"Fußball ist Fußball und Politik ist Politik" - Wirklich?

Die UEFA hat mit ihrer Stadien-Wahl für die EM 2020 einmal mehr zeigen wollen, dass Fußball und Politik zwei verschiedene Dinge sind. Oder etwa doch nicht? Der Kommentar zur EM-Vergabe.



Aus Genf kommentiert Sebastian Koch

 

Jetzt stehen sie also fest - die 13 Städte, in denen im Sommer 2020 der erste Europameister eines, auch im Fußball, vereinten Europas ausgespielt werden soll. Neben Fußballmetropolen wie München oder London dürfen sich auch vermeintliche Außenseiter wie Budapest oder Baku über einen Zuschlag und vier EM-Spiele freuen. Michel Platini und seine UEFA wollten einmal mehr zeigen, dass im Wunderwerk Fußball jedes Land die selben Chancen und Rechte genießt. Schön! Dass er der internationalen Politik dabei in die Parade fährt, scheint ihn und das Exekutivkomitee allerdings nicht zu interessieren. 

 

So bekam neben Budapest und Baku auch St. Petersburg seine Spiele. Ungeachtet dessen, dass sich Russland - Stand heute - in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit der Ukraine befindet und Präsident Wladimir Putin erst vor wenigen Tagen wieder mit Kriegsrhetorik der übelsten Sorte aufgefallen war. Die UEFA interessiert das jedoch nicht und sendet mit der Vergabe auch gleichzeitig ein Zeichen in Richtung jener Politiker, die zuletzt lautstark über einen sportlichen Boykott der WM 2018 in Russland nachgedacht hatten. 

 

Auch Ungarn (Budapest) und Aserbaidschan (Baku) sind keineswegs Staaten, die zuletzt wegen ihrer gelebten Demokratie aufgefallen waren. Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan, Zensierung von Pressefreiheit und Verfolgung politischer Gegner und Homosexuellen in Ungarn. Auch so kann man Staatsmänner und deren Politik stärken. Der Fußballverband griff heute aktiv in die Politik ein. Darüber täuschte auch die Aussage von Platini "Fußball ist Fußball und Politik ist Politik" nicht hinweg.

 

Ein diplomatisches Ignorieren der Bewerbungen von St. Petersburg, Budapest und Baku wäre wohl die weitaus bessere Lösung gewesen. So hätten sich beispielsweise Cardiff, Stockholm und Sofia über Zuschläge freuen können. 


 

 

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