"Stolz auf dieses Team"

Die U19-Europameister wurden am Freitagmorgen am Frankfurter Flughafen triumphal empfangen. Dabei stand vor allem Finaltorschütze Hany Mukthar im Fokus der Journalisten. Aber auch Mittelfeldstratege Julian Brandt, Kapitän Niklas Stark und Trainer Marcus Sorg kamen zu Wort. Ob Letzterer die Nachfolge von Hansi Flick als Co-Trainer von Joachim Löw antreten wird, ist derweil nach wie vor unklar.

 

 

Aus Frankfurt berichten Sebastian Koch und Markus Schulze

 

"Ihr werdet in eurer Karriere noch viele Uhren geschenkt bekommen. Doch diese ist ein ganz besonderes Expemplar. Eine Europameister-Uhr, die ihr nicht verschenken solltet", riet DFB-Präsident Wolfgang Niersbach den Nachwuchshoffnungen vor der traditionellen Überreichung von eigens vom DFB für die Mannschaft angefertigten Uhren, und weiter: "Ihr habt eine große Karriere vor Euch, an der ihr aber weiter hart arbeiten müsst:" 

 

Nein, an Arbeit war nach dem spannenden Finale gegen Portugal erst einmal nicht zu denken. Übermäßig viel wurde zwar nicht gefeiert, wie Hany Mukhtar von Hertha BSC zugab, an Schlaf war aber dennoch "nicht zu denken". Der 19 Jahre alte Offensivspieler, der "auf dieses Team (einfach) stolz" ist, war im Finale der gefeierte Mann, als er kurz vor der Halbzeit den Siegtreffer in Budapest erzielte und dem DFB so den zweiten großen Titel innerhalb von 18 Tagen bescherte. 

 

 

Hat gut lachen - Hany Mukhtar erzielte den Siegtreffer im EM-Finale

 

"Traue Sorg die Nachfolge zu"

 

Wohl auch deshalb gab Niersbach zu, dass er sich an einen solchen Sommer "gewöhnen" könne und schob so gleich hinterher, dass dem U19-Titel schnell weitere Nachwuchstitel folgen sollten. Der U17-Auswahl bescheinigte der ehemalige Journalist "großes Potenzial" für die Qualifikation zur EM-Endrunde 2015 in Bulgarien. 

 

Wer allerdings gedacht hatte, dass in der VIP-Lounge am Frankfurter Flughafen endgültig geklört werden würde, ob Europameister-Trainer Marcus Sorg die Nachfolge von Hansi Flick als Assistent von Jachim Löw antreten würde, wurde enttöuscht. Niersbach und der ehemalige Coach des SC Freiburg wurden nicht müde zu betonen, dass einzig der Bundestrainer die Entscheidungsgewalt in dieser Frage habe.

 

"Natürlich traue ich Marcus diese Aufgabe zu", attestierte Mittelfeldstratege Julian Brandt von Bayer Leverkusen dem Umworbenen die uneingeschränkten Fähigkeiten zum Co-Bundestrainer. Schließlich habe der Schwabe während des Turniers hervorragende Arbeit geleistet und trotz wenig Vorbereitungszeit "tolles vollbracht". 

 

 

 

Julian Brandt traut Trainer Sorg den verbandsinternen Aufstieg zu. Selbst stellt der Mittelfeldstratege keine Ansprüche an einen Stammplatz bei Bayer Leverkusen, sondern möchte sich "Schritt für Schritt" in die Mannschaft spielen.

Hält sich bezüglich seiner eigenen Zukunft weiterhin bedeckt - Trainer Marcus Sorg gilt als Favorit, wenn es um die Nachfolge von Hansi Flick als Co-Trainer von Joachim Löw geht.

 

"Der Erfolg des Teams"

 

Doch neben einem eventuellen neuen Co-Bundestrainer stiegen während der vergangenen knapp zwei Wochen auch die Sterne weiterer Akteure auf, die den deutschen Fußballfans in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten dürften. Der bereits angesprochene Brandt zog im Mittelfeld die Fäden und überzeugte nicht nur im Endspiel mit toller Technik und großer Spielübersicht. Ihm fiel nach dem Titelgewinn ein "Stein vom Herzen", hatte er in den letzten Jahren mit deutschen Nachwuchsnationalmannschaften doch nicht nur gute Zeiten erlebt und die Qualifikationen für mehrere Endrunden verpasst. Seit gestern lebe er nun einen Traum und ist überzeugt davon, dass das Team diesen Titel mehr als verdient hätte.

 

Was Thomas Müller in Brasilien für die A-Nationalmannschaft war, stellte Davie Selke für die Sorg-Elf in Ungarn dar - eine personifizierte Tormaschine. Sechs Treffer in fünf Spielen. Da fällt der Vergleich zu Müller doch nicht schwer, oder? Nun, der Bremer selbst hält einen solchen Vergleich für "vermessen" und zeigt damit, was dieses Team auszeichnet: neben dem "überragenden Teamspirit" und einer "riesen Stimmung" (Kapitän Niklas Stark) zeichnete sich die Mannschaft auch durch Bescheidenheit und Demut aus. 

 

Tugenden, die schon den Weltmeistern von Brasilien nahegelegt wurden und sich bis in die Nachwuchsmannschaften durchziehen sollen. Und so passte es ins Bild, dass sich Präsident Niersbach beim Mannschaftsfoto demonstrativ im Hintergrund hielt und bescheiden betonte, dass dieser "Erfolg, ein Erfolg der Jungs" sei und er auf dem Foto "nichts verloren" habe. Das Dauer-Lächeln im Gesicht des 63-Jährigen hatte auf anderen Fotos jedoch sehr wohl etwas verloren - man kann sich an einen solchen Fußball-Sommer eben wahrlich gewöhnen...

 

 

Die U19-Europameistermannschaft 2014

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