„Petkovic kann das Team mitreißen“

Der Meinung ist Marco Hagemann, wenn er über das anstehende Fed-Cup-Finale in Prag spricht. Der 37-Jährige, der lange Zeit für Sky Tennisspiele begleitete, ist seit dieser Saison Kommentator bei RTL und die Stimme bei den EM-Qualifikationsspielen der deutschen Fußballnationalmannschaft. 

 

 

(ms/seko). SSUT: Herr Hagemann, fangen wir mit dem Spitzenspiel zwischen Bayern und Dortmund am vergangenen Samstag an – wie lautet Ihre Bilanz des Spiels?


Marco Hagemann (37): Kurz und knapp: ein absolut verdienter Bayern-Sieg.


SSUT: Während die Bayern – zu denen wir gleich noch kommen werden – schon wieder mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze thronen, ist Dortmund nach fast einem Drittel der Saison Vorletzter. Wie konnte es soweit kommen? Wo liegen die Gründe bzw. wer trägt die Schuld an der Misere?


M.H.: Ein großer Anteil an der Krise ist mit Sicherheit noch den langwierigen Verletzungen von einer so großen Zahl an Stammspielern geschuldet. Man merkt den Spielern an, dass sie nach ihrer Rückkehr nach wie vor mit Rhythmus-problemen zu kämpfen haben. Da ist allen voran Mats Hummels zu nennen, der keine Form hatte und jetzt schon wieder ausfallen wird. Jakub Blaszczykowski hat noch überhaupt nicht gespielt, obwohl er damit gerechnet hatte, im Sommer wieder auf dem Platz zu stehen. Neven Subotic war lange nicht einsatzfähig, Ilkay Gündogan ebenso. Das macht sich eben auch auf dem Platz bemerkbar.

Außerdem ist es so, dass es, wenn du in der Bundesliga erst einmal unten drin steckst, schwierig ist, diesen Trend aufzuhalten. Wenn eine Mannschaft mehrere Spiele auf die Art und Weise verliert, wie sie Borussia Dortmund verloren hat, kommt ein Sog zustande, der gefährlich ist. Für die Mannschaft und die Verantwortlichen ist die Situation vollkommen neu und unbekannt. Zu allem Überfluss kommt dann auch noch, dass die Neuzugänge noch nicht die Erwartungen erfüllt haben, die in sie gesteckt wurden. .

Einen Alleinschuldigen kann man nicht ausmachen. Es kam so vieles zusammen. Wir sind uns aber darüber einig, dass die Kaderqualität ausreicht, um da auch wieder rauszukommen.


SSUT: Wo wird der BVB am Saisonende landen?


M.H.: Es wäre, glaube ich, ein Novum, wenn eine Mannschaft mit der Punkte-ausbeute aus den ersten zehn Spielen noch den Sprung in die Champions League schafft. Das sollte in Dortmund zunächst auch kein Thema mehr sein. Man muss das realistisch sehen und darf nicht anfangen, irgendwelche unrealistischen Hochrechnungen anzustellen. Rechnerisch ist die Königsklasse noch machbar, in der Praxis sehe ich das nicht.

Die Borussia tut gut daran, erst einmal den Abstiegskampf, der es momentan de facto ist, anzunehmen. Was dann nach der Winterpause geschieht, ist Spekulation. Da kann und will ich keine klare Prognose abgeben – genauso kann ich beispielsweise nicht sagen, was in der Rückrunde mit Paderborn passiert. Bleiben die in der oberen Hälfte oder rutschen die nochmal groß ab? Das ist Spekulation und eine Glaskugel habe ich auch nicht.

Für die Borussia kann es wirklich nur nach dem Motto „Step-by-Step“ aus dem Tabellenkeller gehen.  Rein wirtschaftlich kann sich der Verein ein Jahr ohne Champions League leisten. Das sollte aus finanzieller Sicht kein Problem darstellen. Aber das kann nicht der Anspruch sein.


SSUT: In Bezug auf das Spitzenspiel kam auch am Thema Marco Reus nicht vorbei, insbesondere an so manchen Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge. Wie sehen Sie seine Rolle in dem „Konflikt“? Und was unterscheidet ihn in solchen Situationen. von Uli Hoeneß?


