Druck auf Arriens steigt weiter / Becker: "An Kohlschreiber führt kein Weg vorbei"

Das deutsche Davis-Cup-Team kommt nicht zur Ruhe. Boris Becker erhöht nun erneut den Druck auf Teamchef Carsten Arriens. Am Wochenende tagt das DTB-Präsidium. 

Von Sebastian Koch


Im Streit um die Nominierung des Davis-Cup-Kaders für die Erstrundenpartie gegen Frankreich vom 6. bis 8. März wird die Luft für Teamchef Carsten Arriens immer dünner. Im Zentrum der Diskussion zwischen Verband und Arriens steht dabei weiterhin der Umgang mit Philipp Kohlschreiber


Den hatte der 45 Jahre alte Frankfurter nach dem Skandal rund um das Spanien-Match im letzten Jahr eigentlich aussortiert und auf Dauer aus der Nationalmannschaft verbannt. Immer wieder hatte es zuvor Reibereien zwischen Arriens und Kohlschreiber gegeben. Immer wieder hatte Letzterer Berichten zufolge für Unruhe und Spannungen im Team gesorgt. Immer wieder war der Augsburger Gesprächsthema während Davis-Cup-Spielen und hatte wohl auch am Rücktritt von Arriens` Vorgänger, Patrick Kühnen, seinen Anteil. Aber oft hatte Kohlschreiber eben auch Leistung sprechen lassen. 


Machtprobe zwischen Verband und Teamchef


Vor dem Match in Frankfurt forderte der DTB nun Arriens auf, mit der bestmöglichsten Mannschaft anzutreten - und stellte sich somit erneut gegen die Entscheidung Arriens`, Kohlschreiber nicht mehr einladen zu wollen. Ein Machtkampf, den Arriens eigentlich nur verlieren kann.


Nominiert er den eigentlich geschassten Augsburger, so könnte ihm das als Schwäche ausgelegt werden Verzichtet der ehemalige Profi allerdings auf seine Nummer eins, droht ihm früher oder später (wohl eher früher) der Rausschmiss. 


Der angezählte Arriens selbst stellt sich jedenfalls noch quer und meidet klärende Gespräche. Zu einem vermeintlichen Aussähnungsgespräch mit der deutschen Nummer eins und DTB-Vize Dirk Horndorff in Melbourne erschien der Bundestrainer nicht. 

Streitobjekt: Die Davis-Cup-Zukunft von Philipp Kohlschreiber erhitzt die Gemüter und setzt Teamchef Carsten Arriens unter Druck.


Foto by: Christian Mesiano, [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Becker: "Fakt ist: An Kohlschreiber führt kein Weg vorbei"

 

Am heutigen Donnerstag schaltete sich nun auch Boris Becker am Rande der Australian Open ein. Der Trainer von Halbfinalist Novak Djokovic stellte sich auf die Seite des Verbandes und sprach sich mit deutlichen Worten für eine Rückkehr Kohlschreibers aus. 


Es sei "natürlich unmöglich", so Becker, "die Nummer eins nicht im Team zu haben." Das sei in den Augen des 47-Jährigen "ein Fakt, an dem kein Weg vorbei führt." Ob der Teamchef "Arriens, Becker oder Lieber Gott heißt", sei dabei egal. 


Dem DTB droht in den kommenden Tagen eine Zerreißprobe. Am kommenden Wochenende findet ein Präsidiumstreffen des Verbandes statt. Der Davis Cup steht offiziell zwar nicht auf dem Programm - es ist allerdings schwer vorstellbar, dass der Punkt nicht diskutiert wird. Und ob dann Arriens in der kommenden Woche noch im Amt sein wird, ist genauso ungewiss wie die Davis-Cup-Zukunft Kohlschreibers am heutigen Donnerstag...

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