Der Löw(e) fletscht die Zähne

Der Kommentar zur Kapitänsentscheidung von Joachim Löw


Von Sebastian Koch

 

Es ist offiziell - Bastian Schweinsteiger ist der neue Leitwolf der DFB-Elf. Faktisch übernimmt er das Amt zum nächstbesten Länderspieltermin, theoretisch hatte er es wohl schon seit langen Jahren inne. Schweinsteiger zeigte nicht nur bei seiner herausragenden WM, dass er ein Musterschüler in den Fächern Einstellung, Motivation und Siegeswille ist. Er gilt seit Jahren als einer der Antreiber auf dem Spielfeld und als ein verlängerter Arm Löws.

 

Kaum ein Spieler kann so viele Akzente und Zeichen setzen, kaum ein Spieler musste in den letzten Jahren so viel einstecken wie der 108-fache Auswahlspieler. Aber auch kaum ein anderer Führungsspieler ist so oft verletzt wie Schweinsteiger, weshalb ihn viele keinesfalls für den idealen Kapitän halten.

 

Löw geht Diskussionen nicht aus dem Weg - Schweinsteiger muss liefern

 

Dass ihm Joachim Löw dennoch das Vertrauen schenkt, ist logisch für die Personlapolitik des Bundestrainers. Wieder einmal zeigt der Weltmeister-Trainer, dass allein er die Personalentscheidungen rund um seine Mannschaft fällt. Wieder einmal geht der 54-Jährige auf Konfrontationskurs und bietet seinen Kritikern jene Stirn, die seit seinem Amtsantritt vor acht Jahren so viel einstecken musste und die Zeit dennoch so unbeschadet überstanden hat. Und wieder einmal könnte man sagen: "Der Löw(e) fletscht die Zähne."

 

Natürlich erhöht sich durch die Beförderung ins Kapitänsamt auch der Druck für Schweinsteiger selbst. Er muss zeigen, dass er keineswegs den Zenit seiner Leistungsbereitschaft überschritten hat, wie es zuletzt nicht selten zu hören war. Und ihm muss auch klar sein, dass mit jeder weiteren Länderspielabsage die Stimmen lauter werden, die seine Absetzung fordern. Doch an Wille, Motivation und Einstellung fehlt es dem neuen Kapitän ja beileibe nicht.

 

Schneider kommt - Löw wird mächtiger

 

Mit der Berufung von Thomas Schneider zum Co-Trainer zeigt Löw ebenfalls, wer "Herr im Haus" ist. Kein Thomas Tuchel, kein Marcus Sorg - mit dem ehemaligen Stuttgart-Trainer hat sich Löw ein fast unbeschriebenes Blatt an die Seite gestellt, dessen achtmonatiges Kurz-Intermezzo beim VfB von wenig Erfolg gekrönt war. Es ist kaum vorstellbar, dass Schneider Ambitionen hegt, irgendwann einmal aus dem Schatten seines ehemaligen Trainers heraustreten zu wollen.

 

Anders als bei einer Verpflichtung von U19-Europameistertrainer Sorg oder dem extrovertierten und ambitionierten Tuchel geht Löw hier Diskussionen tatsächlich aus dem Weg und bevorzugt die intern wohl ruhigere Variante. Bedenkt man, dass sein langjähriger Vertrauter und Co-Trainer Hansi Flick nun auf dem Posten des Sportdirekotrs sitzt und in Oliver Bierhoff auch der Nationalmannschafts-Manager ein Löw-Getreuer ist, so lässt sich festellen:  Löw ist verbandsintern mächtiger denn je. 

 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Hanna Schwichtenberg (Dienstag, 02 September 2014 18:27)

    gute Einschätzung!