M.H.: Zu dem Thema muss ich als erstes sagen, dass es mich inzwischen einfach nur noch langweilt und nervt. Es gab in den letzten Wochen fast täglich neue Wasserstandsmeldungen und Spekulationen um Reus. Mal geht er, dann bleibt er – es nervt nur noch.

Ich glaube, dass beide Seiten, sowohl Rummenigge als auch Hans-Joachim Watzke, ihre Schuld an dem derzeitigen Verhältnis, oder eben auch Nicht-Verhältnis, der Vereine tragen. Ich verstehe die Erregung von Watzke in vielen Situationen. Dass Rummenigge in der Öffentlichkeit über Vertragsdetails von fremden Spielern spricht, geht überhaupt nicht. Das ist klar. Andererseits waren auch manche Aussagen von Watzke diskutabel. 

Matthias Sammer hat das Ganze mit der Aussage, dass der Fußball eine „knallharte Leistungsgesellschaft ist“, recht gut auf den Punkt gebracht. Es ist völlig legitim, dass der FC Bayern über eine Verpflichtung von Reus nachdenkt. Das ganze Drumherum kann man aber auch auf einer anderen Ebene und einer anderen Art und Weise klären.

Uli Hoeneß ist ein Mensch, der in solchen Situation anders agiert. Er kommt von frontal vorne und spricht auch Dinge an, die einem nicht so gefallen. Danach hat sich die Sache aber auch erledigt. Das ist bei Rummenigge eben nicht der Fall. Ich bin aber auch der Meinung, dass wir Medien da häufig sehr viel mehr hinein-interpretieren, als notwendig ist.


SSUT: Das mag durchaus sein und sollte zum Nachdenken anregen.

Kommen wir auf die „Bayern-Jäger“ zu sprechen. Da marschiert derzeit der VfL Wolfsburg durch die Liga. Fünf Siege in Serie, Platz zwei und die zweitmeisten Tore der Bundesliga – kann der VfL die Bayern ernsthaft in Bedrängnis bringen?


M.H.: Kurzzeitig vielleicht ja, über die ganze Saison aber nicht. Dazu haben die Bayern einen zu breiten und zu starken Kader. Wenn wir der Aussage von Pep Guardiola Glauben schenken, dass die Bayern ab November/Dezember noch stärker werden, gibt es eine sehr langweilige Meisterschaftsentscheidung (lacht). Das ist insofern schade, weil anderen Mannschaften dann die Anerkennung verweigert wird, die ihnen zusteht. Wir sprechen immer nur über den Punkteabstand zwischen Bayern und Dortmund und vergessen dabei, dass Wolfsburg und Mönchengladbach bis heute auch eine überragende Saison spielen. Das ist unfair und schade. Die beiden Teams sind aktuell noch in Schlag-distanz und haben keine zehn Punkte Rückstand. Das wird aber kaum gewürdigt. 

Wolfsburg ist eine Mannschaft, die sich gefunden hat. Es läuft in der Bundesliga und in der Europa League steht sie auch gut da. Die Philosophie von Dieter Hecking greift im Moment perfekt. Wolfsburg ist derzeit der erste „Bayern-Jäger“ und das ist anerkennenswert.


SSUT: Sie haben auch Mönchengladbach angesprochen, die in dieser Saison in Pflichtspielen noch ungeschlagen sind – das gab es zu dem Zeitpunkt seit über 40 Jahren nicht mehr am Niederrhein. Im Spiel gegen Bayern München gab es zudem einen offenen Schlagabtausch, den man auch hätte gewinnen können. Zu was ist die Mannschaft sowohl national als auch international in dieser Saison noch im Stande zu leisten?


M.H.: Mönchengladbach wird in der Europa League, wie auch Wolfsburg, hoffentlich die Gruppenphase überstehen. Danach geht es im K.O.-System weiter, es kommen die Champions-League-Absteiger dazu und man braucht auch etwas Losglück. Wenn das beide Mannschaften haben, können sie weit kommen. Aber auch das sind so viele Eventualitäten, die eine sinnvolle Prognose kaum möglich machen. Da entscheiden Tagesform und auch mal das Glück über Weiterkommen und Ausscheiden. In der Bundesliga wird vor allem entscheidend sein, dass die Mannschaft von Verletzungen verschont bleibt. Wenn das geschieht, ist die Champions-League-Qualifikation machbar.


