Bayern-Desaster bringt Guardiola & Co. in Erklärungsnot

Auch am Tag nach dem historischen Debakel der Münchner Bayern sitzt der Schock noch tief. Gleichzeitig offenbarte Madrid eklatante Schwächen im Spielsystem Guardiolas.

 

 

Von Sebastian Koch

 

Es sollte ein historischer Abend für die Bayern werden. Ein Abend, den die Fans in der Allianz Arena lange nicht vergessen und von dem Spieler und Trainer noch lange sprechen sollten. So der Plan der Bayern vor dem Spiel. Letztendlich kann man sogar sagen, dass die anvisierten Ziele alle erreicht wurden - nur ganz anders als erwünscht.

 

Ausgerechnet Ramos besiegt die Bayern

 

Die Ausgangssituation der Bayern war klar: Mindestens ein Tor musste her, um das 0:1 aus dem Hinspiel zumindest zu egalisieren. Entsprechend offensiv ließ Pep Guardiola seine Mannschaft von Beginn an auflaufen. Die entwickelte zwar früh das gewohnte Pressing in der Hälfte der Spanier, vergaß es aber, dieses in Torchancen umzuwandeln - ein zuletzt häufig gesehenes Bild. Gleichzeitig ließ der Titelverteidiger den Gästen aus Madrid von Beginn an Raum zum Kontern. Einen solchen nutzte die hochbesetzte Offensivreihe um Karim Benzema, Cristiano Ronaldo und Gareth Bale bereits nach einer Viertelstunde, um mit dem ersten Eckball den Anfang vom Ende für Bayern einzuleiten.

 

Es war eine Ironie des Schicksals und passte zum völlig missratenen Abend der Bayern, dass ausgerechnet Verteidiger Sergio Ramos den Eckball mit dem Kopf wuchtig im Tor unterbringen konnte. Jener Sergio Ramos, der vor zwei Jahren im Elfmeterschießen gegen die Bayern den Ball in den Nachthimmel drosch und Hohn und Spott aus Deutschland über sich ergehen lassen musste. Jener Sergio Ramos, der im Vorfeld des Spiels davon gesprochen hatte "das Spiel seines Lebens" in der Allianz-Arena spielen zu wollen. Und jener Sergio Ramos, der keine fünf Minuten später mit seinem zweiten Kopfballtreffer an diesem Abend zum Einen für die frühe Vorentscheidung besorgte und zum Anderen seinen Worten Taten folgen ließ. Durch den 0:2-Rückstand nach 20 Minuten hätten die Bayern zu diesem Zeitpunkt mindestens vier Tore schießen müssen.

 

Ronaldo macht Demütigung zur Halbzeit perfekt

 

Die Bayern, die sich "viel vorgenommen" (Philipp Lahm) hatten, waren bereits geschlagen, da war noch nicht einmal ein Viertel des Spiels absolviert. Zu offen habe man das Spiel von Beginn an gestaltet, wird Lahm nach dem Spiel sagen. Zu letharigisch agierte die Tiki-Taka-Maschinerie vor dem spanischen Strafraum., hätte er noch hinzufügen müssen. Cristiano Ronaldo begrub nach 35 Minuten mit dem 3:0 nach einem Konter die noch vereinzelt  verbliebenen Hoffnung von den allergrößten Optimisten.

 

Mit 69% Ballbesitz hatten die Bayern sowohl zur Halbzeit als auch am Ende wieder einmal das Spiel nach Ballbeseitz dominiert. Doch tatsächlich legte Real besonders in der ersten Halbzeit die Schwächen des Guardiola`schen Systems in den letzten Wochen offen wie selten zuvor dar: Vorne zu entschlossen, hinten konteranfällig und Ballbesitz schießt eben doch keine Tore.

 

 

Historische Heimniederlage / "Gute Saison zu einer sehr guten machen"

 

Auch in einer von jeglicher Spannung befreiten zweiten Halbzeit gelang es dem deutschen Meister nicht, Real-Schlussmann Iker Casillas ansatzweise ernsthaft zu prüfen. Ein Schlenzer von Arjen Robben, der knapp am Tor vorbeiflog, stellte nach knapp 65 Minuten den Höhepunkt der Bayern-Offensive dar. Gleichzeitig hätte Real durch Verteidger Fabio Coentrao auf 4:0 erhöhen können. Was Manuel Neuer da noch verhinderte, besorgte erneut Ronaldo mit einem Freistoßtor in der Schlussminute. 

 

Mit 0:4 hatten die Münchner bislang noch kein Champions-League-Heimspiel verloren. Einzig die Schlappe in Barcelona (ebenfalls 0:4), damals noch unter Trainer Jürgen Klinsmann, stellte eine ähnlich desaströse Niederlage dar. Wenig war der Ex-Bundestrainer seinen Job los...

 

Ganz so schlimm ist die Situation für Guardiola nicht. Auch sollte nicht alles schlecht geredet werden, was vor wenigen Wochen noch in den Himmel gelobt wurde. Und dennoch ist wohl vermuten, dass die lasche Einstellung des Spaniers nach dem frühen Titelgewinn in der Bundesliga ("die Meisterschaft ist vorbei.") den ein oder anderen Spieler aus dem Rhythmus gebracht hat.

 

Der Katalane, der nicht nur wegen dem Tod seines langjährigen Gefährten Tito Vilanovas, derzeit seine schwerste Zeit als Trainer erlebt, nahm nach dem Spiel die Verantwortung für das Desaster auf seine Kappe: "Heute hatten wir nur ganz wenige Chancen. Wir haben schlecht gespielt, das ist meine Verantwortung, da habe ich mich vertan."  Gleichzeitig stellte Sport-Vorstand Matthias Sammer im ZDF-Studio anschließend klar, dass aus "einer guten Saison ncoh eine sehr gute werden kann". Dafür muss allerdings der DFB-Pokal gewonnen werden. Im Finale wartet mit Borussia Dortmund eine Mannschaft, die im Viertelfinale Madrid fast zum Scheitern brachte und die Bayern in der Liga zuletzt mit 3:0 bezwingen konnte.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0