Rummenigge: "Verein verurteilt Menschenrechtsverletzungen" / Zwanziger erneuert Kritik

Während sich die Bayern aus rein sportlicher Sicht schon lange nichts mehr haben zu Schulden kommen lassen, reißt die ethische Kritik nicht ab. 



Von Sebastian Koch

 

Das Trainingslager von Bayern München auf der arabischen Halbinsel wird mehr und mehr zum Politikum. Nachdem sich ein Vereinsmitglied via Twitter mit einem offenen Brief an Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge gewandt und darin dem Verein ethischen Versagen vorgeworfen hatte, sah sich der Verein nun sogar gezwungen, eine von Rummenigge gezeichnete Stellungnahme auf seiner Webseite abzudrucken.

 

Rummenigge bekräftigt darin, dass der "FC Bayern München als Verein [...] jede Form von grausamer Bestrafung, die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht", verurteile. Vor dem Hintergrund der wiederholten Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi durch die saudische Regierung wurde angeprangert,  dass der Rekordmeister die Menschenrechtslage auf der Halbinsel außer Acht lasse. Die Mannschaft bestritt in diesen Tagen unter anderem ein Testspiel gegen die saudische Mannschaft Al-Hilal (4:1). 

 

"Politik hat die Kompetenzen"

 

Rummenigge nimmt in seiner Erklärung dagegen vor allem die Politik in die Verantwortung. Sie habe "in diesen Fragen die Richtlinienkompetenz", so der 59-Jährige. Im Gegensatz dazu sei der FC Bayern "ein Fußballverein und kein politischer Entscheidungsträger". Natürlich trage aber letztendlich auch der Verein "Verantwortung dafür, dass Menschenrechte eingehalten werden.", so Rummenigge weiter.

 


Theo Zwanziger: "Nicht überrascht, dass bei den Bayern Kommerz Ethik schlägt."

 

Foto by: Manuel Heinrich [CC-BY-SA-2.5] Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons

 

 

 

Scharfe Kritik von Zwanziger und Knobloch

 

Unterdessen hat sich auch Dr. Theo Zwanziger in die Diskussion eingeschaltet. Es überrasche ihn nicht, so der Ex-DFB-Präsident in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass beim Rekordmeister "Kommerz Ethik" schlage und sich der Verein "im Zweifel auf die Seite des Geldbeutels" stelle. 

 

Vor Zwanziger hatten unter anderem auch die Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und zahlreiche Medien über den Saudi-Arabien-Trip diskutiert. So frage sich Knobloch "wie Kurt Landauer das Verhalten seines FC Bayern sehen würde". Zusammen mit Rummenigge hatte Knobloch am Montag eine Ausstellung über "Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern München" eröffnet. Der jüdische Landauer stand dem FC Bayern vor und nach dem Zweiten Weltkrieg vor. 

 

Nicht nur deshalb hätten die Bayern "vorab auf die grausamen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien [...] hinweisen können", wird Knobloch in der "Süddeutschen Zeitung" weiter zitiert. Grünen-Politiker Dieter Janecek unterstellte dem Verein dagegen im "Münchner Merkur", "seinen Vorbildcharakter" nicht wahrzunehmen und betonte, dass sich der Klub beim Thema Menschenrechte "nicht wegducken" könne. CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer warnte hingegen davor, "Sport und Sportpolitik zu sehr mit Menschenrechtspolitik in Verbindung zu bringen."

 

Bis vor Kurzem war auch der FC Schalke im Trainingslager auf der arabischen Halbinsel, die seit Jahren besonders von deutschen Vereinen als Vorbereitungsort genutzt wird. 

 


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