Adler patzt: Hamburg mehr als nur angezählt - auch Stuttgart verliert / Bayern und Dortmund souverän

Der 20. Spieltag stand am Samstagnachmittag ganz im Zeichen des Abstiegskampfs. In Braunschweig und Sinsheim gastierten Hamburg und Stuttgart zu direkten Duellen um Punkte für den Klassenerhalt, Bremen empfing im heimischen Weserstadion Mönchengladbach. Derweil marschieren die Bayern weiter souverän und auch die Dortmunder kommen rechtzeitig vor den Champions League-Wochen in Form.

 

Von Sebastian Koch

 

Eintracht Braunschweig – Hamburger SV 4:2 (0:1)

Der Hamburger SV taumelt weiterhin unentwegt dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Beim Krisengipfel zwischen dem Tabellenletzten und dem –Vorletzten unterlagen die Hanseaten bei Eintracht Braunschweig mit 2:4. Besonders bitter für die Hamburger: Torwart René Adler leitete den Ausgleich der Braunschweiger mit einem schweren Fehler ein und sah auch beim vorentscheidenden Gegentreffer zum 2:3 ganz schlecht aus. Die momentane Situation im Verein, der seit Wochen von Machtspielen und Personalquerelen erschüttert wird, scheint auch am sonst so soliden Nationalkeeper nicht spurlos vorbeizugehen. Der ließ eine scheinbar ungefährliche Flanke von Karim Bellarabi in der 51. Minute abprallen, woraufhin Domi Kumbela mühelos zum Ausgleich einschieben konnte. Pierre-Michel Lasogga hatte den HSV zuvor in Führung geköpft. Kurz nach dem Ausgleich erzielte der 30-jährige Kumbela sogar den Führungstreffer für Braunschweig – und das sollte es noch lange nicht gewesen sein. In einer verrückten und spektakulären zweiten Halbzeit, die den Tabellenstand der beiden Mannschaften in keinster Weise widerspiegelte, gelang Ivo Ilicevic nach 76 Minuten der Ausgleich für die Hamburger. Schließlich war es aber wieder Adler, der mit einem erneuten Patzer nach einer Flanke den Weg zum 3:2 und dem damit verbundenen Dreierpack von Kumbela ebnete. Der Treffer von Philipp Hochscheidt zum 4:2-Endstand markierte den Schlusspunkt in einer packenden Partie.

 

Die Luft für die sportliche Führung der Hamburger wird nun ganz dünn. Trainer Bert van Marwijk und Sportdirektor Oliver Kreutzer hatten den Krisengipfel unter der Woche als das wichtigste Spiel des Jahres auserkoren. Das wurde verloren und so dürfte die Zeit des Gespanns an der Elbe definitiv gezählt sein. Unter der Woche wurde unter anderem Mirko Slomka als van-Marwijk-Nachfolger ins Gespräch gebracht. Gut möglich, dass der schon ab Montag in Hamburg auf dem Trainingsplatz steht…

 

1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 4:1 (2:0)

Die Krise nimmt auch beim VfB Stuttgart kein Ende. Die Schwaben fingen sich im Baden-Württemberg-Derby bei 1899 Hoffenheim beim 1:3 die insgesamt sechste Niederlage in Serie. Zum bitteren Abend der Stuttgarter kam dazu auch noch der Platzverweis für Moritz Leitner, der nach 80 Minuten die Ampelkarte von Schiedsrichter Bastian Dankert gezeigt bekam. Ähnlich wie in Hamburg dürfte auch die Luft für VfB-Trainer Thomas Schneider jetzt dünn werden. Dem 42-Jährige steht eine unruhige Woche bevor. Vor genau einem halben Jahr hatte Schneider sein Engagement in Stuttgart mit einem 6:2-Heimerfolg gegen Hoffenheim begonnen. 

 

Vor dem Platzverweis für Leitner hatte sich ein rassiges Derby mit insgesamt sieben gelben Karten entwickelt, das von den Kraichgauern besonders in der ersten Halbzeit entscheidend geprägt wurde. Dabei avancierte der ehemalige Stuttgarter Sven Schipplock zum Matchwinner für Hoffenheim, das sich viel Luft im Absteigskampf verschaffen konnte. Der Stürmer brachte die TSG mit seinen beiden Treffern zum 1:0 und 3:0 auf die Siegerstraße. Dazwischen trug sich auch Youngster Kevin Volland in die Torschützenliste ein. Roberto Firmino traf in der Nachspielzeit per Elfmeter zum 4:1-Endstand, nachdem Antonio Rüdiger den VfB mit seinem Tor zehn Minuten vor Schluss noch einmal hoffen ließ.

 

Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:1)

Lange sah es so, als ob auch Werder Bremen keine Punkte im Abstiegskampf sammeln würde. Gegen Borussia Mönchengladbach unterlief Verteidiger Assani Lukimya bereits nach sechs Minuten ein kapitaler Bock, den Raffael zu nutzen wusste. Man merkte dem Werder-Spiel zum Einen die Verunsicherung und zum Anderen das Fehlen von Aaron Hunt an, der verletzungsbedingt passen musste. Die Norddeutschen enttäuschten in den ersten 45 Minuten auf ganzer Linie. Mönchengladbach verpasste es aber, die schwache Vorstellung der Bremer mit weiteren Gegentoren zu bestrafen.

 

Nach Wiederanpfiff zeigte sich die Mannschaft von Trainer Robin Dutt deutlich verbessert und kam zu mehreren Chancen, um den Ausgleich zu erzielen. Letztlich war es Neuzugang Ludovic Obranjak, der den Bremern zwei Minuten vor Schluss mit einem Traumfreistoß zumindest einen Punkt sichern konnte. Werder verdiente sich den Zähler mit einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit. Die Borussen suchen dagegen weiter ihre Form und müssen im Kampf um die Champions League-Plätze erneut fest eingeplante Punkte streichen.

 

Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 4:0 (2:0), FC Bayern München – SC Freiburg 4:0 (3:0)

Mit jeweils 4:0 siegten Dortmund und München in ihren jeweiligen Heimstadien. Bei der Borussia stellte Pierre-Emerick Aubameyang die Weichen mit einem Doppelpack in den ersten zwanzig Minuten früh auf Heimsieg. Gegen eine enttäuschende Frankfurter Eintracht schraubten Robert Lewandowski per Elfmeter und Neuzugang Milos Jojic den verdienten Heimsieg in die Höhe. Jojic war zum Zeitpunkt seines ersten Bundesligatreffers gerade einmal siebzehn Sekunden auf dem Platz und feierte einen Traumeinstand im Trikot der Schwarz-Gelben.

 

In München gab es für den SC Freiburg erwartungsgemäß nichts zu holen. Der Sport-Club, der in der Hinrunde den Münchnern eines von insgesamt nur zwei Unentschieden abtrotzen konnte, begann forsch, musste aber nach dem 0:1-Rückstand durch Dante noch vor der Pause alle Hoffnung auf einen Punktgewinn begraben. Xherdan Shaqiri markierte mit einem Doppelpack (34./42.) den Halbzeitstand, der in der Höhe jedoch zu deutlich ausfiel. In der zweiten Halbzeit zogen die Münchner ihr gewohntes Ballbesitzspiel auf und kamen durch Claudio Pizarro kurz vor Schluss zu ihrem vierten Treffer.

 

 

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