UEFA verabschiedet Nations-League-Einführung / Niersbach skeptisch, Klopp verägert

In Europa gibt es ab der Zeit nach der WM 2018 einen neuen Wettbewerb für Nationalmannschaften. DFB-Präsident Woilfgang Niersbach blickt der "Nations League" jedoch noch skeptisch entgegen.

 

 

Von Sebastian Koch

 

Nach Revolutionen in der Champions League und Europa League hat sich UEFA-Präsident Michel Platini nun auch an eine Wettbewerbsrevolution für Nationalmannschaften versucht und mit der Einführung der "Nations League" einen völlig neuen Wettbewerb für jene geschaffen. Die UEFA-Mitgliedsverbände verabschiedeten die Pläne heute im kasachischen Astana, womit die Resolution wohl unumkehrbar ist. Nach der Weltmeisterschaft 2018 in Russland wird die Nationenliga das erste Mal ausgetragen und künftig alle zwei Jahre stattfinden - in jenen Spielzeiten, in denen keine WM oder EM ausgetragen wird.

 

Der genaue Austragungsmodus ist dabei noch gar nicht vollends durchgeplant. Klar ist, dass, gemäß der Leistungsstärke der Nationalmannschaften, wohl in vier Divisionen (A bis D) mit vier Untergruppen (wahrscheinlich zu je vier Mannschaften) um Auf- und Abstieg gespielt werden wird. Die Gruppensieger sollen in einem zusätzlichen "Final-Four-Turnier" den Sieger der Nationenliga ermitteln. Des Weiteren könnten über die Nations League vier Startplätze für die paneuropäische EM 2020 vergeben werden.

 

Niersbach noch skeptisch


Bei der Abstimmung fand sich eine breite Mehrheit unter den 54 UEFA-Mitgliedsverbänden. Auch der Deutsche Fußball Bund (DFB) stimmte für eine Einführung, ist jedoch noch nicht restlos überzeugt von dem neuen Wettbewerb.

 

Wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dem Sportinformationsdienst (sid) mitteilte, habe er "persönlich Bedenken geäußert". Gleichzeitog gestand Niersbach auch ein, dass diese Bedenken auch nach der Abstimmung noch nicht "ganz verschwunden" seien, jedoch müsse der DFB "akzeptieren, dass die Mehrheit der Verbände ganz einfach etwas ändern wollte". 

 

Der DFB sei der Abstimmung dennoch "aus Gründen der Solidarität" gefolgt, wird der 63-Jährige in der Bild-Zeitung zitiert. Niersbach bekröftigte gegenüber dem sid jedoch auch, dass der EM-Titel in Europa weiterhin als der wichtigste Nationentitel eingeschätzt werden sollte.

 

Rummenigge begrüßt weniger Freundschaftsspiele


Anders als Niersbach hat der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Einführung der Nations League begrüßt. Der 58-Jährige, der auch Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA ist, verwies aus Klubsicht auf den "angenehmen, kleinen Nebeneffekt", dass durch den neuen Wettbewerb die Zahl von kontinentalübergreifenden Freundschaftsspielen kleiner werde oder diese gänzlich wegfiele. Damit reduziere sich auch die Anzahl von Reisen mit erheblichen Strapazen.

 

Gleichzeitig zeigte Rummenigge gegenüber der Nachrichtenagentur dpa Verständinis für kleinere Nationalverbände, die sich durch den zusätzlichen Wettbewerb höhere Einnahmen versprechen.

 

Auch Joachim Löw zeigte sich vorsichtig optimistisch und angetan von dem Projekt. Auf "dfb.de" sagte der Bundestrainer:  "Wir wollen am liebsten immer gegen die großen Nationen [...] spielen. Wenn dies innerhalb der Nations League gewährleistet wird, können wir damit leben." Dennoch verwies Löw auch darauf, dass es noch schwieriger werde, sich mit Nationalteams außerhalb der UEFA zu Testspielen zu verabreden.

 

Negatives Echo aus der Bundesliga


Trainer und Verantwortliche aus der Bundesliga reagierten verhalten und verärgert auf die Neuerung und kritisierten insbesondere den Alleingang der UEFA. So zeigte sich Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, "überrascht, dass dieses Thema [...] ohne Vorankündigung auf die Tagesordnung gekommen ist und so ein weitreichender Beschluss getroffen wurde."

 

Dortmund-Trainer Jürgen Klopp gab zu, dass er "zu Hause kein Freudenfest angezettelt" habe. Außerdem gab der 46-Jährige zerknirscht zu bedenken, dass weder er noch andere Trainerkollegen zu der Terminkalenderreform "nicht in einer Sekunde" befragt worden seien.

 

Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, Carl Edgar Jarchow, kann dem neuen Turnier ebenfalls nichts abgewinnen:  "Wir sehen die Sache sehr kritisch. Der Rahmenterminplan ist bereits voll. Wir glauben, dass es genug Wettbewerbe gibt." Unterdessen sieht Michael Schade, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, die Gefahr, dass der Fußball "sich inflationiert."

 

 

 

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