Revierderby überstrahlt Bayerns mögliche Party

Die Bundesliga startet am Abend in den ersten Teil ihrer englischen Woche. Unter den vier Spielen stechen die in Dortmund und Berlin besonders hervor.

 

Von Sebastian Koch

 

Eigentlich sollte Fußball-Deutschland heute nach Berlin schauen. Doch wenn in der politischen Bundeshauptstadt mit hoher Wahrscheinlichkeit offiziell wird, dass die fußballerische Bundeshauptstadt weiterhin in München zu finden ist, ist das wohl nur halb so spannend wie das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Außerdem schauen wir uns noch ein zweites Derby igenauer an.

 

Borussia Dortmund - FC Schalke 04 (Di, 20 Uhr)

Machen wir uns nichts vor: Das Topspiel des 27. Spieltages findet nicht in Berlin, sondern in Dortmund statt. Wenn die beiden am meist verfeindeten Klubs Deutschlands am Abend aufeinandertreffen, steht mehr auf dem Spiel, als "nur" der Kampf um einen Bundesligasieg: Emotionen, Adrenalin, Stimmung und rassige Zweikämpfe - das alles dürfte den Anhängern beider Mannschaft im ausverkauften Signal-Iduna-Park heute erwarten.

Dabei ist das Derby endlich auch mal wieder ein Spitzenspiel im sportlichen Sinne. Ein Spitzenspiel, das nach Jahren auch tabellarisch auf Augenhöhe stattfindet und ein Spitzenspiel, bei dem im Vorfeld kein klarer Favorit ausgemacht werden kann. Die Gastgeber haben sich nach einer kleinen Schwächeperiode zu Beginn des Kalenderjahres zuletzt wieder gefangen und gehen mit dem Selbstvertrauen eines klaren 3:0-Auswärtssieg bei Hannover 96 in die Partie.

Doch auch Schalke braucht sich keinesfalls grämen oder womöglich gar verstecken. Ganz im Gegenteil: Die Elf von Trainer Jens Keller bestach zuletzt durch konstant starke Leistungen und gewann sieben von neun Rückrundenspielen (dazu ein Remis).  Auch deshalb haben sich die Königsblauen bis auf einen Zähler an den verhassten Reviernachbar herangekämpft und könnten diesen mit einem Sieg heute Abend als Tabellen-Zweiter ablösen.

Die Aussage von Schalke-Youngster Kaan Ayhan ("Das ist nicht nur ein Derby, das ist ein Spitzenspiel") kommt also nicht von Ungefähr und so dürfen wir uns heute Abend auf einen wahren Bundesliga-Schlager freuen. Ein Schlager, bei dem es sich wohl lohnen wird, die Clubhäuser und Kneipen um die Ecke aufzusuchen.

Brisant wird es auch abseits des Rasens werden: Nach den Ausschreitungen im Hinspiel (3:1 für Dortmund), die die Partie kurz vor den Abbruch gebracht haben, dürften die Verantwortlichen noch genauer als ohnehin schon auf die beiden Fanlager schauen. Bei erneuten Ausschreitungen drohen den Vereinen empfindliche Sanktionen, die über Geldstrafen hinausgehen könnten. So bleibt zu hoffen, dass die Aussage von Dortmund-Allrounder Kevin Großkreutz ("Das Stadion wird kochen") nicht allzu wortwörtlich genommen werden wird.

 

Hertha BSC - FC Bayern München
Das zweite Highlight dieses Abends findet in Berlin statt. Und das ist sicher. Denn entweder hat Deutschland gegen 21.45 Uhr offiziell einen neuen (alten) deutschen Meister (den frühesten aller Zeiten) oder die Berliner Hertha schafft Historisches und fügt den übermächtigen Bayern die erste Saisonniederlage zu. Beides wäre außergewöhnlich. Beides wäre ein Highlight.

Für Bayern-Trainer Pep Guardiola wäre es die erste deutsche Meisterschaft. Doch so richtig anfreunden kann sich der 43-jährige Katalane noch nicht mit dem bayerischen Ritus der obligatorischen Bierdusche nach einem Titelgewinn. Zwar haben die Spieler eine offizielle Feier-Erlaubnis ihres Trainers bekommen, doch Guardiola will der klebrigen Dusche nach Spielende nach Möglichkeit lieber entgehen. "Vielleicht bleibe ich nach dem Abpfiff nicht auf dem Platz, sondern gehe sofort in die Kabine", ließ sich der Spanier auf der Pressekonferenz in seine gewiefte Taktiküberlegungen blicken. Ob das reicht, um den Bierduschen-Spezialisten Bastian Schweinsteiger und Franck Ribery zu entgehen? Wir dürfen gespannt sein.

Zuvor muss aber erst einmal gegen Hertha gespielt werden. Die Elf von Trainer Jos Luhukay war im Hinspiel immerhin die einzige Mannschaft, die den Bayern bei der 2:3-Niederlage zwei Gegentore in dieser Bundesligasaison zufügen konnte. Überhaupt brachte der Aufsteiger den Meister im eigenen Stadion an den Rande einer Niederlage und hinterließ einen hervorragenden Eindruck. Ob er das heute wiederholen kann? Luhukay schätzt die Siegchance "auf zehn Prozent" ein. Falsche Bescheidenheit? Wir werden sehen, welches historische Ereignis heute Abend eintreten wird.

 

Werder Bremen - VfL Wolfsburg

Bei einem solchen Programm könnte man fast vergessen, dass der Dienstagspieltag auch noch aus weiteren Partien besteht. In Bremen empfängt Werder den VfL Wolfsburg zum kleinen "Nordderby".

Dabei stehen vor allem die VW-Städtler unter Druck. Seit vier Spielen ist die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking nun schon sieglos. Vor den beiden 1:1-Unentschieden gegen den FC Augsburg und Eintracht Braunschweig setzte es sogar derbe Schlappen gegen Bayern München (1:6) und 1899 Hoffenheim (2:6). Für den Anspruch der ambitionierten Wolfsburger (Manager Klaus Allofs: "Wir wollen nach Europa und wären enttäuscht, wenn es nicht klappt") war das eindeutig zu wenig. Hinzu kommt auch noch die völlig überflüssige Gelb/Rot-Sperre von Regisseur Kevin de Bruyne nach seinem Rempler gegen Schiedsrichter Felix Zwayer am Wochenende. Der Belgier fehlt den Wölfen ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub.

Der musste am vergangenen Freitag zwar eine schmerzhafte 1:3-Niederlage gegen den direkten Mitabstiegskonkurrenten SC Freiburg einstecken, hat sich in den letzten Wochen aber einigermaßen freigeschwommen und zur Zeit ein scheibar beruhigendes Sechs-Punkte-Polster auf die Abstiegsränge. Mit einem Derbysieg am Abend könnte die Mannschaft von Trainer Robin Dutt, angesichts der direkten Duelle der vier Mannschaften zwischen Platz 14 und 17, einen gewaltigen Schritt in Richtung Klassenverbleib machen.

 

Außerdem empfängt am Dienstag noch Eintracht Braunschweig den FSV Mainz 05.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0