Schlussakkord für van Marwijk und Kreutzer?

Obwohl ein Pokalviertelfinale naturgemäß aus mehr als nur einer Partie besteht, schaut Fußballdeutschland heute Abend fast ausschließlich nur nach Hamburg. Wie wird sich der Bundesliga-Dino gegen den schier übermächtig wirkenden FC Bayern präsentieren und was geschieht mit der sportlichen Führung nach der Partie? Nein, es ist nicht wahrlich nicht allein das Sportliche, was im Vorfeld der Partie die Schlagzeilen in Hamburg beherrscht.

 

Von Markus Schulze

 

Zunächst einmal aber der kurze Blick zurück auf den gestrigen Abend: Da hat sich Borussia Dortmund als erste Mannschaft für das Halbfinale des DFB-Pokals qualifiziert. In einer spannenden Begegnung setzte sich die Mannschaft von Jürgen Klopp am Ende verdient mit 1:0 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt durch. Vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Commerzbank-Arena köpfte Pierre-Emerick Aubameyang seine Farben kurz vor Schluss eine Runde weiter (83.). Wer den Schwarz-Gelben in die Runde der letzten Vier folgt, wird heute Abend in den restlichen drei Viertelfinalpartien ermittelt.

 

Schicksalsspiel für van Marwijk?

 

Quo vadis HSV? Man muss es mit Humor nehmen, wenn man sieht, was "BILDonline" im Verlauf des Tages vermeldet hat. „Das werden die ersten Punkte der Rückrunde ...“ - gemeint sind damit allerdings keine wichtigen Zähler im Abstiegskampf, sondern ein Eintrag in die Verkehrssünderdatei Flensburg. Hintergrund ist eine Alkoholfahrt vom Hamburger-Sportchef Oliver Kreuzer, der mit 0,9 Promille von der Polizei angehalten worden ist.

 

Die Außendarstellung bei den sportlich und wirtschaftlich taumelnden Hanseaten läuft in den letzten Tagen alles andere als optimal. Erst die Fan-Eskalation nach dem Heimspiel gegen Hertha BSC am vergangenen Samstag, dann das große Hin und Her um Felix Magath. Kommt der "große Heiland" nun nach Hamburg oder kommt er nicht? Auch eine Mail von HSV-Investor Klaus-Michael Kühne war an die Öffentlichkeit gelangt. In dieser fleht er Magath buchstäblich an, den Weg an die Elbe zu finden. Es sind chaotische Zustände im Norden der Nation. (Noch-)Trainer Bert van Marwijk sprach sogar von einer „Selbstzerstörung des Vereins“.

 

Man mag es kaum glauben, doch noch miserabler als die Außendarstellung fällt die sportliche Bilanz der „Rothosen“ aus. Noch keine Punkte in der Rückrunde, sechs Niederlagen in Folge und mit 47 Gegentreffern die anfälligste Defensive der Bundesliga. Das ergibt in der Endrechnung Platz 17 und würde somit zu Saisonende den Gang in die Zweitklassigkeit bedeuten.

 

"Wir können einen Titel verlieren"

 

Und immer, wenn man denkt, es kann nicht schlimmer kommen, beweist der liebe Gott das Gegenteil. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gastiert die zurzeit beste Mannschaft der Welt in der Hamburger Imtech-Arena – der FC Bayern München. In der bayrischen Hauptstadt regnet es schon fast gute Nachrichten. Nach dem Comeback von Javi Martinez gegen Nürnberg, wird auch Bastian Schweinsteiger die Reise nach Hamburg antreten. Zudem wurde Anfang der Woche bekannt, dass der FC Bayern und die Allianz ihre Partnerschaft weiter ausbauen. Der weltgrößte Versicherungskonzern erwarb einen Anteil von 8,33 % und bescherte dem deutschen Rekordmeister damit einen Geldregen von 110 Millionen Euro. Einzig und allein die erneute verletzungsbedingte Pause vom Franzosen Franck Ribéry trübt die bayrische Festlaune.

 

Während man in der Liga von Erfolg zu Erfolg eilt, strebt man an der Isar auch die Mission „Pokalverteidigung“ an. In München ist man sich der Favoritenrolle bewusst, dennoch geht man das Spiel mit der nötigen Einstellung an. „In einem Spiel kann alles passieren. Es geht bei 0:0 los. Wir dürfen nicht schon an Freiburg oder London denken. Hamburg ist das wichtigste Spiel. Wir können morgen keinen Titel gewinnen, aber wir können einen verlieren“, appellierte Bayern-Coach Pep Guardiola am Dienstag auf der Pressekonferenz.

 

Bei einem Bayern-Sieg könnte es heute zum Ende eines traurigen und enttäuschenden Kapitels in der Vereinsgeschichte des HSV kommen - van Marwijk und Kreutzer dürften bei einer weiteren (hohen) Niederlage kaum mehr zu halten sein. Doch wie sagt man so schön – der Pokal hat seine eigenen Gesetze und vielleicht schreibt er ja heute einer seiner verrücktesten Geschichten.

 

Kaiserslautern letzter Zweitligist - Bundesligaduell in Sinsheim

 

In den zwei weiteren Partien stehen Bayer 04 Leverkusen und der 1. FC Kaiserslautern, sowie 1899 Hoffenheim und der VfL Wolfsburg gegenüber. Während die „Werkself“ die Favoritenrolle einnehmen dürfte, erwartet uns in Sinsheim ein spannendes Duell zweier Erstligisten.

 

Alle Viertelfinals im Überblick:

 

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 0:1 (0:0)

Bayer 04 Leverkusen – 1. FC Kaiserslautern 19.00 Uhr

1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg 19.00 Uhr

Hamburger SV – FC Bayern München 20.30 Uhr

 

 

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