Schalke erst kalt erwischt, dann chancenlos

Der Bundesligist kann nach einer Heimblamage alle Chancen auf das Champions-League-Viertelfinale begraben.

 

Von Sebastian Koch

 

Der FC Schalke 04 kann, ähnlich wie Bayer Leverkusen, ohne jeden Druck in drei Wochen nach Madrid zum Champions-League-Rückspiel fahren. Die "Königsblauen" unterlagen am Abend vor heimischen Kulisse den "Königlichen" von Real Madrid mit 1:6 und sind im Rückspiel ohne Chance auf das Weiterkommen. Damit kassierten beide deutschen Gruppenzweiten in den Achtelfinalspielen deutliche Niederlagen. Vor einer Woche war Bayer Leverkusen zu Hause Paris Saint-Germain mit 0:4 unterlegen.

 

Schalke beginnt stark, Madrid vor dem Tor cool


Dabei fing der Abend für die Mannschaft von Trainer Jens Keller alles andere als schlecht an. Die Knappen begannen stark und selbstbewusst und drängten den spanischen Rekordmeister in den ersten Minuten in deren Hälfte. Benedikt Höwedes verfehlte nach drei Minuten mit einem Kopfball nur knapp das von Iker Cassilas gehütete Tor. 

 

Madrid wirkte, ob dem frechen Schalker Offensivspiel, kurzzeitig überrascht, jedoch keineswegs geschockt und ging mit dem ersten Angriff prompt in Führung. Einen vermeintlichen Doppelpass zwischen Gareth Bale und Cristiano Ronaldo unterband Felipe Santana, der dadurch allerdings unglücklich auf Stürmerstar Karim Benzema verlängerte. Der französische Nationalstürmer hatte aus kurzer Distanz keine Mühe, den Ball nach 13 Minuten an Ralf Fährmann vorbei ins Eck zu schlenzen.

 

Draxler mit der Ausgleichschance, Bale mit der Vorentscheidung


Die mitgereisten spanischen Fans hatten ihren Jubel noch gar nicht beendet, da fuhr ihnen der Schreck in die Glieder. Nach einer Hereingabe vom starken Jefferson Farfan brachte Julian Draxler den Ball aus zwei Metern allerdings nicht an Cassilas vorbei. Max Mayer drosch den Ball anschließend gefühlt in Richtung Dortmund über das Tor.

 

Auf der anderen Seite sorgte Gareth Bale nach 20 Minuten bereits für eine frühe Vorentscheidung und einen ersten K.O.-Schlag für den Bundesligisten. Draxler brachte Santana in Bedrängnis, der Brasilianer verlor den Ball an den agilen Benzema. Der bediente Bale, der einen Sololauf mit dem 2:0 vollendete.  

 

Offensivtrio demontiert Schalke

 

Der Schalker Widerstand war nach dem erneuten Rückschlag gebrochen und so kam die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti bis zum Halbzeitpfiff zu weiteren Chancen. Ronaldo und Benzema scheiterten allerdings an Pfosten und Fährmann. Der Schalker Schlussmann verhinderte einen noch höheren Rückstand zur Halbzeit.

 

Allerdings war auch Fährmann nach Wiederanpfiff machtlos. Madrid konterte im fremden Stadion und kam durch Ronaldo zum verdienten dritten Treffer. Auf Zuspiel von Bale ließ der Weltfußballer Verteidiger Joel Matip mit mehreren Übersteigern stehen und schloss trocken ab. 0:3 nach 52 Minuten - dem FC Schalke drohte ein Debakel. Zu dem kam es auch. 

 

Fünf Minuten nach dem Galaauftritt des Portugiesen war es wieder Benzema, der sich nach einem Doppelpass mit Ronaldo zum zweiten Mal in die Torschützenliste eintragen durfte. Bale, vor der Saison für geschätzte 90 Millionen aus Tottenham gekommen, krönte seine überragende Leistung nach 70 Minuten mit seinem zweiten Treffer.

 

Real schaltet zwei Gänge zurück, Ronaldo mit dem Schlusspunkt

 

In den letzten zwanzig Spielminuten verwalteten die Madrilenen den komfortablen Vorsprung, ohne dabei Schalke jedoch ins Spiel kommen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Fährmann verhinderte weitere Treffer der Spanier. Auf der Gegenseite verpufften die Offensivbemühungen des Bundesliga-Vierten ohne jede Wirkung.

 

Zwei Tore von Bale, zwei Tore von Benzema - da musste Ronaldo aus seiner Sicht natürlich gleichziehen und konnte das unter gütiger Mithilfe von Leon Goretzka auch machen. Nach 88 Minuten erhöhte "CR7" auf 6:0. Der Treffer von Klaas-Jan Huntelaar in der Nachspielzeit verdient zwar die Auszeichnung als "Tor des Monats", täuschte über das blamable Ergebnis nicht hinweg.

 

Julian Draxler sprach direkt nach Abpfiff im ZDF von einem "spürbaren Klassenunterschied", was den Abend mehr als passend beschrieb. Mit 1:6 fing sich Schalke die höchste Europapokalheimniederlage der Vereinsgeschichte ein. Die Königsblauen waren in der ersten Viertelstunde ebenbürtig, anschließend aber hoffnungslos unterlegen.

 

 

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