Lage für FIFA spitzt sich zu - früherer FA-Chef fordert WM-Boykott / Stellt die UEFA doch einen Gegenkandidaten?

Eigentlich sollte der Bericht der FIFA-Ethikommission die Gemüter beruhigen und den Weltverband aus der Schusslinie nehmen - das Gegenteil ist jedoch der Fall. 




Von Sebastian Koch


Die Luft für die FIFA wird eng, der Gegenwind - besonders aus Europa - rauer. Auch Tage nach der Veröffentlichung des Berichts der hauseigenen Ethikkommission kommt der Weltverband nicht zur Ruhe. Nachdem sich Chef-Ermittler Michael Garcia bereits am Tag der Veröffentlichung mit besorgniserregenden Äußerungen an die Öffentlichkeit gewandt und angedeutet hatte, dass der veröffentlichte Bericht fehlerhaft und unvollständig sei, legte heute David Bernstein nach.


Der ehemalige Chef des englischen Fußball-Verbands FA forderte die führenden Nationen der UEFA indirekt dazu auf, die umstrittenen Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu boykottieren. Der 71 Jahre alte Fußball-Funktionär äußerte sich in einem Interview mit der BBC zur vielleicht existenziellen Krise der FIFA und betonte, dass insbesondere die UEFA die nötige Macht habe, eine WM zum Scheitern zu bringen. "In der UEFA sind Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und die Niederlande. Alle sind mächtig und ohne sie kann man keine ernsthafte WM abhalten", so Bernstein.


Es sei Zeit, drastische Maßnahmen gegen die FIFA einzuleiten, sollte die keine wirkungsvollen Reformen auf den Weg bringen, betonte der Brite weiter. Im Falle eines Boykotts befürchtet Bernstein daher auch keine Proteste aus dem Fan-Lager. Ein Boykott hätte die Unterstützung der englischen Bevölkerung, ist Bernstein überzeugt.


Auch Rauball fordert Konsequenzen 


Bereits am vergangenen Donnerstag hatte sich der Präsident der "Deutschen Fußball Liga", Reinhard Rauball, zu den Vorgängen rund um den Ethik-Bericht geäußert und dabei für Aufsehen gesorgt. Gegenüber dem "kicker" brachte der 67-Jährige, der auch Borussia Dortmund vorsteht, eine Abspaltung der UEFA von der FIFA ins Gespräch. Das sei "eine Option, über die ernsthaft nachgedacht werden müsste", so Rauball. Was das für die FIFA bedeuten, ist kaum vorstellbar. 


Außerdem forderte Rauball die Veröffentlichung des kompletten Berichts der Ethikkommission. Auch das dürfte einigen FIFA-Funktionären wohl einige Kopfschmerzen bereiten. 


UEFA auf Kandidatensuche?


Bei all den Aussagen ging am heutigen Vormittag die Meldung fast unter, dass die UEFA nun offensichtlich doch einen Gegenkandidaten zu Sepp Blatter für die Präsidentschaftswahlen am 29. Mai 2015 sucht. Das berichtet zumindest - wieder einmal - der "kicker". Demnach sei für den 1. und 2. Dezember ein vom DFB in Frankfurt organisiertes Treffen anberaumt, bei dem sich insgesamt acht UEFA-Verbände unter anderem über die FIFA-Krise beraten. 


Zwar sei das keinesfalls "ein Krisengipfel", wie DFB-Mediendirektor Ralf Köttker klarstellte, jedoch spekuliert der "kicker", dass die teilnehmenden Verbände (Deutschland, Österreich, Schweiz, Israel, Luxemburg, Polen, Ungarn und Liechtenstein) auf einer von mehreren regionalen Konferenzen über einen Gegenkandidaten verhandeln. Es wäre nicht verwunderlich...




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