"Unsere Mannschaft gehört zu den Top-Favoriten"

Das sagt Wolff-Christoph Fuss. Im Interview mit uns sprach der Sky-Kommentator außerdem auch über Kevin-Prince Boateng, die Torlinientechnik und RB Leipzig.

 

 

 

Spiel. Satz und Tor: Herr Fuss, Sie haben am Samstag das Pokalfinale in Berlin kommentiert. Nach dem Spiel haben Sie von "Werbung für den deutschen Fußball" gesprochen. Wir haben diesen Spruch auf unserer Facebook-Seite leicht abgewandelt als "Werbung für die deutsche Torlinientechnik" gepostet. Wie stehen Sie zu der Technologie?

 

Wolff-Christoph Fuss (37): Genauso kann man es auch sagen. Ich diskutiere genauso gerne über Fehlentscheidungen wie jeder Skeptiker der Technologie. Da die das Wesen des Sports aber dennoch nicht verändert, sehe ich keinen Grund, sich dieser Technik, die in England übrigens schon einwandfrei funktioniert, nicht zu bedienen. Möglicherweise findet ja jetzt nochmal ein Umdenken statt.

 

SSUT: Die Bayern haben ja schon reagiert und nochmals einen Antragauf Einführung gestellt. Vielleicht wird es ja wirklich noch was.

Apropos Bayern: Vier Titel gewonnen, in der Champions League von Real Madrid aber böse gedemütigt worden - wie bilanzieren Sie das erste Jahr von Pep Guardiola in München?

 

W.F.: Für mich war es ein sehr gutes erstes Jahr. Trotz der Champions League-Niederlage. Es hat eben schon seine Gründe, warum der Titel noch nie verteidigt werden konnte.

 

SSUT: Neben den Bayern hat auch Borussia Dortmund zweifelsohne eine tolle Saison gespielt. Die Borussia wurde Vizemeister und Vizepokalsieger, dazu hätten sie beinahe noch Madrid aus der Champions League geworfen. Hat der BVB das Potenzial, in der nächsten Saison dann auch wieder Pokale zu gewinnen und wie sehr wird der Abgang von Robert Lewandowski schmerzen?

 

W.F.: Sie verlieren einen der besten Stürmer Europas. Es wird seine Zeit brauchen, bis sie wieder ein solches Kaliber herangezüchtet haben. Bis dahin werden sie das gemeinschaftlich lösen und definitiv der erste Herausforderer der Bayern bleiben.

 

SSUT: Bevor wir gleich auf die Weltmeisterschaft zu sprechen kommen noch eine "nationale" Frage. RB leipzig ist drauf und dran, sich im deutschen Profifußball zu etablieren. Wie stehen Sie, vor dem Hintergrund des Sponsorings durch Red Bull, zu diesem Projekt?

 

W.F.: Leider ist der Profifußball im Osten der Republik ziemlich unterrepräsentiert. Deshalb finde ich es zunächst einmal gar nicht verkehrt, dass sich ein Weltkonzern in einer Stadt wie Leipzig fußballerisch verwirklichen will. Der Osten ist ja traditionell fußball- und sportbegeistert. Solange sich also alles innerhalb der Statuten des DFBs und der DFL bewegt, ist das alles nicht verboten. Und Fußball funktioniert nunmal über Sponsoring. Nur können das Traditionsvereine eben ein bisschen besser kaschieren als RB Leipzig.

 

SSUT: Eine Meinung, die durchaus begründbar ist, aber bei der ein oder anderen Ultragruppierung wahrscheinlich doch auf wenig Gegenliebe stoßen könnte...

Kommen wir aber zur WM: Da hat Kevin-Prince Boateng in den letzten Tagen für Diskussionsstoff gesorgt, als er bemängelte, dass dem deutschen Team Typen mit Ecken und Kanten fehlen würden. Hat er damit Recht?

 

W.F.: Vor einem großen Turnier wird in Deutschland natürlich über den Kader diskutiert. Das ist doch völlig normal. Dass sich die Zahl der Skeptiker dabei vergrößert. ist ebenfalls normal. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass Boateng mit Ghana ein deutscher Gruppengegner ist, halte ich es auch für nicht unüblich, dass er ein bisschen provozieren will. Wir sollten uns aber dennoch klarmachen, über welch starken Kader wir eigentlich verfügen. Das ist ein Kader, der ohne Wenn und Aber zu den Top-Favoriten auf den Titel gezählt werden muss.

 

SSUT: Dann werden wir also in zwei Monaten (dennoch) den WM-Titel feiern können?

 

W.F.: Ja. Und das behaupte ich so lange, bis mir jemand das Gegenteil beweist.

 

SSUT: Die letzte Frage, Herr Fuss. FIFA-Chef Sepp Blatter hat in den letzten Tagen die WM-Vergabe 2022 an Katar erstmals offiziell als einen Fehler bezeichnet. Wäre nicht die einzig logische Konsequenz daraus, die WM jetzt neu zu vergeben?

 

W.F.: Ja, was denn sonst?!

 

SSUT: Herr Fuss, wir bedanken uns für das bisschen Zeit, das Sie uns geopfert haben und hoffen natürlich, dass Sie Recht behalten und Ihre Behauptung nicht widerlegt werden wird. Vielen Dank!

 

 

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