SSUT: Von der Europa League oder gar Champions League träumt man im Norden der Fußball-Republik derzeit nur. Werder Bremen als Letzter und der Hamburger SV als 14. stecken wieder unten drin. Aber beide Teams konnten am Wochenende gewinnen – Momentaufnahme oder Aufwärtstrend?


M.H.: Werder hat mit der Verpflichtung oder Beförderung von Viktor Skripnik zum Cheftrainer und Torsten Frings zu dessen Assistenten vieles richtig gemacht. Die beiden stehen für den Verein, haben dieses Werder-Gen, von dem Bremen jahrzehntelang gelebt hat und identifizieren sich zu einhundert Prozent mit dem Verein. Mit dem Sieg im Pokalspiel und dem am letzten Wochenende in der Bundesliga ist das Duo ja auch gut gestartet. Aber auch Bremen sollte „Step-by-Step“ denken.

In Hamburg macht Joe Zinnbauer seine Arbeit als neuer Cheftrainer ebenfalls gut. Er ist ein emotionaler Typ, der vorangehen und die Mannschaft mitreißen kann. Die muss es endlich schaffen, die Leistung gegen Leverkusen auch in den nächsten Wochen konstant abzurufen. Der Sieg müsste viel Selbstvertrauen gebracht haben.

Sowohl in Bremen als auch in Hamburg habe ich ein gutes Gefühl, auch was die Personen abseits des Platzes betrifft. Ich glaube, dort ist man sich bewusst, dass die Siege am Wochenende nur kleine Schritte waren und die Saison noch lang ist. Das wird gut eingeordnet, ohne jetzt sofort irgendwelche Tabellenplätze am Saisonende als Ziel ausgegeben werden.


SSUT: Damit schließen wir die Bundesliga ab und wollen, bevor es zum Tennis geht, nochmal kurz auf die Nationalmannschaft schauen. 

In eineinhalb Wochen geht es in der EM-Qualifikation weiter – Gibraltar sollte dann doch hoffentlich kein Problem werden. Nach nur einem Punkt aus den letzten beiden Spielen steht die DFB-Elf in den Spielen danach allerdings etwas unter Druck. Muss sich Fußball-Deutschland Sorgen um die Qualifikation machen?


M.H.: Da bei der EM in Frankreich 2016 gefühlt 80 Nationen teilnehmen (lacht) (es sind 24 von 54 UEFA-Mitgliedsstaaten/Anm. d. Red.), sehe ich das nicht ganz so schwarz, wie es oftmals dargestellt wurde. Natürlich sind wir alles andere als optimal gestartet – das passiert mal. Aber es war auch nicht so, dass die Nationalmannschaft einen katastrophalen Fußball gespielt hat. Ganz im Gegenteil: Wenn gegen Polen die Chancen verwertet worden wären, hätten wir das Spiel nicht 0:1 verloren, sondern es mit drei bis vier Toren gewonnen. Auch gegen Irland wäre ein Sieg absolut drin gewesen. Das ist vom Zustandekommen der Ergebnisse her eine ganz ähnliche Situation wie in Dortmund.

Joachim Löw und sein Team können die Situation ebenfalls richtig einschätzen und wussten, was nach einer gewonnen Weltmeisterschaft auf sie zukommt. Per Mertesacker, der ja zurückgetreten ist, hat in meinen Augen etwas Wahres gesagt: Er hatte Schwierigkeiten, sich neu zu motivieren. Und das trifft vielleicht auch noch auf so manchen aktuellen Nationalspieler zu. Das ist reine Kopfsache. Hinzu kommen einige Neu-Nationalspieler, die erst integriert werden und Automatismen verinnerlichen müssen. 

Große Sorgen mache ich mir da aber nicht. Dennoch kann man das Gibraltar-Spiel als Gradmesser sehen. Irland und Polen haben jeweils sieben Tore geschossen – das sollte die deutsche Mannschaft auch erreichen. Und ganz nebenbei kann sich das Team in solchen Spielen auch mal etwas freischwimmen und ein neues altes Selbstverständnis erlangen.


SSUT: Mal wieder ein paar Tore wären in der Tat schön. 

Aber nicht nur die DFB-Elf ist etwas holprig in die Qualifikation gestartet, sondern auch RTL. Die Kritiken nach den ersten drei Länderspielen waren durchwachsen bis schlecht. Wie haben Sie die Kritik aufgenommen – Sie wurden teilweise ja weniger kritisiert als das Duo Florian König/Jens Lehmann.


