Endlich aufhören mit dem Affentheater

Zugegeben - es ist nicht außergewöhnlich, dass sich die FIFA in ihrer Außendarstellung mal wieder nicht gerade von ihrer besten Seite zeigt. Doch auch der Nationalverband Brasiliens steht dem Weltverband in diesen Tagen in nichts nach.

 

 

Von Sebastian Koch

 

Eine Sache vorneweg: Das Aus und die schwere Verletzung Neymars ist eine Tragödie und wirft einen Schatten auf die WM, der so groß ist, dass es jeder sportliche Erfolg schwer haben dürfte, aus diesem zu treten. Welche Auswirkungen der Lendenwirbelbruch des 22-Jährigen für die Selecao sportlich haben wird, werden wir morgen Abend sehen. Menschlich ist es eine Tragödie. Zudem ist dem Turnier sein Gesicht, sein Aushängeschild und seine größte Attraktion abhanden gekommen. 

 

Kehrtwende um 180 Grad? - Für den DFB ein Schlag ins Gesicht!

 

Das alles rechtfertigt aber mitnichten die Farce, in der sich - mal wieder - die FIFA und - das ist neu - der brasilianischen Nationalverband CBF befinden. Der Weltverband will ein Diszplinarverfahren gegen "Treter" Camilo Zuniga einleiten - und führt damit sämtliche Entscheidungen aus den letzten Jahren ad absurdum.

 

Dass der schwache und heillos überforderte spanische Referee Carlos Carballo das Foul nicht mit einer gelben, oder gar roten Karten ahndete, ist die eine Sache. Dass er auf Foul im Sinne der Vorteilsregel entschied, die jedoch weitaus wichtigere. So entschied sich der Unparteiische bewusst gegen eine persönliche Strafe - und zementierte damit einen Tatsachenentscheid. Der Fall entscheidet sich also ganz erheblich von dem Fall von "Beißer" Luis Suarez. 

 

Bestraft die FIFA Zuniga doch, so wäre dies ein Präzedenzfall, der die - oftmals so oder so fragwürdige - Rechtsprechung der FIFA in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Wir erinnern uns: Erst vor einem knappen halben Jahr übte eben jener Weltverband massiven Druck auf das DFB-Sportgericht aus und forderte dieses auf, im "Phantom-Tor"-Fall die Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter zu schützen.

 

Und jetzt? War das alles wirklich nur einen Seifen-Oper, die nun ein Ende findet? Nein, sportlich darf Zuniga nicht bestraft werden. Die FIFA kann sich das nicht leisten. Es wäre ein Skandal - und es wäre auch für den DFB ein Schlag ins Gesicht, der sich mit seinem "Pro-Tatsachen-Entscheid" gegen Hoffenheim zu Recht schwer genug tat. Ob eine Zivilklage des CBF Sinn macht, ist eine andere Baustelle. 

 

Mitleidsentscheid pro CBF?


Der brasilianische Fußball-Verband spekuliert in der ganzen Sache im Übrigen zudem auf einen Mitleidsentscheid der FIFA für ihren Abwehrchef Thiago Silva. Der hatte sich im Spiel gegen Kolumbien auf die denkbar dümmste Art und Weise seine zweite gelbe Karte im Turnier abgeholt, als er einen Abschlag von Kolumbiens Schlussmann David Ospina behinderte und ist nun im Halbfinale gesperrt. Die Aktion war unsportlich und erfüllte laut Regelwerk darüber hinaus den Tatbestand des Zeitspiels. Eine klare gelbe Karte.

 

Warum sollte die - auch das im Übrigen ein Tatsachenentscheid - nun zurückgenommen werden? Wo sind wir denn? Lässt der Weltverband Silva morgen auflaufen, so dürften wir auf die Erklärungsversuche erst Recht gespannt sein. Nur, weil Neymar schwer verletzt wurde, heißt das nicht, dass ein anderer nicht-einsatzfähiger Spieler doch spielen darf. Das sollte eigentlich auch dem CBF klar sein, weshalb der Einspruch - so überflüssig und provokant er ist - nur einen Ausgang haben darf: ABGELEHNT!

 

Es ist schade, dass wir uns vor einem WM-Halbfinale mit solchen Themen beschäftigen müssen. Die FIFA ist nun in der Pflicht, die spektakuläre WM nicht zu einer Farce verkommen zu lassen. Hoffen wir, dass morgen Abend das Affentheater ein Ende gefunden hat und wir uns wirklich auf das Sportliche konzentrieren können. 

 

 

 

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