Tag 4: Rodlerin Geisenberger und Skispringerin Vogt sichern Deutschland die Goldmedaillen drei und vier

 

Zuerst sah alles nach einem gebrauchten Tag für das deutsche Olympia-Team aus. Doch dann kamen die Entscheidungen der Rennrodlerinnen im Eiskanal und das Skispringen der Frauen auf der Normalschanze. Am Ende ist es der bisher erfolgreichste Tag bei diesen Winterspielen für Deutschland. Grund zur Freude gab es auch für Norwegen, das bei den Langläufern gleich doppelt erfolgreich war. Die weiteren Goldmedaillen des Tages gingen nach Kanada, Weißrussland, Südkorea und in die Schweiz.

 

Von Jan Geißler

 

Den Auftakt in den vierten Wettkampftag machten die "Ski-Freestylerinnen" in der erstmals bei Olympia ausgetragenen Disziplin Slopestyle. Und so wie der gestrige Tag zu Ende gegangen war, startete auch der heutige: Mit Gold für Kanada. Die Freestyle-Wettbewerbe bleiben also weiterhin fest in der Hand der Nordamerikaner. Die 19-jährige Dara Howell setzte sich souverän vor der US-Amerikanerin Devin Logan durch und holte damit im dritten Wettkampf das dritte Gold für die Nordamerikaner. Zuvor hatten bereits die beiden Snowboarder Sage Kotsenburg und Jamie Anderson (beide USA) Gold geholt. Bronze ging an Kim Lamarre und damit ebenfalls an eine Kanadierin. Die deutsche Medaillenhoffnung Lisa Zimmermann war überraschend in der Qualifikation gescheitert, nachdem sie ihre beiden äußerst anspruchsvollen Sprünge nicht fehlerfrei gezeigt hatte.

 

Weiter ging es mit den Sprint-Wettbewerben der Langläuferinnen und Langläufer. Aus deutscher Sicht gab es hier leider wenig Grund zur Freude. Während das deutsche Quartett der Männer spätestens im Viertelfinale komplett ausgeschieden war - Mitfavorit Josef Wenzl scheiterte sogar schon in der Qualifikation, gelang Denise Herrmann bei den Frauen immerhin der Einzug ins Halbfinale. Als eine der Favoritinnen in den Wettkampf gegangen war dieser aber doch eher eine Enttäuschung. Auch für den norwegischen Superstar Marit Björgen reichte es heute zu keiner Medaille. Stattdessen sprangen ihre Mannschaftskollegen in die Presche.

Bei den Frauen sicherte sich die Norwegerin Maiken Caspersen-Falla den Olympiasieg. Die 23 Jahre alte WM-Dritte setzte sich im Finale vor ihrer Landsfrau Ingvild Östberg durch. Die Slowenin Vesna Fabjan sicherte sich bronzenes Edelmetall. Und auch bei den Männern kommt der beste Sprinter aus Norwegen. Nur zwölf Minuten nach dem Triumph von Caspersen-Falla setzte sich der 31-jährige Ola Vigen Hattestad in einem wahren Sturzfestival die Krone auf und sicherte den Skandinaviern die nächste Goldmedaille. Als Zweiter überquerte Teodor Peterson die Ziellinie, gefolgt von seinem Landsmann Emil Jönsson. Dieser hatte bereits fast 20 Sekunden Rückstand.

 

Bei den Eisschnellläuferinnen ging es nun in der Adler-Arena darum, die Olympiasiegerin über 500 Meter zu ermitteln. Dabei ging Gold erwartungsgemäß an die Weltmeisterin, Weltrekordhalterin und Siegerin von Vancouver Lee Sang-Hwa aus Südkorea. Im zweiten Lauf lief sie dabei Olympischen Rekord. Silber und Bronze gingen an Olga Fatkulina aus Russland und die Niederländerin Margot Boer, deren Edelmetall gleichzeitig die achte Eisschnelllauf-Medaille für die Niederlande war. Jenny Wolf, die einzige deutsche Hoffnung, landete weit abgeschlagen auf einem enttäuschenden sechsten Gesamtrang. Sie wird nun ihr ursprünglich angedachtes Karriereende noch einmal verschieben und auch noch über die 1000-Meter-Distanz an den Start gehen.

 

Einen ganz schwarzen Tag erwischten anschließend die deutschen Biathletinnen im Verfolgungswettkampf. Dabei war die von Platz elf ins Rennen gestartete Evi Sachenbacher-Stehle nach sechs Fehlern und dem damit verbundenen 27. Platz noch die beste der vier Deutschen. Die größte Verbesserung gelang Laura Dahlmeier, die nur eine Scheibe verfehlte und sich somit von Rang 46 im Sprint auf die 30. Position vorarbeitete. Mit ebenfalls nur einem Fehlschuss ging Gold an die Weißrussin Darya Domratschewa, die sich von Platz neun nach vorne gekämpft hatte. Tora Berger aus Norwegen holte Silber, Bronze sicherte sich etwas überraschend die 33-jährige Slowenin Teja Gregorin.

 

Die ganzen Enttäuschungen des Tages so gut wie vergessen zu machen, gelang im Anschluss den deutschen Rodlerinnen. Natalie Geisenberger gewann quasi eine Goldmedaille mit Ansage und sicherte dem DOSB das zweite Rodel-Gold. Zuvor hatte bereits Felix Loch bei den Männern den Olympiasieg gefeiert. "Begreifen kann ich das noch nicht. Ich bin momentan noch nicht in der Lage, etwas dazu zu sagen", sagte Geisenberger kurz nachdem der Triumph fest stand. Die aktuelle Weltcupgesamtsiegerin setzte sich nach vier starken Läufen deutlich vor Tatjana Hüfner durch, die den deutschen Doppelsieg perfekt machte. Bronze sicherte sich die US-Amerikanerin Erin Hamlin. Mit Anke Wischnewski landete eine weitere Deutsche auf dem sechsten Platz.

 

Indes heißt der Olympiasieger in der Halfpipe der Snowboarder nicht Shaun White sondern Iouri "iPod" Podladtchikov. Der Schweizer hat es geschafft den zweimaligen Halfpipe-Olympiasieger aus den USA vom Thron zu stoßen. Mit 94,75 Punkten für den besseren seiner zwei Durchgänge gewann er vor den zwei Japanern Ayumu Hirano (93,50) und Taku Hiraoka (92,25). Topfavorit White musste sich nach zwei fehlerhaften Durchgängen mit dem vierten Platz begnügen und verpasste somit sogar eine Medaille.

 

In der letzten Entscheidung des Tages gab es dann aus deutscher Sicht doch noch einmal Grund zur Freude. Skispringerin Carina Vogt hat sich hauchdünn und gleichzeitig sensationell den Olympiasieg auf der Normalschanze geholt. Im "RusSki Gorki Skisprung-Zentrum" von Krasnaja Poljana gewann die 22-jährige Vogt mit Sprüngen von 103 Metern und 97,5 Metern vor der Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz und Coline Mattel aus Frankreich. "Ich bin einfach sprachlos und kann es überhaupt nicht fassen, was hier gerade passiert ist", sagte die Überraschungs-Olympiasiegern kurz nach der "Flowers Ceremony".

 

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