WM 2022: Europarat fordert Neu-Vergabe / UEFA präsentiert Präsidentschaftskandidaten

Die umstrittene Weltmeisterschaft 2022 ist endgültig in den Spitzen der europäischen Politik angekommen. Der Europarat fordert nun sogar öffentlich eine Neu-Vergabe des Turniers.

Von Sebastian Koch


Die Diskussionen um die Vergabe der WM 2022 haben einen neuen Höhepunkt erreicht und sind endgültig in der internationalen Spitzenpolitik angekommen. Der Europarat verabschiedete am heutigen Dienstag ein Statement, das die FIFA öffentlich auffordert, das Endrundenturnier neu auszuschreiben.


"Vergabe zutiefst illegal"


Laut Kulturausschuss des Europarats ist die Vergabe am 2. Dezember 2010 auf "zutiefst illegale" Weise zustande gekommen. Dabei beruft sich das Gremium auf den "Garcia-Report". Der mittlerweile zurückgetretene FIFA-Chef-Ermittler Michael Garica hatte Ende letzten Jahres in seinem Untersuchungsbericht gravierende Missstände während des Vergabe-Verfahrens angeprangert. Dass die FIFA auf diesen Bericht nicht reagiert hatte, ist in den Augen des englischen Politikers Michael Connarty eine "Farce".


Das Schreiben verweist weiterhin auf Enthüllungen der englischen "Sunday Times" . Demnach bestehe laut Europarat "kaum ein Zweifel daran, dass das frühere Fifa-Exekutivmitglied aus Katar, Mohamed Bin Hamman, über 30 [...] Fußballvertretern hohe Summen gezahlt hat, damit sie bei der Wahl [...] für Katar stimmten."


Als Reaktion auf die Geschehnisse "sollte die Fifa so rasch wie möglich eine Neuvergabe der Weltmeisterschaft einleiten", heißt es weiter.


Niersbach: "An der Vergabe wird nicht gerüttelt"

 

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach reagierte unterdessen distanziert auf die Forderung des Europarates. Seinen Informationen zufolge sei "der Fall aus Sicht der FIFA abgeschlossen" und so werde an der Vergabe wohl "nicht mehr gerüttelt" werden. Niersbach rückt im nächsten Jahr ins FIFA-Exekutivkomitee auf und ersetzt dort Theo Zwanziger.

 

Der Europarat setzt sich aus 47 europäischen Staaten zusammen und repräsentiert knapp 820 Millionen Bürger. Er ist nicht zu verwechseln mit dem "Rat der Europäischen Union" und fungiert unabhängig von der EU. 


Präsidentschaftswahl: UEFA stellt Gegenkandidaten auf


Unterdessen hat die UEFA für die FIFA-Präsidentschaftswahl am 29. Mai einen offiziellen Gegenkandidaten zu Amtsinhaber Sepp Blatter präsentiert. Wie bereits am gestrigen Montag durchgesickert war, wird demnach Michael van Praag für das höchste Amt im Weltfußball kandidieren. Dabei kann der 67-jährige Präsident des holländischen Fußballverbandes KNVB unter anderem auf mehrere Stimmen aus Europa zählen.


"Es ist bekannt", so van Praag, "dass ich mir große Sorgen um die FIFA mache." Deshalb sei es "höchste Zeit, dass sie die Organisation normalisiert und wieder völlig im Zeichen des Fußballs steht.", kritisierte der Niederländer Blatter indirekt.


Blatter war auch wegen der WM-Vergaben 2018 und 2022 stark in die Kritik geraten. Dass sich ein Vierteljahr vor der Präsidentschaftswahl erneut eine internationale politische Organisation direkt an die FIFA wendet, dürfte dem Schweizer alles andere als gefallen.

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