M.H.: Zu dem Thema werde mich nicht äußern. Das habe ich noch nie getan und mir steht es auch nicht zu, mich über Kollegen zu äußern. Von unserer Redaktion und unserem Pressesprecher wurde in der Beziehung alles gesagt und ich bin der Meinung, dass wir da doch ganz anständige bis sehr gute Sendungen gemacht haben. Aber natürlich wollen auch wir von Spiel zu Spiel bessere Sendungen machen und das wird auch so geschehen.


SSUT: Dann schließen wir den Fußball-Block ab und kommen zum Tennis.

Was machen Sie am kommenden Wochenende, Herr Hagemann (8./9. November)?


M.H.: Ich bin am Samstag natürlich vorm Fernseher und verfolge das Fed-Cup-Finale (lacht). Sonntags bin ich mit Eurosport bei einem Frauenfußballspiel in Frankfurt, werde aber natürlich auch dort verfolgen, wie sich unsere Frauen in Prag gegen Tschechien schlagen werden.


SSUT: Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hat neben den gesetzten Angelique Kerber und Andrea Petkovic auch Sabine Lisicki in das Aufgebot berufen. Das wurde teilweise mit Verwunderung aufgenommen, da die Berlinern das Viertel- und Halbfinale verpasst hat und auch in den letzten Wochen nicht unbedingt mit großartigen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Doppelspezialistin Anna-Lena Grönefeld dagegen ist erstmal „nur“ Ersatzspielerin. Wie bewerten Sie diese Personalie?


M.H.: Ich finde die Entscheidung, Lisicki zu nominieren, gut. Zwar habe ich gelesen, dass sich Rittner schwergetan hat mit der Entscheidung, bin aber der Meinung, dass man alle Ergebnisse der letzten Wochen berücksichtigen muss. Lisicki hat das Turnier in Hongkong gewonnen, was natürlich nicht das Mega-Event schlechthin im Kalender ist. Aber es kann dennoch einen Schub geben. Genauso wichtig war der Sieg von Andrea Petkovic in Sofia. Auch das ist kein gigantisches Turnier gewesen, sondern eher eine B-Weltmeisterschaft. Trotzdem gibt das eine Menge Selbstvertrauen.

Lisicki gehört mit Petkovic und Angelique Kerber, die im Oktober gar kein Turnier gespielt hat, zu den drei besten Deutschen in der Weltrangliste und gehört des-halb auch ins Fed-Cup-Team. Dazu noch Julia Görges, die auch sehr erfolgreich im Doppel spielen kann – das Team ist gut aufgestellt.


SSUT: Wenn Sie Petkovics Sieg in Sofia ansprechen – kann dieser Turniersieg nicht auch nochmal eine positive Signalwirkung für das ganze Team haben?


M.H.: Es ist einfach toll zu sehen, wie sich Petkovic aus dem Leistungsloch, das vielleicht auch mentale Ursachen hatte, rausgespielt hat. „Petko“ ist eine solche Kämpferin, das ist einmalig. Außerdem hat sie einen so großartigen Charakter und fühlt sich im Fed-Cup-Team pudelwohl. Diese Team-Playerin, die so viel Spaß und Herzblut mitbringt, kommt nun mit einem Turniersieg im Rücken nach Prag. Sie ist eine Type, die mit dem Turniersieg und ihrer eigenen Art natürlich das ganze Team mitreißen kann.


SSUT: Tschechien ist mit der Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova und der Top-15-Spielerin Lucie Safarova ebenfalls stark aufgestellt. Kerber bezifferte sie vor knapp einer Woche als „50:50“ und prognostizierte eine „ganz enge Kiste“. Wie sehen Sie die Kräfteverhältnisse in Prag?


M.H.: Der Aussage kann ich mich vorbehaltlos anschließen. Es ist ein Finale und für unsere Mädels eine ganz neue Erfahrung. Die Tschechinnen haben 2011 und 2012 das Ding schon gewonnen und kennen die Situation natürlich besser als unser Team. 

Ich finde es großartig, dass alle deutschen Karten verkauft wurden und viele Fans mit nach Prag reisen. Auch das kann unsere Mannschaft nochmal pushen, wobei die tschechischen Fans natürlich in der Überzahl sein werden.

