Realitätsverlust bei Streich und Sammer

Die Aussagen vom Freiburg-Trainer und vom Bayern-Sportvorstand sorgen für Wirbel. Die Verlierer sind dabei die beiden polarisierenden Funktionäre selbst.

 

Von Sebastian Koch

 

Aaron Hunt und Hiroshi Kiyotake haben am Wochenende gezeigt, dass auch im Profigeschäft Fair Play beachtet werden kann. Ein revidierter Elfmeter und ein revidierter Eckball - das waren die Ergebnisse der beachtenswerten Aktionen der beiden Akteure. Doch leider gilt das Fair Play in dieser Woche nicht für Trainer und Funktionäre. 

 

Sammer arrogant und unseriös

 

Matthias Sammer warf unter der Woche der Konkurrenz vor, sie würde nicht angemessen und akribisch genug trainieren. Was auch immer sich der Bayern-Vorstand bei dieser Aussage gedacht haben mag - eine sinnvolle Erklärung für sein Statement gibt es wohl nicht. Bei allen Respekt vor der Leistung der Münchner Bayern: Der Verein gab ein Vielfaches für neues Spielmaterial aus als ein großer Teil der restlichen Liga. Das spiegelt sich nun wider. Unseriöses Arbeiten und Trainieren ist ein haltloser Vorwurf, der wie ein Bumerang zurückkommt und Sammer selbst als unseriös darstellt.

 

Noch schwerer als die Aussagen vom Bayern-Sportvorstand wiegen jedoch die von Freiburg-Trainer Christian Streich. Der 59-Jährige warf im Anschluss an die Niederlage gegen Borussia Dortmund den Schiedsrichtern und dem Verband indirekt eine bewusste Benachteiligung der Breisgauer vor.

 

Lieber Herr Streich, haben Sie das wirklich nötig?

 

Natürlich hätte sich Dortmund-Verteidiger Sokratis nicht beschweren können, wenn dessen Foul als Notbremse ausgelegt worden wäre. Allerdings sollte Streich auch bemerkt haben, dass seiner Mannschaft selbst gegen schwache Borussen schlicht die Mittel für ein Remis fehlten. Dem Verband vorzuwerfen, er wolle Freiburg mit bewussten Fehlentscheidungen über die komplette Saison aus der Liga "pfeifen", ist ebenso abenteuerlich wie fatal.

 

Der Trainer bringt mit solchen Aussagen Schiedsrichter in kommenden Partien bereits jetzt in eine unangenehme Situation. Jeder Pfiff wird noch genauer beobachtet werden, jede Entscheidung - egal, ob pro oder contra Freiburg - wird noch öfter kritisch hinterfragt werden. Ganz nebenbei gibt Streich seinem Team so ein perfektes Alibi für kommende schwache Leistungen. Auch diese Aussage kann wie ein Bumerang zurückkommen.

 

Matthias Sammer und Christian Streich - zwei Männer bei zwei Vereinen, die unterschiedlicher nicht sein können. Doch eines hatten beide in den letzten Tagen gemeinsam: totaler Realitätsverlust.

 

 

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