Zeit online: Zwayer tiefer in Wettskandal verstrickt als bislang bekannt

Laut einem Bericht der Wochenzeitung hat der DFB in der Aufklärung des Manipulationsskandals Schiedsrichter Felix Zwayer geschützt und sogar Akten über dessen Urteil verheimlicht.




Von Sebastian Koch


2015 jährt sich der "Fall Robert Hoyzer" zum zehnten Mal. Und nach wie vor tut sich der DFB im Umgang mit seinem dunkelsten Kapital der letzten Jahrzehnte schwer. So will die Wochenzeitung "Die Zeit" nun herausgefunden haben, dass Felix Zwayer, der "Schiedsrichter des Jahres 2014", viel tiefer in den Wett- und Manipulationsskandal verstrickt gewesen war, als es bislang vom Verband kommuniziert wurde.


Laut dem Artikel "Die Akte Zwayer", der am heutigen Donnerstag auf der Online-Seite publiziert wurde, vertuschte der DFB bis heute ein Urteil gegen den heute 33 Jahre alten Spitzen-Schiedsrichter, der seit 2012 auf der FIFA-Liste steht. Demnach sei der Berliner zu einer halbjährigen Sperre verurteilt wurden, die jedoch gegen seine Mithilfe zur Aufklärung des Skandals aufgerechnet wurde. Die Öffentlichkeit erfuhr dies aber nicht. 


Zwayer hat "Geld entgegengenommen"


Der DFB ging in seinem Urteil davon aus, dass Zwayer  'sich "grob sportwidrig" verhalten habe' und davon auszugehen sei, "dass er dem ersten Anwerbeversuch Robert Hoyzers nicht in der von einem redlichen Schiedsrichter zu erwartenden Art und Weise widersprochen und das Geld entgegengenommen hat." Zwayer fungierte zum damaligen Zeitpunkt als Assistent Hoyzers an der Seitenlinie. Auch habe er  "die ihm bekannten Spielmanipulationen des Robert Hoyzer über einen längeren Zeitraum hinweg nicht an den DFB gemeldet", schreibt das Online-Portal. 


Laut dem Bericht hatte Zwayer zu jener Zeit auch Kenntnisse von weiteren bestochenen Schiedsrichter, wie etwa Dominik Marks. Auch er bot seinen Assistenten Zwayer vor einem oder mehreren Spielen Geld an. Auch hier meldete Zwayer den Vorfall nicht an die zuständigen Institutionen.


Urteil aus dem Online-Archiv verschwunden


Im DFB-Archiv findet man, laut "Zeit", zu dem Urteil im Übrigen (fast) nichts. Bis auf einige kleine Pressemitteilungen zum Fall im Allgemeinen nichts, was auf Zwayers Beteiligung hinweist. Im Online-Archiv fehlt die laufende Nummer 05/2006, dem Monat des Urteils. Als einzige der vergangenen neun Jahre. "Zeit online" stützt sich bei ihren Recherchen vorrangig auf "ein paar Zeilen", die der damals zuständige Sport-Richter Rainer Koch 2008 "in einem Aufsatz eines Wissenschaftsverlages" schrieb. 


Der Name und Fall Robert Hoyzer gilt als Inbegriff für den Wettskandal im deutschen Fußball in den Jahren 2005 und 2006. Hoyzer wurde als sportlicher Drahtzieher lebenslang gesperrt und büßte eine Haftstrafe ab. Auch Hintermänner und weitere Spieler und Schiedsrichter wurden vom DFB und zivilen Gerichten bestraft. Bis auf Zwayer schaffte es kein sportlich Involvierter mehr, im Profifußballer richtig Fuß zu fassen.


Zwayer selbst vermeidet laut "Zeit" Antworten auf Fragen, wie er heute dazu stehe, Geld angenommen zu haben. Eine transparente Aufklärung schaut schlichtweg anders aus.



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