"London hatte die beste Bewerbung"

Kein deutsches EM-Finale, dafür ein Viertelfinale. Das ergab die Abstimmung des UEFA-Exekutivkomitees am Freitagnachmittag. Die beiden Halbfinals und das Endspiel gehen nach London. Ein Fußball-Exot jubelte derweil am meisten.



Aus Genf berichten Sebastian Koch und Markus Schulze

 

Das legendäre Wembley-Stadion wird Austragungsort der Finalspiele der Europameisterschaft 2020 sein. Das wurde am Freitagnachmittag von der UEFA in Genf bekanntgegeben. Neben London hatte sich auch München für die beiden Halbfinals und das Endspiel beworben, in der finalen Abstimmung seine Kandidatur kurzfristig aber zurückgezogen.

 

Die bayerische Landeshauptstadt wird aber dennoch drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinalspiel in der Allianz-Arena zu sehen bekommen. Darüber hinaus gab die UEFA auch die elf weiteren Städte bekannt, die Gastgeber der Europameisterschaft sein werden, die sich 60 Jahre nach dem ersten Turnier über den gesamten Kontinent erstrecken wird. 

 

"Engländer lieben den europöischen Fußball"

 

UEFA-Präsident Michel Platini sprach bereits vor der Bekanntgabe der Austragungsstädte von einem "historischen Ereignis" und zeigte sich  auf der anschließenden Pressekonferenz zufrieden mit dem Zuschlag für London. "Wir wissen, wie die Engländer den europäischen Fußball lieben und empfangen können.", lobte der Franzose auf der Pressekonferenz den englischen Fußballverband.

 

Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Rückzug Münchens kurz vor der Wahl des Finalorts und einem möglichen Zuschlag für Deutschland als Austragungsland für die EM 2024 gab, wollte Platini nicht bestätigen.  "Ich weiß nicht,", so der 59-Jährige, "warum sich Deutschland kurz vor der Abstimmung zurückgezogen hat. Vielleicht gab es Abstimmungen zwischen England und Deutschland für die EM 2024.". Aber auch ein Rückzug wegen Aussichtlosigkeit schloss der Europameister von 1984 zunächst nicht aus. "England hatte die beste Bewerbung und die beste Evaluation. Es ist gut möglich, dass sich Deutschland auch deshalb zurückgezogen hat."

 

Die Abstimmung für London fiel nach Aussage von UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino nach dem Rückzug Münchens einstimmig aus. Auch deshalb zeigte sich Greg Dyke, Vertreter der englischen FA,"absolut begeistert" von der Wahl. "Wembley ist ein tolles Stadion, dass sich seit dem EM-Finale 1996 sehr verändert hat und modernisiert wurde. Ich möchte auch Herrn Platini für diese großartige Idee beglückwünschen, eine EM in ganz Europa zu spielen", so Dyke weiter. Gleichzeitig schloss der Engländer eine Bewerbung für die EM 2024 aus. 

 

"Auf ein Wiedersehen bei Freunden"

 

Für eben jene EM liegt laut DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nun "ein Teppich für den DFB aus". Das Mitglied des Exekutivkomitees zeigte sich in einer ersten Stellungnahme gegenüber "Sky" "total zufrieden" mit dem Verlauf der Vergabe und betonte, dass sich die Chancen für eine Ausrichtung des nachfolgenden Turniers in Deutschland gesteigert haben. Niersbach betonte, "dass der Teppich noch kein roter" sei, aber "ausliegt". Erstmal freue sich der 63 Jahre alte Westfale, "bei der EM 2020 auf der europäischen Landkarte vertreten zu sein."

 

Auch der neue Münchner Bürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßte den Zuschlag aus Genf. "Die Stadt München ist stolz, Austragungsort für ein Viertelfinale und weitere drei Gruppenspiele zu sein", betonte der 56 Jahre alte Schwabe. Nach 2006 könne es aus Sichter Reiters deshalb nur ein Motto geben: "Auf ein Wiedersehen bei Freunden".

 

Baku als großer Gewinner der Vergabe

 

Neben München werden auch in Rom, St. Petersburg und Baku jeweils ein Viertelfinale und drei Vorrundenspiele ausgetragen. Besonders die Delegation aus der aserbaidschanischen Hauptstadt begrüßte die Entscheidung der UEFA mit einem lautstarken Jubelsturm. Kein Wunder - ist das Land, in dem Ex-Bundestrainer Berti Vogts Nationaltrainer ist, bisher doch kaum über Außenseiterrollen in sportlichen Wettbewerben hinausgekommen und konnte sich auch sonst noch für kein großes Turnier qualifizieren. Ob das dann 2020 klappen wird, darf zwar ebenfalls bezweifelt werden, doch zumindest heute dürfte Aserbaidschan als Gewinner das Feld verlassen. 

 

Ebenfalls jubeln durfte derweil die russische Delegation. Ungeachtet der politischen Lage vergab die UEFA auch hier ein Viertelfinale sowie drei Vorrundenspiele hin und setzte damit auch ein Zeichen in Richtung jener Politiker, die zuletzt für die WM 2018 in Russland einen sportlichen Boykott gefordert hatten.

 

Achtelfinals auf der britischen Insel

 

Als Gewinner der Achtelfinal-Vergabe dürfen die britischen Inseln angesehen werden. Sowohl in Dublin als auch in Glasgow finden je ein Achtelfinale und drei Vorrundenspiele statt. Weiterhin durften sich Amsterdam, Bilbao, Budapest, Brüssel und Bukarest über Zuschläge freuen. 

 

Dass sich angesichts der politischen Lage eventuelle Komplikationen zwischen einem Spiel der englischen Nationalmannschaft in Glasgow oder Dublin entwickeln konnte, schloss Dyke aus. "Wenn wir dort spielen sollten, spielen wir dort.", so Dyke, der jedoch zugab, dass ein Spiel am heutigen Tag in Glasgow "etwas problematisch gewesen wäre". Für 2020 schloss er das aus. 

 

Wo Gewinner sind, da sind auch Verlierer. Die Bewerbungen aus Jerusalem, Skopje, Stockholm, Minsk, Sofia und Cardiff fanden keine Berücksichtigungen. 

 



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