Letztendlich ist es aber ein Finale und es entscheidet der Moment. Aber es ist auch ein Teamwettbewerb und da ist das deutsche Team mit seiner Mannschaftsgeschlossenheit im Vorteil. Letztendlich werden Kleinigkeiten entscheiden und da gebe ich Kerber Recht – es ist eine 50:50-Chance.


SSUT: Bei der letzten sportlichen Frage müssen wir noch einmal auf das deutsche Herrentennis zu sprechen kommen – dort hat es in dieser Davis-Cup-Saison einige Irritationen um das DTB-Team gegeben, die im Ausschluss von Philipp Kohlschreiber gipfelten. Gegen Frankreich, den Finalisten, lieferte ein junges deutsches Team einen großartigen Kampf ab. Ist die Generation um Kohlschreiber, Florian Mayer und Tommy Haas endgültig Vergangenheit und wie sehen Sie das deutsche Herrentennis in naher Zukunft aufgestellt?


M.H.: Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass alte Zöpfe mal abgeschnitten werden müssen und man dann sagt, jetzt bauen wir ein neues Team mit jüngeren Spielern auf‘. Das ist für mich nachvollziehbar und da geht es primär auch gar nicht darum, wie sich ein einzelner Spieler womöglich verhalten hat. 

Bei allem Respekt vor Tommy Haas – er ist Mitte 30. Ich hoffe, dass er noch einmal zurückkommen kann, aber er wird nicht jünger. Nicht, dass das falsch verstanden wird: Er kann dem Davis-Cup-Team in Top-Form immer helfen. Das kann aber ein Philipp Lahm im Fußball der Nationalmannschaft auch. Aber Lahm ist zurück-getreten und hat gesagt, dass er jüngeren Spielern jetzt den Weg freimachen will. Das müssen wir respektieren und vielleicht sogar begrüßen.

Im Tennis sollten wir überlegen, ob es nicht Sinn macht, eine überschaubare Durststrecke hinzunehmen, in der wir jüngere unerfahrene Spieler im Davis-Cup-Team etablieren. Da sind allen voran Alexander Zverev oder Peter Gojowczyk zu nennen, die von einer solchen Strategie mit Sicherheit profitieren könnten. Gebt den Jungs doch das Vertrauen und die Möglichkeit. Wir haben gegen Frankreich gesehen, zu was ein junges motiviertes Team in der Lage sein kann. Dieses Vertrauen und die Zeit sollten wir dem Team und Teamchef Carsten Arriens entgegenbringen. 

Im Einzelfall schaut es auf der Tour, was Erfolge oder Turniersiege angeht, natürlich anders aus. Das liegt daran, dass die Leistungsdichte im Herrentennis unfassbar eng ist und es darum schwierig ist, sich auf Dauer in den Top50, Top30 oder gar Top10 zu etablieren. Kohlschreiber, der ja viel geschunden wird, spielt seit Jahren unter den Top30, was häufig vergessen oder einfach nicht erwähnt wird. Das ist eine tolle Leistung, die es zu honorieren gilt.


SSUT: Damit wollen wir den sportlichen Teil abschließen und zum Abschluss noch eine eher private Frage stellen. Die Kollegen Frank Buschmann und Wolff-Christoph Fuss haben in den letzten Monaten mit den Veröffentlichungen von autobiographischen Büchern für „Aufsehen“ gesorgt. Wird es demnächst auch ein Buch von Marco Hagemann über dessen Kommentatoren-Karriere geben?


M.H.: Demnächst? Nein, auf gar keinen Fall (lacht). In zwei Wochen werde ich 38 Jahre alt und sehe daher überhaupt keine Veranlassung, eine Auto-Biographie oder einen Rückblick auf meine Karriere zu schreiben (lacht). Ich hoffe, dass ich noch so viel erleben darf und erleben werde – also nein, in naher Zukunft geschieht das sicherlich nicht. Vielleicht schreibe ich mal in zwanzig Jahren ein paar Zeilen – ob die dann für die Öffentlichkeit oder nur für mich sind, weiß ich noch nicht.


SSUT: Herr Hagemann, wir bedanken uns für die Zeit, die Sie sich genommen haben und drücken am Wochenende gemeinsam die Daumen für die Fed-Cup-Mannschaft.


M.H. Auf jeden Fall!


SSUT: Danke!



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