Nishikori und Cilic schreiben Geschichte in New York

Novak Djokovic und Roger Federer haben in New York überraschend das Finale verpasst. Zwei Außenseiter feierten dagegen historische Siege.



Von Sebastian Koch


Den gestrigen Tag werden viele Tennisfans wohl lange in Erinnerung behalten. Binnen weniger Stunden haben Kei Nishikori und Marin Cilic mit ihren Halbfinalsiegen gegen Novak Djokovic und Roger Federer die Welt der gelben Filzkugel aus den Angeln gehoben und vielleicht endgültig eine Gezeitenwende im Herrentennis eingeläutet.


Nishikori ringt Djokovic nieder - Cilic besiegt Federer glatt


Den historischen Tag leitete Nishikori am frühen Abend MESZ ein. Nach knapp drei Stunden verwandelte 24 Jahre alte Japaner seinen zweiten Matchball zum 6:4, 1:6, 7:6, 6:3-Erfolg gegen den serbischen Weltranglisten-Ersten. Auch wenn Nishikori als Weltranglisten-Zehnter ins Turnier gestartet war, so kam der Sieg gegen den Boris Becker trainierten Branchenprimus doch weitaus überraschender als es die Distanz im ATP-Ranking aussagen möge. 


Schließlich hatte Nishikori bereits im Achtel- und Viertelfinale bei seinen Siegen gegen Milos Raonic und Stan Wawrinka über fünf Sätze gehen müssen und im heißen New York viel Kräfte lassen müssen. Umso mehr freute sich Nishikori nach den 2:52 Stunden und bei teilweise bis zu 35 Grad im Arthur-Ashe-Stadium über seinen Coup: ""Es ist ein großartiges Gefühl, die Nummer eins geschlagen zu haben. Ich bin so happy.", und weiter: ""Ich habe versucht, konzentriert zu bleiben nach dem zweiten Satz. Es waren schwere Bedingungen, sehr heiß, sehr feucht." 


Nishikori ist der erste Japaner in einem Herren-Grand-Slam-Einzelfinale. Zuvor hatte seit 1933 kein japanischer Spieler ein Herren-Majpr-Halbfinale (damals Jiro Satoh in Wimbledon) erreicht. In New York gelang das Kunststück zuletzt Ichiya Kumagae - im Jahr 1918.


Wer dachte, nach dem Ausscheiden von Djokvic hätte nun Federer auf dem Weg zu seinem 18. Grand-Slam-Titel freie Bahn, der hatte die Rechung ohne dessen kroatischen Kontrahenten Cilic gemacht. Der 25 Jahre alte gebürtige Bosnier, der im letzten Jahr noch eine viermonatige Dopingsperre hatte absitzen müssen, erwies sich für den acht Jahre älteren Schweizer als zu stark und so setzte es für Federer eine fast schon demütigende 3:6, 4:6, 4:6-Schmach. 


Major-Finale erstmals seit 2005 ohne "Big Four"


Erstmals seit dem Australian-Open-Finale 2005 zwischen dem späteren Sieger Marat Safin aus Russland und Lokalmatador Lleyton Hewitt gibt es damit am Montag wieder ein Major-Endspiel ohne einen Spieler aus den "Big Four", zu denen neben Federer und Djokovic auch der Spanier Rafael Nadal und der Schotte Andy Murray zählen. Bei den US Open ist es sogar noch zwei Jahre länger her - 2003 krönte sich Andy Roddick vor heimischer Kulisse gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero zum "König von New York". 




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