. Afriyie Acquah und Frank Acheampong versagten die Nerven und die „Elefanten“ von der Elfenbeinküste zogen tatsächlich nochmal gleich.


Es folgte ein dramatischer Krieg der Nerven, der letztendlich im Duell der Torhüter gipfelte. Der Ivorer Boubacar Barry, welcher sich im Verlauf des Elfmeterschießens mehrmals wegen Krämpfen behandeln lassen musste, parierte erst den Versuch seines Gegenüber Brimah Razak und verwandelte danach eiskalt den entscheidenden Schuss .

Christian Atsu „Spieler des Turniers“


Der Treffer Barrys war dann der Katalysator für jede Menge Emotionen. Auf der einen Seite grenzenloser Jubel der Ivorer, auf der anderen Seite ein ghanaisches Tal der Trauer. André Ayew weinte nach dem Abpfiff bittere Tränen. Besonders tragisch – sein Vater war beim Endspiel 1992 auf dem Platz gestanden. Die Westafrikaner müssen 33 Jahre nach ihrem letzten Erfolg bei den Afrikameisterschaften weiterhin auf den nächsten Titel warten.


Christian Atsu wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Zudem wurde sein Treffer beim 3:0-Erfolg im Viertelfinale gegen Guinea zum schönsten Tor des diesjährigen Afrika-Cups gewählt. Immerhin ein kleiner Trost für den geschlagenen Ghanaer, den er aber wohl liebend gerne gegen den goldenen Siegerpokal eingetauscht hätte.

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