Kamke eröffnet gegen Benneteau

Das deutsche Davis-Cup-Team ist im morgen beginnenden Viertelfinale gegen Frankreich krasser Außenseiter. Seit heute sind die Begegnungen klar. 

 

 

Von Sebastian Koch

 

Als ein deutsches Davis-Cup-Team zuletzt gegen Frankreich gewinnen konnte, da war Deutschland noch eine Diktatur, der Zweite Weltkrieg noch in (absehbarer) Ferne und die deutsche Nummer eins war niemand Geringeres als Henner Henkel - 1938 war das.

 

76 Jahre später versucht sich ein neues Quartett, gegen den Nachbarn endlich mal wieder einen Sieg im Davis Cup einzufahren. Die Vorzeichen dafür stehen jedoch denkbar schlecht. Die Vorbereitung auf das Viertelfinale wurde von einer Absagenflut überschattet, hinzu kam der öffentlich ausgetragene Zwist zwischen Team-Kapitän Carsten Arriens und seinem Schützling Philipp Kohlschreiber. Der hatte, ebenso wie Tommy Haas und Florian Mayer, für das Spiel abgesagt.

 

Unerfahrenes Team hofft auf Sensation


Da Arriens in Daniel Brands die deutsche Nummer vier aus sportlichen Gründen gar nicht erst nominierte, inzwischen ist der Deggendorfener auch noch am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt, geht der Weltranglisten-94. Tobias Kamke als deutsche Nummer eins in die Partie. Selten war eine deutsche Mannschaft so unerfahren. Selten war eine deutsche Mannschaft so tief in der Weltrangliste platziert. Selten ging eine deutsche Mannschaft als ein so krasser Außenseiter in eine Davis-Cup-Partie. Und selten könnte eine deutsche Mannschaft eine so große Sensation schaffen wie an diesem Wochenende. 

 

Den Weg zu einer solchen Sensation soll zunächst Tobias Kamke ebnen. Der Lübecker trifft im ersten Einzel am Freitag auf Julien Benneteau. Der 32-jährige Rechtshänder belegt momentan den 50. Rang im ATP-Ranking und bekam etwas überraschend den Vorzug vor Gael Monfils.

Prognose: An einem guten Tag kann Kamke für den ersten deutsche Punkt sorgen. Dafür muss er gegen den kampfstarken Benneteau allerdings sein bestes Können abrufen - Punkt für Frankreich

 

Schwierig dürfte es spätestens im zweiten Einzel werden, wenn Davis-Cup-Debütant Peter Gojowczyk auf die französische Nummer eins Jo-Wilfried Tsonga trifft. Der 28-Jährige ist am Wochenende der prominenteste und ranghöchste Akteur in Nancy. Die Franzosen planen den Matchpunkt des Weltranglisten-Zwölften fest ein.

Prognose: Selbst, wenn Gojowczyk sein ganzes Potenzial abrufen kann, scheint ein Sieg gegen Tsonga fast utopisch - Punkt für Frankreich

 

Dass Gojowczyk und nicht Jan-Lennard Struff im Einzel antreten wird, kam - ähnlich wie Benneteau für Monfils - doch etwas überraschend. "Tobi und Gojo haben sich von Montag an im Training sehr gut präsentiert. Deshalb spielen sie", lobte Arriens und erklärte: "Jan dagegen war anzumerken, dass er vergangene Woche noch ein gutes Turnier in Mexiko gespielt hat. Er braucht noch ein paar Tage, um den Jetlag zu überwinden."

 

Auch Begemann vor Debüt


Erst am Samstag greift André Begemann in das Geschehen ein und wird dann ebenfalls debütieren. Der 29 Jahre alte Lemgoer gilt als ausgewiesener Doppelspezialist und belegt in der Doppelrangliste derzeit den 48. Platz. Gojowczyk spielt an der Seite von Kamke gegen Michael Llodra und Gael Monfils.

Prognose: Ein Grundgesetz des Tennis besagt, dass zu einem guten Doppel eben immer zwei Spieler gehören. Kamke tat sich bisher allerdings noch nicht als Doppel-Spezialist hervor. Auch Llodra ist ein guter Doppel-Spieler und Monfils wohl der bessere als Kamke - Punkt für Frankreich

 

 

 

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