Hoeneß mit Rückstand in die zweite Halbzeit

Der Bayern-Präsident muss verurteilt werden. Dem Rekordmeister wird das allerdings nicht schaden.

 

Von Sebastian Koch

 

Uli Hoeneß` Steuervergehen sind weitaus schlimmer als angenommen. Heute, am zweiten Prozesstag, war von knapp 30 Millionen Euro die Rede, die der Präsident des derzeit erfolgreichsten Fußballvereins der Welt dem deutschen Fiskus vorenthalten haben soll. Das ist eine gigantische Summe, die die treusten Bayern-Anhänger ähnlich trifft, wie die Niederlage im Champions-League-Finale gegen Chelsea London. 

 

Selbst den größten Optimisten und Befürwortern Hoeneß` sollte nun klar sein, dass ihr Idol und die Vereinsikone an einer langjährigen Gefängnisstrafe nicht vorbeikommen wird. Dabei entwickelte sich der Prozess wie ein rasantes Fußballspiel, dessen Ausgang aber wohl vor der Schlussviertelstunde entschieden ist.

 

Überraschungsangriff zu Spielbeginn

 

Der 62-Jährige entschied sich, mit einer Großoffensive in das schier aussichtslose Spiel zu starten. Mit Anpfiff startete Hoeneß einen Harakiriangriff und gestand, weit mehr als die vorgeworfenen 3,5 Millionen hinterzogen zu haben. Plötzlich war von zusätzlichen 15 (!) Millionen die Rede. 

 

Optimististen waren am Montagabend der Überzeugung, dass der Überraschungsangriff dem wahrscheinlich mächtigsten Vereinsfunktionär Deutschlands eine überraschende Auswärtsführung eingebracht habe. Das Geständnis sollte seine Reue bekunden. Doch mit dem Halbzeitpfiff kam alles anders.

 

Doppelschlag vor der Halbzeit

 

Am zweiten von vier Verhandlungstagen erfolgte der Konter, der Hoeneß hoffnungslos ins offene Messer laufen lief. Nun seien nicht mehr die 15 Millionen die Spitze des Eisbergs - eine Zeugin des Steueramts Rosenheim sagte aus, sie vermute eine hinterzogene von knapp 28 (!!) Millionen. Und sprach dabei vom günstigsten Fall für Hoeneß. 

 

Der Schwabe hat heute einen schweren Doppelschlag kassiert. Und das kurz vor der Halbzeit - im Fußball spricht man hier von einem "psychologisch schlechten Zeitpunkt". 

 

Freiheitsstrafe und Rücktritt unausweichlich


In Wahrheit ist es mehr als das - die Summe ist unbegreiflich und ein Freispruch oder eine Bewährungsstrafe wäre ein Schlag ins Gesicht für jeden Gerechtigkeitsfanatiker. Uli Hoeneß muss nach gesundem Menschenverstand ins Gefängnis - und das für eine längere Zeit. 

 

Des Weiteren ist das Aushängeschild Bayern Münchens in dieser (inoffiziellen) Position und als Präsident nicht mehr tragbar. Er schadet nicht nur dem Verein, er schadet mittlerweile dem Ansehen des gesamten deutschen Fußballs - und damit dem deutschen Sport. 

 

Bayern sportlich unbeschadet


Sorgen um die sportliche Zukunft "seiner" Bayern muss sich Hoeneß dabei nicht machen. Der Präsident hat sich vor Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Die Bayern funktionieren inzwischen auch ohne Hoeneß. Das sollte der in den letzten Jahren realisiert haben und daraus die Konsequenzen ziehen - er hilft seinem Lebenswerk mehr, wenn er dieses nun aufgibt. 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hanna Schwichtenberg (Dienstag, 11 März 2014 22:08)

    guter Kommentar! Der Vergleich mit dem Fußballspiel ist klasse!

    Man muss allerdings kein Gerechtigkeitsfanatiker sein, um eine zu milde Strafe als Rückschlag für die Gerechtigkeit zu empfinden in unserem Land, man muss einfach das Prinzip der Gleichheit aller vor dem Gesetz unabhängig von... für richtig halten.