Wawrinka schafft historisches - Nadal angeschlagen

Der Schweizer besiegte in einem dramatischen und kuriosen Finale den spanischen Weltranglistenersten und gewinnt sein erstes Grand-Slam-Turnier.

 

Von Sebastian Koch

 

Erstmals seit mehr als vier Jahren hat mit Stanislas Wawrinka ein Spieler außerhalb der "Big Four" - Rafael Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer und Andy Murray - ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Zuletzt war dem Argentinier Juan Martín del Potro ein solcher Coup bei den US Open 2009 geglückt. Der Schweizer setzte sich am Morgen mit 6:3, 6:2, 3:6, 6:3 gegen Rafael Nadal durch.

 

Wawrinka beginnt entfesselt, Nadal nervös

 

Der 28-Jährige startete, entgegen so manchen Prognosen, überraschend offensiv in sein erstes Grand-Slam-Finale. Im Gegensatz dazu war seinem spanischen Kontrahenten von Beginn an die Nervosität und die Bürde der Favoritenrolle anzumerken. Nadal fand schwer ins Match, Wawrinka überzeugte dagegen mit fulminanten Winnerschlägen. Besonders die Variabilität in Wawrinkas Spiel stellte den Weltranglistenersten im ersten Satz vor schier unlösbare Probleme.

 

So gewann Wawrinka, der ab morgen als Dritter der Weltrangliste geführt werden wird, nach nur 37 Minuten den ersten Satz mit 6:3 und stellte die Weichen für seinen ersten Grand-Slam-Titel. Zuvor hatte der Enkel eines deutschen Landwirts beim Stand von 0:40 drei Breakchancen abwehren und seinerseits seinen ersten Satzball nutzen können.

 

Wawrinka gelingt frühes Break, Nadal verlösst den Platz


Wawrinka gelang es, den Schwung aus dem ersten Durchgang in den Zweiten mitzunehmen. Bereits im ersten Spiel nahm der (noch-)Weltranglistenachte dem 13-maligen Grand-Slam-Sieger seinen Service ab. In eindrucksvoller Manier hatte der 28-jährige Lausanner bis dahin Nadal dominiert und nahtlos an die Leistungen bei den Siegen gegen Novak Djokovic und Tomas Berdych angeknüpft.

 

In der Spielpause nahm Nadal, der sichtlich beeindruckt von der Leistung Wawrinkas war, eine "Medical Time Out" und verließ infolgedessen wortlos den Innenraum. Wawrinka verwickelte Hauptschiedsrichter Carlos Ramos daraufhin in einen lautstarken Disput und forderte diesen auf, den Grund für Nadals Auszeit zu nennen. Ramos blieb unbeeindruckt. Wawrinka hingegen redete sich in Rage, ehe Nadal nach einer gefühlten Ewigkeit, von Pfiffen beglietet, in den Innenraum zurückkehrte.

 

Nadal gezeichnet, Wawrinka ratlos


Der zweite Satz war nach dem (Fast-)Eklat einem Finale nicht würdig. Nadal war sichtlich von einer Rückenverletzung gezeichnet und konnte seine Aufschläge nur mit Geschwindigkeiten von unter 130 km/h servieren. Auf der anderen Seite kostete Wawrinka die lange Pause seinen Spielrhythmus, was zu einer hohen Fehlerquote auf beiden Seiten führte. So manch ein nostalgischer Tennisfan fühlte sich wohl an das legendäre French-Open-Achtelfinale 1989 zwischen Michael Chang und Ivan Lendl erinnert.

 

Von Pfiffen und Buh-Rufen begleitet, war Nadal im zweiten Satz quasi handlungs- und bewegungsunfähig. Wawrinka seinersets, wusste zu keiner Zeit, wie er mit der Verletzung Nadals umgehen und diese ausnutzen sollte. Am Ende eines sportlich unterirdischen und kuriosen Satzes stand dennoch ein deutliches 6:2 zu Gunsten Wawrinkas. Der Spanier, so hatte man den Eindruck, war wegen den Schmerzen zeitweise sogar den Tränen nahe. Das vielleicht härteste Grand-Slam-Turnier aller Zeiten, mit Temperaturen in der erste Turnierwoche von über 43 Grad Clesius, forderte in dieser Phase beim Spanier seinen Tribut.

 

Nadal wie Phönix aus der Asche, Wawrinka macht Erfolg perfekt


"Es wurde immer schlimmer, aber das letzte, was ich tun wollte, war aufgeben. Ich hasse das, vor allem in einem Finale", erklärte Nadal nach dem Spiel und begründete seinen, zu dieser Zeit, überraschenden Entschluss, das Finale nach dem verlorenen zweiten Satzes nicht aufzugeben.

 

Ganz im Gegenteil: Nadal kämpfte sich im dritten Satz zurück ins Match und profitierte dabei von Wawrinkas ansteigender Fehlerquote. Der Schweizer hatte durch das Hickhack um den Mallorquiner auch im dritten Satz seinen Faden noch nicht wiedergefunden und musste den Durchgang vollkommen überraschend mit 3:6 abgeben.

 

Auch der vierte Satz war teilweise von vielen Fehlern auf beiden Seiten geprägt Letztlich war es aber Wawrinka, der in einer Serie von Breaks die Oberhand behielt und schließlich seinen ersten Matchball zum 6:3 nutzen konnte.

 

"Einfach verrückt"


Wawrinka ist nach Federer erst der zweite Schweizer, der eine Herrenkonkurrenz bei einem Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. "Das ist einfach verrückt, was da passiert ist. Ich hätte nie erwartet, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen und auch nicht geglaubt, gut genug zu sein, um einen wie Nadal zu schlagen", frohlockte Wawrinka bei seiner Siegesrede und wand sich auch nochmal an seinen gezeichneten Konkurrenten: "Rafa, es tut mir leid für dich. Ich hoffe, deinem Rücken geht es bald besser. Du bist ein guter Freund und ein unglaublicher Champion."

 

 

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